Zetel - Der Ohrbült im Ortskern der Gemeinde Zetel ist ein Nadelöhr: Dort verläuft die Landesstraße 815 – eine direkte Route von Westerstede über Neuenburg durch Zetel bis nach Sande. Schwerer Lkw-Verkehr und tausende Autos nutzen diese Strecke nicht nur während der Stoßzeiten morgens und abends. Radfahrer und Fußgänger, die am Ohrbült über die Straße wollen, ziehen in der Regel den Kürzeren. Das besagt eine aktuelle Verkehrsuntersuchung. Den Mitgliedern des Bau- und Wegeausschusses der Gemeinde sowie zahlreichen Besuchern wurden am Montagabend die Gefahren und Potenziale der Kreuzung durch das Ingenieursbüro „IRS“ aus Varel vor Augen geführt.
Wenig gute Lösungen
Das Gutachten war vor einiger Zeit von der Gemeinde in Auftrag gegeben worden. Dass die Ergebnisse nun öffentlich präsentiert wurden, war Wunsch der Rats-Fraktionen, die sich Feedback der Einwohner erhofften. Die Begeisterung über mögliche Lösungen hielt sich allerdings an dem Abend in Grenzen, denn schon zu Beginn stellte Referent Fabian Wolters fest: „Wir haben hier eine kniffelige Angelegenheit. So eine Verkehrsführung ist im Nordwesten relativ einzigartig.“ Was ist umsetzbar und was nicht? Mit dieser Frage setzte sich das Büro intensiv auseinander. Auf der Liste der nicht oder nur eingeschränkt möglichen Lösungen stehen: Ein Kreisverkehr, denn dieser braucht Platz und den gibt es vor Ort nicht. Ampeln, denn diese würden enorm Rückstau erzeugen, obgleich sie die sicherste aller Varianten darstellen. Ein Zebrastreifen, doch dieser wäre durch den unübersichtlichen Kurvenverlauf nicht früh genug zu erkennen. Ein Einbahnstraßen-System, denn das würde dafür sorgen, dass umliegende Straßen viel intensiver beansprucht würden.
Doch was bleibt dann noch? Hier hatten die Planer einen Vorschlag: Eine Drosselung der zulässigen Geschwindigkeit von Tempo-50 auf Tempo-30. Genau in diesem Punkt waren sich alle einig, denn die Bürger und die Mitglieder der einzelnen Fraktionen stimmten zu. Ratsherr Klaus-Dieter Huger (FDP) gab allerdings zu bedenken: „Dort mit 50 km/h durch den Kurvenverlauf zu fahren, ist sehr sportlich.
Die meisten fahren auch jetzt schon langsamer.“ Erfahrungen der Bürger zeigten jedoch, dass dort außerhalb der Hauptverkehrszeit durchaus schnell gefahren wird. Eine Geschwindigkeitsmessung hat im Rahmen der Verkehrsuntersuchung nicht stattgefunden. Das möchte die Gemeinde aber bald nachholen. Außerdem soll die Kreuzung deutlicher ausgeleuchtet werden. Daran arbeitet die Verwaltung sogar schon und möchte neue Straßenlaternen bestellen, die den Platz erhellen sollen.
Idee zur kurzfristigen Entschärfung
Zur Ausschusssitzung eingeladen war Frank Buchholz, Leiter der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Aurich. Da die L 815 betroffen ist, ist seine Behörde für eine mögliche Umgestaltung zuständig. Er betonte, dass es sich beim Ohrbült weder um einen Unfallschwerpunkt handelt, noch gibt es vor Ort ein Leistungsfähigkeitsdefizit. Einer der beiden Punkte müsse zutreffen, um besondere Landesmittel für ein größeres Bauvorhaben zu bekommen. Somit stehen der Landesbehörde fürs Erste lediglich „normale Unterhaltungskosten“ zur Verfügung. Doch machte Frank Buchholz einen Vorschlag: „Über ein Ampel-System lässt sich diskutieren. Zum Beispiel über eine Teilsignalisierung. Das einfachste ist es, probeweise eine Baustellenampel aufzustellen und zu beobachten, wie sich die Situation dadurch entwickelt. Im schlimmsten Fall ist eine solche Anlage auch schnell wieder abgebaut.“
