Friesland/Wilhelmshaven - Ein Discobesuch in Schortens am Freitag und ein geselliger Abend am darauffolgenden Samstag in einer Kneipe in Jever – die Gäste hätten damals wohl nicht erwartet, dass sie eine Woche später den Anruf vom Gesundheitsamt bekommen: Ein Gast war inzwischen positiv auf das Sars-Cov-2-Virus getestet worden und es besteht das Risiko einer Ansteckung.
Als Kontaktpersonen befinden sich 251 Menschen vorsorglich in Quarantäne – darunter 124 aus Friesland (die WZ berichtete). Das Besondere: Der positiv getestete Gast hatte bei seinem Besuch keine Symptome, auch der Schnelltest war negativ. Drei Tage später dann die Symptome – seit fünf Tagen liegt nun das positive PCR-Testergebnis vor.
Die betroffene Person hatte am Freitag, 23. Juli, die Diskothek in Schortens besucht, tags darauf dann eine Kneipe in Jever. Den Ablauf hat der Landkreis inzwischen korrigiert, dieser war am Montag falsch mitgeteilt worden. „Sämtliche Kontaktpersonen dieser Tage wurden aber vom Gesundheitsamt korrekt informiert und kontaktiert“, betont Nikola Karmires, Sprecherin des Landkreises. Bislang seien diese ohne Symptome. Sollte sich das ändern, werde in jedem Fall ein PCR-Test fällig. Es sei aber sämtlichen Personen ein Test angeboten worden – unabhängig von Symptomen.
Die Quarantäne gilt bis einschließlich Samstag und somit bis 14 Tage nach einem möglichen Kontakt. Für Diskussion sorgten indes die Ausnahmen von der Quarantäneanordnung: „102 betroffene Personen aus dem Landkreis Friesland waren geimpft oder vollständig genesen, so dass für diese keine Quarantäne erforderlich ist“, teilte der Landkreis mit.
Das Gesundheitsamt der Stadt Wilhelmshaven, das ebenfalls mögliche Kontakte des infizierten Gaststättenbesuchers informieren musste, hat diese Ausnahmen für Betroffene indessen nicht gemacht. Dort wurden sämtliche Wilhelmshavener Besucher der Gaststätten zunächst als direkter Kontakt eingestuft und mit einem PCR-Test getestet, teilt die Stadt Wilhelmshaven auf Anfrage mit. Aufgrund des Verdachtes bestehe bis zum Ergebnis der PCR-Tests eine Quarantäne auch für Geimpfte und Genesene. „Diese unterstehen anschließend, im Falle eines negativen PCR-Tests, einer persönlichen Beobachtung.“
Laut Karmires folgt das Gesundheitsamt des Landkreises Friesland bei Quarantäne-Anordnungen den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI). Vollständig geimpfte Personen können demnach von Quarantäne-Maßnahmen ausgenommen werden – ebenso Personen, die in der Vergangenheit eine PCR-bestätigte und symptomatische Covid-19-Erkrankung durchgemacht haben. Wer geimpft ist und nachweislich mit der mutierten Virusvariante Beta oder Gamma Kontakt hatte, muss sich nach der Empfehlung aber grundsätzlich in Quarantäne begeben. Betroffene Personen sollen bis zum 21. Tag nach Kontakt Körpertemperatur und mögliche Symptome im Blick behalten. Entwickeln sich trotz vorausgegangener Impfung Symptome, so muss sie sich in eine Selbstisolierung begeben und eine zeitnahe Testung veranlassen, heißt es beim RKI.
Die Gesundheitsämter können aber im Einzelfall und mit Begründung von dieser Empfehlung abweichen, wenn es etwa die Situation erfordere. So verfahre auch der Landkreis Friesland, erklärt Karmires: „Das Gesundheitsamt schaut sich jeden Fall ganz genau an und entscheidet dann.“
