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Interview mit Expertin Welche Chancen und Gefahren eine Cannabis-Freigabe birgt

Friesland - Die mögliche Legalisierung von Cannabis könnte zum Diskussionspunkt für die Koalitionsverhandlungen werden. Was könnte eine Freigabe für Abhängige bedeuten? Fragen an die Leiterin der Suchtberatung Friesland, Imke Janssen.

Frau Janssen, die Suchtberatung in Friesland hat in ihrer Arbeit immer wieder mit Cannabis-Abhängigen zu tun. Gilt Cannabis heute noch als typische Einstiegsdroge?

Imke JanssenNein, eigentlich nicht. Da müssen wir eher auf Alkohol- und Tabakkonsum, Verdampfer oder das Rauchen von Shishas schauen. Das sind eher die Eingangsformen für Menschen, die dann später auch Cannabis rauchen. Zudem muss man unterscheiden zwischen risikoarmen Gruppen, die Cannabis also nur ab und zu auf Partys konsumieren und der Gruppe die wirklich abhängig ist von der Droge.

PRO UND KONTRA Sollte Cannabis legalisiert werden?

Friesland

Ab wann merke ich, dass ich abhängig von Cannabis bin?

JanssenWir sprechen von einer Abhängigkeit, wenn ich wirklich täglich die Droge brauche. Oder wenn ich sie zu mir nehme, weil ich Stress in der Familie habe oder im Job und es zum Runterkommen brauche.

Zum Vergleich wird in der Diskussion immer gern Alkohol angeführt. Wie gefährlich kann Cannabis denn für mich auch gesundheitlich werden?

JanssenSoweit ich weiß, gibt es keine Statistik über Todesfälle durch Cannabis. Dennoch können die Folgen verheerend sein. Neueste Untersuchungen zeigen, dass es bei häufigem Konsum von Cannabis zu Veränderungen am Großhirn kommen kann. Das kann für Aufmerksamkeitsdefizite sorgen und die Fokussierung sowie die Fähigkeit Problemlösung zu finden, gehen verloren. Auch die Zahl der psychotischen Störungen ist merklich angestiegen.

Anonymität und Schweigpflicht

Wer Hilfe bei der Suchtberatung sucht, kann dies ohne Angaben seines vollständigen Namens tun. Anonymität sowie die Schweigepflicht sind wesentliche Bestandteile der Beratung. Kontakt:Suchtberatung Friesland in JeverKostverloren 2Telefon: 04461/91 36 50Email: friesland@step-niedersachsen.de

Suchtberatung Friesland in VarelBahnhofstraße 6Telefon: 04451/9 64 20Email: friesland@step-niedersachsen.de

Während der Koalitionsverhandlungen ist das Thema einer möglichen Legalisierung von Cannabis wieder auf den Tisch gekommen. Wie steht die Suchtberatung zu diesem Thema?

JanssenDas Thema Legalisierung von Cannabis ist ja nicht neu. Es birgt ziemlich viele Nebenfelder, die beachtet werden müssen. Politische, gesundheitspolitische, rechtliche und auch kriminologische. Wir haben in unserer Arbeit meist mit dem gesundheitspolitischen Aspekt zu tun, weil wir mit den Menschen konfrontiert werden, die ihren Konsum nicht mehr kontrollieren können.

Zahl der Suchtkranken sinkt nach Legalisierung

Könnte eine Legalisierung diesen Menschen dann eventuell helfen?

Imke Janssen ist Leiterin der Suchtberatung Friesland. Foto: Janssen

Imke Janssen ist Leiterin der Suchtberatung Friesland. Foto: Janssen

JanssenEs gibt Untersuchungen aus anderen europäischen Ländern, z.B. Portugal oder Holland, die zeigen, dass es gar nicht so viel mehr suchtkranke Menschen nach einer Legalisierung gibt, insofern würde es nicht unbedingt helfen. Allerdings kann es den Menschen insofern helfen, dass sie eher zu uns in die Beratung kommen. Denn oft trauen sie sich nicht, weil sie wissen, sie haben etwas illegales getan. So könnten wir gerade junge Menschen viel eher erreichen und viel gezielter Präventionsmaßnahmen anbieten. Das würde auch unsere Arbeit wesentlich leichter machen.

Da höre ich raus, dass sie klar für eine Legalisierung von Cannabis sind.

JanssenWir sprechen lieber von einer Regulierung. Und diese muss aus unserer Sicht in eng abgesteckten Grenzen durchgeführt werden. Dann wären die Vertriebswege klar, die Qualität, die Preise und es wäre geregelt, wie viel sie besitzen dürfen. Wenn das geregelt wäre, wären auch andere Dinge geregelt, wie z.B. die Teilnahme am Straßenverkehr, denn dafür gibt es keine Richtlinie. Es gibt keine festgelegte Grenze. Eine Altersbegrenzung wäre aus unserer Sicht frühestens ab 25 sinnvoll.

Legalisierung bietet Gefahren und Vorteile

esteht da nicht die Gefahr, dass sich gerade für unter 25-Jährige ein Schwarzmarkt bildet?

JanssenDas ist mit Sicherheit richtig, aber diesen Markt wird es immer geben. Allerdings wäre er so besser kontrollierbar.

Was würde aus Ihrer Sicht denn noch für eine Legalisierung bzw eine Regulierung sprechen?

JannsenDurch eine Nichtregulierung werden gerade Jugendliche häufig bereits als Kleinkriminelle abgestempelt und in eine Ecke gedrängt,. in diese gar nicht gehören und das nur, weil sie mal etwas ausprobiert haben. Sie werden dann wegen kleinen Mengen davon abgehalten, bestimmte Berufe zu erlernen oder den Führerschein zu machen. Da werden frühzeitig Biografien gestört, was nicht nötig wäre. Zudem könnte sich die Polizei auf wichtigere Dinge konzentrieren. Wo werden diese Richtlinien nicht eingehalten, sie könnte den Schwarzmarkt und die Hehlerei unterbinden oder ähnliches.

Birgt das nicht aber auch Gefahren?

JanssenDurchaus. Darum muss man eine solche Regulierung auch mit viel Fingerspitzengefühl angehen. Denn was nicht passieren darf ist, dass sich andere Drogen wie Speed oder Ecstasy an diesen legalen Markt ankoppeln, wie das in Holland geschehen ist.

Sebastian Urbanczyk
Sebastian Urbanczyk Lokalredaktion, Jeversches Wochenblatt
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