Schortens - Der Widerstand gegen die Pläne zur Erweiterung des Gewerbegebietes Branterei in Schortens wird größer: Anwohner der angrenzenden Wohnbebauung am und rund um den Eschenweg haben nun Einspruch gegen das Vorhaben eingelegt, viele haben die Einwendungen mit unterschrieben. Ihre Kritik: Mit der Erschließung weiterer Gewerbeflächen in der Branterei rückt das Gewerbegebiet bis auf wenige Hundert Meter an ihre Gärten heran. Schon jetzt stören der Straßenlärm der nahen B 210 und der abends hell erleuchtete Werbepylon und die beleuchteten Gewerbehallen die Bewohner. „Und das wird noch mehr werden, wenn das Gewerbegebiet wie geplant erweitert wird“ befürchtet Hans Fehnders. Lärm und Umweltbelastung werden sich negativ auf die Wohnqualität auswirken.
Viele Bürger ahnungslos
Noch viel schwerer aber wiege der Verlust wertvollen Naturraums, so die Anlieger und Nachbarn, zu denen unter anderem auch die langjährige Grünen-Ratsfrau Utta Schüder gehört. Sie hatte unlängst im Gespräch mit der NWZ kritisiert, wie erschrocken sie darüber sei, was die Stadt Schortens mit dem verbliebenen Rest des Ostiemer Moores plant. Viele Schortenser wüssten oder ahnten offenbar gar nicht, was geplant sei und wie wichtig diese „ökologisch angeblich nicht so bedeutsame Fläche“ tatsächlich ist: als gesunder – da ungedüngter –Brut- und Lebensraum für viele Vögel, Amphibien und Niederwild, als Gebiet für die Grundwasserneubildung und nicht zuletzt auch für das lokale Klima. Sie kritisiert, dass in den Bebauungsplänen nirgendwo der Begriff „Moor“ auftauche. Und sie empört sich über Aussagen aus dem Umweltbericht, dass sie Landschaft sei bereits so geschädigt sei, dass sie es nicht mehr wert, sie zu erhalten. Neben Utta Schüder hat auch Hans Fehnders Einspruch gegen die Pläne erhoben und wird dabei von der gesamten Nachbarschaft unterstützt. „Die geplante Erweiterung des Gewerbegebietes hat erhebliche negative Auswirkungen auf die lokale Tierwelt“, kritisiert Fehnders. Es werde der natürliche Lebensraum der Tiere unterbrochen und der Wildwechsel beeinträchtigt. Das Gewerbegebiet solle unmittelbar am Durchlass an der B 210 für Amphibien und Niederwild gebaut werden. „Der Durchlass ist damals für eine Million Euro gebaut worden und spielt eine entscheidende Rolle für die Bewahrung der natürlichen Wanderwege und den Schutz der Tierpopulationen“, so Fehnders.
„Anderer Meinung“
Darüber hinaus ist das Gebiet, das derzeit für die Erweiterung vorgesehen ist, seit über 50 Jahren ein bedeutendes Rückzugsgebiet für verschiedene Tierarten. Es dient als Brut- und Aufzugsstätte für Rehkitze, Fasane, Rebhühner, Hasen, Enten sowie die Störche, die nach vielen Jahren wieder zurückgekehrt sind. Dieses Gebiet sei für die regelmäßig hier rastenden Wildgänse von großer Bedeutung, da es ihnen während ihrer Rastzeiten und während ihres Überflugs Schutz und Nahrung bietet. Die Erweiterung des Gewerbegebietes würde die Existenz dieses Lebensraumes gefährden und somit einen Verlust der Artenvielfalt bedeuten sagt Fehnders.
Er wie auch Utta Schüder und viele weitere Anwohner appellieren an Rat und Verwaltung, die geplante Erweiterung des Gewerbegebietes zu überdenken und machen unmissverständlich deutlich: „Wir sind anderer Meinung als ihr!“
Wann das Thema wieder im Fachausschuss auf die Tagesordnung kommt und weiter beraten wird, steht noch nicht fest. Die nächste Sitzung des Ausschusses für Bauen und Umwelt im Schortenser Bürgerhaus ist für den 12. Juni angesetzt.
