Friesland - Unwetter mit extremen Regenmengen können jederzeit und überall auftreten. Wie kann man vorbeugen? Und was sagen die Experten?
Der Starkregen ist kein wünschenswertes Wetterphänomen. In urbanen Ballungszentren gilt dies umso mehr. Die hohe Niederschlagsmenge – mindestens 15 Liter auf den Quadratmeter pro Stunde oder 20 in sechs Stunden – ist für den Boden schwer zu schlucken. Ist die Fläche dazu noch zu großen Teilen versiegelt, stehen schnell ganze Straßenzüge unter Wasser.
Technische Vorkehrungen treffen
„Seit einigen Jahren beobachten wir, dass gerade Starkregen immer häufiger auftritt. Deshalb ist es für Menschen in gefährdeten Gebieten wichtig, technische Vorkehrungen zu treffen und einen möglichen Versicherungsschutz zu prüfen“, rät Axel Frerichs, stellvertretender Geschäftsführer des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands (OOWV).
Vorbeugende Schritte könnten allerdings nur Früchte tragen, wenn alle mitmachen: Hausbesitzer, Kommunen und Betreiber von Abwasseranlagen. Sie alle müssen Vorkehrungen treffen, um im Ernstfall möglichst gut gerüstet zu sein.
Starkregen-Gefahrenkarte
In Oldenburg beispielsweise hat der OOWV zusammen mit den Stadtplanern eine Starkregen-Gefahrenkarte erstellt. Hausbesitzer können sich mithilfe dieser ganz einfach informieren, wie sich die Lage für ihre eigene Immobilie unter dem Eindruck verschiedener Niederschlagsmengen darstellt. Das konkrete Problem: Sind die Kapazitäten in den Kanälen durch die stark erhöhte Niederschlagsmenge erschöpft, kann Abwasser auch aus tiefer liegenden Einrichtungen wie dem Bodenablauf in den Keller eindringen.
„Rückstauklappen in der Grundstücksentwässerung sind ein sehr gutes Mittel, um zumindest dieser möglichen Starkregenfolge vorzubeugen“, weiß Jens de Boer, OOWV-Regionalleiter für die Stadt Oldenburg und den Landkreis Ammerland.
Infomaterial zum Thema Starkregen
Der OOWV entwickelt Strategien, um die Leistungsfähigkeit der Kanalnetze zu erhalten und passt diese den Erfordernissen an. Starkregenereignisse müssen auch von Stadtplanern stärker berücksichtigt werden, zum Beispiel indem weniger Flächen versiegelt und vermehrt durchlässige Stoffe wie etwa Kies oder Split statt Asphalt Verwendung finden. Auch der Erhalt von Gräben und der Bau von Regenrückhaltebecken gehören dazu, so der OOWV. Infomaterial zum Thema Starkregen auf der Webseite im Download-Bereich unter:
Video der TBW
Der städtische Eigenbetrieb TBW in Wilhelmshaven hat in den vergangenen Jahren zahlreiche große Stauraumkanäle und -becken im Stadtgebiet gebaut, um die Wassermassen auffangen zu können. Dadurch werden erfolgreich Überschwemmungen minimiert, teilt die Stadt in einer Presseinfo mit. Um ein Haus wirksam gegen Rückstau zu schützen, ist der Einbau einer Rückstausicherung im Keller notwendig. Außerdem sollte möglichst viel Fläche rund ums Haus nicht versiegelt – sprich: nicht betoniert oder gepflastert – werden, damit der Regen eine Möglichkeit hat zu versickern.
Der TBW möchte für dieses Thema sensibilisieren und hat auf seiner Internetseite ein informatives Video bereitgestellt. Dieses zeigt, was jeder Bürger tun kann, um sich vor Schäden zu schützen.
NLWKN
„Unsere Analysen zeigen, dass wahrscheinlich im Zuge des sich wandelnden Klimas die extremen Ereignisse, wie Hochwasser, aber auch Trockenheit, intensiver und auch häufiger auftreten können“, sagt Uwe Petry von der Hochwasservorhersagezentrale des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Um schwere Schäden durch Starkregen zu verhindern, schlägt der Experte unter anderem vor, bei der Stadtplanung künftig freie Überschwemmungsflächen mit zu planen.
