Friesland - Die Corona-Krise hat die Wirtschaft im Jade-Wirtschaftsraum in allen Bereichen getroffen: „Die Krise hat nachhaltige Auswirkungen auf die Betriebe – einiges wird sich nun verändern“, sagt Thomas Hohmann, Vizepräsident des Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbands Jade: „Doch die Krise stellt zugleich eine Chance dar, Prozesse in Unternehmen zu verändern, um künftig krisensicherer aufgestellt zu sein.“

Konjunkturumfrage 2020

An der Umfrage beteiligten sich 117 Betriebe aus den Branchen:  Produzierendes und verarbeitendes Gewerbe/Industrie 10 Prozent Dienstleistung 27 Prozent Einzelhandel 10 Prozent Gastronomie 14 Prozent Freie Berufe 6 Prozent Handwerk 8 Prozent Andere 17 Prozent Gesundheit/Pflege 5 Prozent Bauwirtschaft 3 Prozent

Umsatzentwicklung: 34 Prozent der Unternehmen beschreiben die Umsatzentwicklung im Vergleich zum Vorjahr als weitestgehend konstant bzw. konnten ihren Umsatz leicht steigern. 18 Prozent geben an, dass ihr Umsatz leicht rückläufig ist. 22 Prozent verzeichnen rund 50 Prozent weniger Umsatz als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr und 26 Prozent ist der Umsatz komplett ausgefallen.

Maßnahmen in der Krise: 44,2 Prozent geben an, dass sie wegen der Corona-Krise Kurzarbeit beantragt haben. Insgesamt 43 Prozent haben Kredite bzw. Zuschüsse beantragt. 58,1 Prozent haben den Abbau von Überstunden und Resturlaub umgesetzt. 11,6 Prozent mussten sich wegen der Krise von Mitarbeitern trennen.

Betriebswirtschaftlicher Schaden: 29 Prozent der Unternehmen geben an, dass sie aktuell noch keinen betriebswirtschaftlichen Schaden verzeichnen. 32 Prozent beziffern den Schaden auf bis zu 50 000 Euro; 13 Prozent auf bis zu 100 000 Euro; 11 Prozent auf bis zu 500 000 Euro. Der Schaden bei rund 15 Prozent liegt bei einem betriebswirtschaftlichen Schaden bis zu 1 Million Euro und teilweise sogar noch darüber hinaus.

So lange halten Betriebe durch:   6 Prozent 1 bis 2 Wochen  22 Prozent 3 bis 4 Wochen 33 Prozent 2 Monate 20 Prozent 6 Monate 19 Prozent können die Situation nicht beurteilen und viel schneller in bedrohliche Schieflage geraten.

Notwendig seien nun vor allem „vernünftige Förderprogramme“: „Wir brauchen nachhaltige Investitionsprogramme, damit Unternehmen planen können. Das Gießkannenprinzip hilft keinem.“

Wie es um die Wirtschaft in Friesland, Wittmund und Wilhelmshaven sowie auf der gesamten Ostfriesischen Halbinsel in Corona-Zeiten steht, zeigt die Konjunkturumfrage 2020 von AWV, Wirtschaftsförderungsgesellschaft Varel und Wirtschaftsförderkreis Harlingerland. Wie in jedem Frühjahr haben die Wirtschaftsverbände ihre Mitgliedsbetriebe befragt. „Die Ergebnisse weichen natürlich deutlich von den bisherigen ab“, sagt AWV-Präsident Tom Nietiedt.

An der Umfrage vom 30. April bis 15. Mai beteiligten sich 117 Unternehmen mit insgesamt 20 827 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten (27,6 Prozent der gesamten sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse) aus Wilhelmshaven, Wittmund und Friesland.

Je nach Branche und Größe kommen die Betriebe im Jade-Raum ganz unterschiedlich durch die Krise. Knapp ein Drittel verzeichnen keine negativen Auswirkungen auf ihre Umsatzentwicklung – bei einem weiteren Drittel, in der Regel Gastronomie/Hotellerie, ist der Umsatz komplett ausgefallen.

44 Prozent der Betriebe haben ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, 11 Prozent mussten Mitarbeiter entlassen; um nach der Krise weiter am Markt bestehen zu können, haben 6,5 Prozent der Betriebe Entlassungen angekündigt. „Das ist ein landesweit sehr niedriger Wert – zu befürchten ist, dass er höher sein wird“, so AWV-Vizepräsident Thomas Bruns. Auf der anderen Seite haben 10 Prozent der Betriebe zusätzliche Mitarbeiter eingestellt: „Das Handwerk zum Beispiel hatte viele zusätzliche Aufträge, weil in Betrieben die Schließphase für Renovierungen genutzt wurden“, so Bruns.