Hohenkirchen - Alles deutet derzeit darauf hin, dass selbst im Falle der sportlichen Qualifikation am letzten Kreisliga-Spieltag der große Traum der SG Wangerland vom Aufstieg in die Fußball-Bezirksliga wegen des strengen Verbandsregelwerks jäh platzen wird. Dennoch stellt SG-Coach Thorben Wehmeyer trotzig klar: „Wir als Mannschaft blenden das ganze Thema zurzeit völlig aus.“
Die Titelchancen
Vielmehr wolle es seine Elf weiter genießen, in der Crunchtime dieser Saison noch in zwei Wettbewerben Titelchancen zu besitzen. Zunächst kämpfen die Wangerländer am Freitagabend ab 20 Uhr im Halbfinale des Kreispokals beim klassentieferen STV Wilhelmshaven (1. Kreisklasse) um den Einzug ins Endspiel.
Alles andere als einen Selbstläufer erwartet Trainer Thorben Wehmeyer an diesem Freitagabend (20 Uhr, Flutstraße), wenn das Kreisliga-Spitzenteam der SG Wangerland unter seiner Regie im Halbfinale des Kreispokals beim STV Wilhelmshaven, Tabellenvierter der Aufstiegsrunde der 1. Kreisklasse Nord, antritt.
Denn zum einen kennt STV-Trainer Thorsten Rüger das SG-Team in- und auswendig. Stand er doch bis vor drei Jahren noch selbst als Coach bei den Wangerländern an der Seitenlinie. Zum anderen wird das Pokalspiel auf dem für die SG ungewohntem Kunstrasen an der Flutstraße ausgetragen. „Wir müssen gewappnet sein“, warnt Wehmeyer. Er verweist auch darauf, dass die Jadestädter in der Saisonvorbereitung auch Kreisligisten geschlagen haben.
Die Stärken des STV-Teams sieht er vor allem in den „schnellen, guten Leuten in der Offensive“ und erwartet am Freitag ein Spiel auf Augenhöhe. „Elfer haben wir aber nicht geübt – die können wir“, fügt Wehmeyer mit einem Augenzwinkern hinzu. Fakt sei: Sein Team wolle unbedingt ins Finale, um dann auf neutralem Platz noch mal vor großer Kulisse spielen zu dürfen. Schließlich habe seine Truppe am vergangenen Sonntag in Hohenkirchen im Spitzenspiel gegen Eversten vor 350 Zuschauern in Sachen „tolle Atmosphäre“ Blut geleckt.
Bereits eingezogen ins Finale ist die SG Friedrichsfehn/Petersfehn (1. Kreisklasse Süd) durch ein 3:0 gegen SV Phiesewarden.
In der Aufstiegsrunde der Kreisliga Jade-Weser-Hunte benötigen die Wangerländer eine Woche später im letzten Saisonspiel am 12. Juni beim Verfolger FC Ohmstede, dann noch einen Punkt. „Wir wollen nach dem letzten Spieltag mindestens auf dem zweiten Tabellenplatz stehen, somit sportlich den Aufstieg klarmachen und zeigen, dass diese geile Mannschaft Bezirksliga-Niveau hat“, erklärt Wehmeyer: „Wie das hinterher formaltechnisch geregelt wird, liegt nicht in unserer Hand.“
Das Regelwerk
In der Tat: Denn bis zum 15. Mai hätten die Wangerländer offiziell die Fusion zwischen den Stammvereinen Eintracht Wangerland, RW Tettens und FCN Hooksiel vollziehen und beim Niedersächsischen Fußball-Verband (NFV) anmelden müssen. Hintergrund: Spielgemeinschaften sind nur auf Kreisebene erlaubt, und der Aufstieg einer SG laut Spielordnung ausgeschlossen. Ausnahme: Es liegt eine Fusion vor. Zwar gibt es eine Absichtserklärung der drei betroffenen Vereine, die sich zur Saison 2020/2021 zusammengetan haben. „Wegen der Corona-Pandemie war es aber nachweislich nicht möglich, dass die Mitglieder aller drei Vereine in Versammlungen darüber abstimmen konnten“, erläutert Wehmeyer.
„Wir wissen, dass es nicht sicher ist, dass wir aufsteigen dürfen – wir gehen aber erstmal weiter davon aus“, so der SG-Coach. Die Vereinsführung stünde in Kontakt mit Verbandsvertretern. Es gebe noch mehrere Fragestellungen und mögliche Alternativen, angefangen von einer Übergangsregelung bis hin zum Wechsel der kompletten Mannschaft zu einem der drei Stammvereine. Wehmeyer: „Daher wollen wir uns auch nicht von den ganzen Diskussionen ablenken lassen, sondern weiter voll und ganz auf das Sportliche konzentrieren.“
Der Staffelleiter
Indes sieht Staffelleiter Horst Rickels (Oldenburg) nach dem Verstreichen der Ausschlussfrist keine Chance mehr auf ein Aufstiegsrecht der SG in der laufenden Saison: „Eine Fusion ist nur durch einen rechtsverbindlichen Vertrag möglich und darüber müssen die Mitglieder abstimmen“, erklärt er auf Nachfrage unserer Redaktion. Und für eine Ausnahmeregelung bei den Wangerländern habe es seitens des NFV kein grünes Licht gegeben. Demnach würde für den Fall, dass die SG nach dem letzten Spieltag auf dem ersten oder zweiten Platz rangiert, der nächste aufstiegsberechtigte Verein nachrücken.
Das Sportliche
„Egal, wie es am Ende ausgeht: Unsere Jungs spielen jetzt schon eine sensationelle Saison – und da sind wir mächtig stolz drauf“, unterstreicht Wehmeyer: „Daher hoffen wir in der jetzigen Situation weiter, dass wir aufsteigen dürfen. Allerdings müssen wir es erstmal sportlich auch tatsächlich schaffen. Und wir wollen das am letzten Spieltag in Ohmstede unbedingt klarmachen.“
Bis zu diesem Freitagabend gelte die ganze Konzentration der in der Rückrunde so bärenstarken Wangerländer aber dem Kreispokal-Halbfinale gegen den STV. „Natürlich sind wir vom Papier her der Favorit und selbstbewusst genug zu sagen, dass wir es schaffen können. Aber wir müssen mega aufpassen“, warnt Wehmeyer vor den Gastgebern aus Wilhelmshaven.
