Jever - Kürzlich sah man Anni Grade noch Mitfeiern bei der Einweihung des Dorftreffs in Oldorf. An diesem Freitag, 3. November, feiert sie nun im Kreise ihrer Familie in Jever ihren 104. Geburtstag. Geboren wurde sie als Anni Tiegges in Hohenkirchen, wo sie mit neun Geschwistern aufwuchs. Als sie nach der Schule „in Stellung“ bei einem Großbauern ging, bewies sie so viele Talente, dass sie für alle Arbeiten in Betracht kam.
Beim KBV „Hol di ran“ sehr erfolgreich
Als sie 1942 ein uneheliches Kind bekam, das dann bei ihren Eltern aufwuchs, bescherte ihr das eine neue Beschäftigung. Fortan wurde sie im gesamten Landkreis auf den Höfen als Dorfhelferin eingesetzt. Nach dem Krieg begegnete sie Fritz Grade, der nach seiner Kriegsgefangenschaft im Wangerland bleiben wollte. Bald heirateten sie und bekamen drei Kinder. Als die Familie schließlich um 1980 in Oldorf wohnte und dort beim sogenannten Kittelball mitmachte, wurde Anni Grade „entdeckt“: Beim KBV „Holl di ran“ war man begeistert von ihren Fähigkeiten im Boßeln.
Wie überragend die wirklich waren, zeigt ein ganzer Schrank voller Pokale, Medaillen und Urkunden. Die Zahlen dazu lassen verstehen, warum Anni Grade als Boßellegende in Friesland gilt. Erst mit 90 Jahren hörte sie endgültig auf mit dem Friesensport, bis dahin aber hatte sie unter anderem 13 Mal Gold in Holz und 13 Mal Gold in Gummi geholt und etliche Einzelmeisterschaften gewonnen.
LeidenschaftlicheSkatspielerin
Ehrungen als Sportlerin des Jahres gab es gleich mehrfach auf Gemeinde- und Kreisebene und die höchstrangigen Auszeichnungen stammen vom Landesverband Oldenburg. Bis zum 90. Lebensjahr war Anni Grade auch immer noch selbst Auto gefahren und hatte einer weiteren Leidenschaft gefrönt: dem Skatspielen. Da fehlte dann aber der dritte Mann, zumal Ehemann Fritz 2016 gestorben war.
Seit 2002 lebte das Paar im Haus in Jever, das bis heute Anni Grades Zuhause ist, wenngleich sie inzwischen die meiste Zeit im AWO-Heim in Schortens verbringt, wo sie vor allem die Geselligkeit schätzt. Was aber ihren Abstecher nach Oldorf im September angeht, der hatte einen triftigen Grund: Anni Grade hatte eine großzügige Spende für die Herrichtung des Dorftreffs geleistet, in dem ja auch „ihr“ Boßelverein sein Domizil hat. Mit großer Freude verfolgte sie nun, wie daraus ein regelrechtes Boßlerheim entstanden ist.
An ihrem Ehrentag freut sich die geistig immer noch muntere Jubilarin auf das Beisammensein mit ihren Kindern, den sieben Enkeln und fünf Urenkeln.
