Jever - Der Landkreis Friesland war’s – er hat als Eigentümer des Kunstrasenplatzes im Sportpark Jahnstraße im Januar vor dem Verwaltungsgericht Oldenburg dem Vergleich zugestimmt, der unter anderem vorsieht, dass der FSV-Jever seinen voll ausgelasteten Kunstrasen nur bis 20 Uhr für Training und Punktspiele nutzen kann. Geklagt hatten zwei Anwohner gegen den Lärm von dort.
In der Einwohnerfragestunde im Stadtrat mussten aber Jevers Bürgermeister Jan Edo Albers und Kämmerer Dietmar Rüstmann den erbosten Vereins- und Vorstandsmitgliedern antworten, die den Platz so dringend brauchen. Der Naturrasen nebenan kann die Einschränkung nicht auffangen, da sind sich Vorstand, Spieler und Sportjournalisten einig. Der Problemrasen ist bei zu intensiver Nutzung gleich ein Sanierungsfall und müsste dann gesperrt werden.
Stadt teilt die Sorgen
Unter anderem regt den Vereinsvorstand auf, dass dieser Vergleich ohne vorherige Abstimmung mit dem FSV getroffen worden sei. Erst im Februar ist der Verein überhaupt vom Landkreis über den Vergleich informiert worden. Und beim Kreissportbund, zuständig für die Sportplatzverwaltung im Landkreis, hat man nach Informationen dieser Redaktion überhaupt erst in dieser Woche von dem Vergleich erfahren.
Im jeverschen Rat nutzten nun FSV-Mitglieder die Gelegenheit, öffentlich ihr Unverständnis und ihre Sorgen zu artikulieren. Die Stadtverwaltung signalisierte, dass sie den Unmut und die Sorge eines der großen jeverschen Sportvereine teilt. Verhindern hätte die Stadt den Vergleich nicht können, sie war im Januar nur als beigeordnete Partei an den Tisch gelassen worden, als im Verwaltungsgericht der folgenschwere Vergleich geschlossen wurde.
Düstere Aussichten
Für FSV-Kicker Andreas Hohlen stellt sich die Konsequenz, den Platz nur bis 20 Uhr nutzen zu können, als völlig absurd dar. „Was sollen denn die Anwohner von Kirchen sagen, wenn die Glocken läuten?“, fragte er.
Vereinsvorsitzender Malte Hafenstein sagte „düstere Aussichten“ für den Verein voraus. Wenn nichts dagegen passiere, sei der Erwachsenenfußball in einem Jahr tot.
Und Jugendleiter Andreas Neu mahnte, das werde direkt auf die Jugendarbeit durchschlagen: „Wenn es im Erwachsenenfußball nicht läuft, hat das auch Einfluss auf die jungen Leute, die sind sehr gut vernetzt.“
Keinerlei Spielraum
Kämmerer Dietmar Rüstmann erläuterte die Situation im Verfahren, als der Richter dem Landkreis im Januar den Vergleich nahelegte. Die Klage wäre ohne den Vergleich wegen formaler Mängel möglicherweise abgewiesen worden. „Dann wäre es von vorne losgegangen, die Mängel wären beseitigt, und es wäre ein Urteil gesprochen worden.“
Mit dem Bürgermeister zeigte sich Rüstmann überzeugt, dass das Urteil in dem Fall das größere Übel für den Verein gewesen wäre. Dem Landkreis sei vom Richter keinerlei Spielraum gelassen worden. Jan Edo Albers kündigte an, nach Möglichkeiten zu suchen, andere Plätze in Jever nutzbar zu machen.
