Jever - Warum für erhebliche Kosten in einem Stück ein Gewerbegebiet erschließen, wenn es auch in Raten geht und die ersten Grundstücke bereits nach Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts verkauft werden könnten? Mit den Flächen „Nördlich der B 210-neu“, die im Eigentum der Stadt sind, zum Beispiel. Mit dieser Frage hat sich am Mittwoch der Bauausschuss der Stadt Jever befasst, als es um neue Gewerbeflächen für Jever ging. Die gehen der Stadt nämlich allmählich aus und sie werden nach Überzeugung von Bürgermeister Jan Edo Albers spätestens gebraucht, wenn die Energiedrehscheibe Wilhelmshaven richtig Fahrt aufnimmt. Gegenwärtig hat die Stadt nur noch ein Gewerbegrundstück zu vergeben.
Interkommunal ist keine Option
Wie Kämmerer und Bauamtsleiter Dietmar Rüstmann ausführte, ist ein interkommunales Gewerbegebiet, wie angedacht, nahe dem Abfallwirtschaftszentrum keine Option. Dort gebe es nur etwa zehn Hektar, die auch noch für mindestens 1,5 Millionen Euro angekauft werden müssten.
Für Rüstmann ist der Bereich „Nördlich der B 210-neu“ die einzige realistische Möglichkeit. Doch um welches Areal handelt es sich dabei eigentlich? Es handelt sich um ein Gebiet an der Landesstraße 812, wenn man Jever in Richtung Wangerland verlässt, nahezu unmittelbar hinter der Brücke über die B210. In dem Bereich befinden sich auch die Hofstelle Berg sowie Flächen im Besitz des Friesischen Brauhauses zu Jever, um die herum das Gewerbegebiet entwickelt werden müsste.
Erhebliches Potenzial
Die Erschließung in einem Rutsch aber würde die finanziellen Möglichkeiten der Stadt überfordern. Darum ist das Planungsbüro Thalen Consult mit einer Machbarkeitsstudie für eine Erschließung in Modulen beauftragt worden. Arne Meinert vom Planungsbüro stellte die Studie im Ausschuss vor. Das Potenzial wäre erheblich: 30 Hektar für Gewerbeansiedlungen ließen sich so in einem Zeitraum von sechs bis sieben Jahren für etwa 12,3 Millionen Euro erschließen. Sechs Bauabschnitte wären dafür nötig, die eine Erschließungsstraße ringförmig um das Areal führen würden, aber die Brauhausflächen und die Hofstelle Berg außen vor ließen.
Refinanzierung ab zweitem Abschnitt
Das Gute: Die Refinanzierung begänne nicht erst nach sechs oder sieben Jahren, sondern bereits nach dem zweiten Bauabschnitt. Im ersten Bauabschnitt müsste ungefähr dort, wo schon jetzt die Zufahrt zur Hofstelle Berg liegt, ein Anschluss für die Erschließungsstraße an die Landesstraße geschaffen werden. Nach Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts könnten mit dem Verkauf von Flächen (2,4 Hektar) bereits Einnahmen generiert werden.
Förderung würde Kosten halbieren
Dietmar Rüstmann machte deutlich, dass man sich auch um Fördermittel bemühen könne, denn: „Ohne Förderung kriegen wir das sicher nicht hin.“ Dadurch ließen sich die Kosten annähernd halbieren. Bürgermeister Jan Edo Albers bezeichnete es als Chance, das Flächenangebot langfristig zu finanzieren. Den Ausschussmitgliedern reichte dies aber nicht, um jetzt schon einen Beschluss zu fassen. Sie wollten das Thema noch einmal in den Fraktionen beraten. So einigte man sich im Gremium, aber um gegebenenfalls nicht unnötig Zeit zu verlieren, soll der Verwaltungsausschuss um August entscheiden.
