Sanderbusch - Wer unerwartet ins Krankenhaus kommt, dem gehen viele Fragen durch den Kopf. Egal ob es sich um einen schlimmen Knochenbruch handelt oder eine Diagnose gestellt wird, die offenbart, dass fortan eine chronische Erkrankung das Leben begleiten wird, ohne Aussicht auf Heilung oder ob die Untersuchungen möglicherweise eine lebensbedrohende Krankheit belegen – immer geraten Betroffene in eine Situation, die ihnen fremd ist und schon deshalb zu Unsicherheit und Ängsten führt. Gut, wenn dann jemand da ist, der Zeit hat. Jemand, der sich in Ruhe zu einem setzt. Und da ist es oft sogar sehr gut, wenn man sich bisher gar nicht kannte – Hauptsache, im Augenblick des Kennenlernens stimmt die Chemie.
Die ehrenamtlichen „Grünen Engel“ kommen aus allen Berufszweigen, es gibt Erzieher, Verwaltungsleute, Pflegekräfte. Bisher sind im Team nur Menschen, die die Berufstätigkeit schon hinter sich haben. Das mag damit zusammenhängen, dass die Einsatzzeiten tagsüber sind, im Umfang aber ganz davon abhängig, wie viel Zeit jeder selber investieren kann und mag. „Wer uns unterstützen will, sollte sich aber schon regelmäßig Zeit dafür nehmen“, wünscht sich Pastor Behrens, der das Team gerne noch vergrößern möchte. Der Einstieg erfolgt immer im Tandem, das heißt, jemand, der neu beginnt, begleitet zunächst eine langjährige Kraft. Dass absolute Schweigepflicht oberstes Gebot ist, sollte dabei jedem klar sein.
Wer Interesse hat, das Team zu unterstützen, meldet sich unter Tel. 04422/801920 oder per Mail unter h.behrens@sanderbusch.de
Das Erkennungszeichen
Solche Gesprächspartner sind im Nordwest-Krankenhaus Sanderbusch die „Grünen Engel“. Als Himmelsboten sehen sie sich selber aber eigentlich nicht. Sie heißen eher so, weil sie als Erkennungszeichen einen grünen Schal tragen und schon etliche Patienten in dem ganzen Wirrwarr des großen Klinikbetriebs froh waren, eine dieser ehrenamtlichen Kräfte an die Seite gestellt zu bekommen. „Sie sind ein Engel“ oder „Sie hat ja der Himmel geschickt“, so oder so ähnlich haben es schon viele Patienten formuliert.
Gleichwohl nennen sie sich selber lieber „Lotsen“ oder „Mitarbeitende des Besuchsdienstes“. „Ich vermeide das Wort Engel gerne, weil ich gar nicht weiß, was genau beim einzelnen Besuch auf mich zukommt. Und wenn jemand gerade eine schlimme Diagnose bekommen hat, dann könnte der Begriff Engel ganz verwirrende Zusammenhänge auslösen. Das möchte ich vermeiden“, sagt Peter Klusmann (67 Jahre), der seit fast zwei Jahren zum Team um Krankenhausseelsorger Heiko Behrens gehört. Darüber hinaus gebe es viele Patienten, die mit Kirche gar nicht in Berührung kommen möchten, ergänzt Tammo Schlieker (48), der eine Ausbildung zum Notfallseelsorger absolviert hat und seit rund fünf Jahren hier mitarbeitet.
Pastor Heiko Behrens sorgt auch für die Ausarbeitung von belastenden Situationen. Bild: Annette Kellin
Was die „Grünen Engel“ genau machen? Sie haben ganz einfach Zeit für die Patienten. Sie gehen mit ihnen spazieren, trinken mit ihnen einen Kaffee oder setzen sich zu ihnen ans Bett und „reden über Gott und die Welt“. Sie arbeiten konfessionsübergreifend. „Etliche der Ehrenamtlichen können über Kirche und Glauben reden, wenn das gewünscht ist, es muss aber nicht sein. Und einige unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehören selber gar keiner Konfession an“, erklärt Pastor Behrens.
Mariechen Janssen-Meyer (79), die selber mal in der Klinikverwaltung tätig war, hat das Konzept der „Grünen Engel“ vor mehr als 15 Jahren mit Pastorin Ulrike Fendler erarbeitet. „Viele hier im Haus kommen aus Ostfriesland. Mit denen kann ich platt schnacken. Da fühlen sich die Patienten gleich etwas heimischer und wir reden über alles, es muss nicht unbedingt mit der Krankheit zu tun haben“, sagt sie.
Einsamkeit vertreiben
Gudrun Köhler (68) kam vor vier Jahren aus Berlin nach Sande, suchte neue Kontakte und fand unter anderem die „Engel-Gruppe“. „Manchmal sitzt man mit jemanden mehr als eine Stunde zusammen, denn Einsamkeit ist ein großes Thema. Bei vielen spürt man sofort, wie dankbar sie sind. Vor einiger Zeit habe ich einen Mann besucht, der am Ende unter Tränen erzählte, dass sich noch nie jemand so viel Zeit für ihn genommen habe.“ Erfahrungen, die auch die Ehrenamtlichen nicht einfach so „wegstecken“. Dafür steht Krankenhausseelsorger Heiko Behrens zur Verfügung und auch das Gespräch mit den Kollegen helfe, sind sich alle einig. „Es ist mir wichtig, das niemand etwas Schweres mit nach Hause nimmt“, so Behrens, der auch einspringt, wenn eine ehrenamtliche Kraft sich überfordert fühlt. „In den meisten Fällen geht man hier aber sehr zufrieden heraus. Ich gehe aus dem Zimmer und der Patient lächelt – dann bin ich sehr zufrieden“, sagt Frieda Berger (79).
