Friesland/Wilhelmshaven - Für alle, die mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson geimpft worden sind, waren die Nachrichten dieser Tage unangenehm. Denn wer bislang lediglich einmal mit diesem Stoff geimpft wurde, hat nach den neuesten Bestimmungen des Bundes jetzt keinen vollständigen Impfschutz mehr. Wer bereits eine zweite Impfung mit einem mRNA-Impfstoff, etwa Biontech, erhalten hat und bislang davon ausgegangen ist, dass er geboostert ist, hat diesen Status verloren.
Fest steht, dass diejenigen, deren Zweitimpfung mit Biontech vorgenommen wurde, zumindest als vollständig geimpft gelten. Ob das auch für diejenigen gilt, deren zweiter Impfstoff Moderna war, war dem Gesundheitsamt des Landkreises Friesland noch nicht bekannt. Denn bei einer Boosterimpfung mit Moderna wird lediglich die halbe Dosis verabreicht. „Der Landkreis klärt aktuell mit dem Land Niedersachsen, ob der Impfschutz in diesem Fall als vollständig anzusehen ist“, hieß es.
Fallzahlen unbekannt
Wie viele Menschen in Friesland und Wilhelmshaven von den neuen Bestimmungen betroffen sind, ist nicht dokumentiert. Die Impfteams der Johanniter haben in Friesland 1121 Boosterimpfungen auf Johnson & Johnson verabreicht. Es gab in Wilhelmshaven und Friesland Praxen, die viel Johnson & Johnson verimpft haben. Wie viele Erstimpfungen mit dem Impfstoff verabreicht wurden und wie viele Menschen sich nach dieser Impfung in Arztpraxen haben boostern lassen, ist nicht erfasst. Hinzu kommt, dass die Impftermine der mobilen Impfteams in Friesland auch von auswärtigen Bürgern genutzt werden können. Die 1121 Booster-Impfungen auf Johnson & Johnson sind also nicht zwingend alle an Menschen aus Friesland oder Wilhelmshaven ausgegeben worden. In Niedersachsen haben durch die Neuerungen insgesamt 431 000 Menschen ihren Impfstatus verloren.
Hohe Wirksamkeit
Die Sorge, mit nur zwei Impfungen ohne Booster gegen die derzeit vorherrschende und hoch ansteckende Omikron-Variante nicht geschützt zu sein, relativiert Jens Wagenknecht, Allgemeinmediziner aus Varel und Vorsitzender der Bezirksstelle Wilhelmshaven der Ärztekammer Niedersachsen. Wer beispielsweise im Juni die Erstimpfung mit Johnson & Johnson erhalten habe und im November eine zweite Impfung mit einem mRNA-Impfstoff, könne auf seinen Impfschutz vertrauen. „Die Ergänzung im November ist hoch wirksam und erhöht den Schutz vor einem schweren Verlauf“, sagt der Mediziner. Da die Impfung in diesem Fall noch keine drei Monate her ist, müsste der Betroffene aus diesem Beispiel auch bei Kontakt zu einer positiv getesteten Person derzeit nicht in Quarantäne.
Eine dritte Impfung, also der Booster, wird auch in diesen Fällen nach drei Monaten empfohlen. Erst danach entfällt für die Betroffenen wieder die Testpflicht in Bereichen, in denen die 2G-Plus-Regel gilt, etwa beim Sport oder in der Gastronomie.
