Roffhausen - „Jedes Kind will unbedingt lesen, schreiben, rechnen lernen. Unsere Aufgabe als Lehrer ist es, diese Neugierde und die Freude am Lernen zu erhalten. Dafür brauchen Kinder einen Ort, an dem sie sich rundum wohlfühlen. Jede Schule sollte so ein Ort sein. Und genau darum geht es mir hier in Roffhausen“, sagt Udo Ehmann. Der 53-Jährige aus Sillenstede ist seit dem 1. Februar Schulleiter der Grundschule Roffhausen.
Lange wurde nach einer neuen Schulleitung gesucht, zwischenzeitlich übernahm kommissarisch Lehrerin Katharina Mehrle, die sich aktuell in Elternzeit befindet. Udo Ehmann war zuvor an einer Grundschule in Wilhelmshaven und seit 2018 Leiter einer Grundschule in Varel. Natürlich war es nicht „eine besondere Art von Kindern“ oder das Schulgebäude, die bei Ehmann besonders punkten konnten, es war die Nähe zum Wohnort, die ihn von Roffhausen überzeugte. „Es klingt banal, ist es aber nicht: Die halbe Stunde Fahrzeit zusätzlich pro Weg macht viel aus. Es geht um persönliche und um ökologische Ressourcen“, sagt er. Am Nachmittag fahre er jetzt häufiger nach Hause, kehre später aber nochmal in die Schule zurück, um in Ruhe zu arbeiten oder bei Konferenzen und Elternabenden anwesend zu sein. „Die Distanz zwischen Sillenstede und Roffhausen ist überschaubar, das kann ich sogar öfter mal mit dem Rad fahren“, sagt er.
Eigentlich gelernter Elektroniker
Der gebürtige Nordenhamer ist verheiratet, hat drei Kinder im Alter von 10, 16 und 18 Jahren. Seine Frau ist ebenfalls als Lehrerin tätig. Udo Ehmann ist übrigens ausgebildeter Energieanlagenelektroniker. Nach dem Abschluss der Ausbildung wollte er ein Studium anschließen, die Vermittlung von Wissen habe ihm schon immer Spaß gemacht, sagt er. So überlegte er zunächst, Berufsschullehrer zu werden. Dagegen sprach allerdings, dass die Musik eine zentrale Rolle in seinem Leben spielte, Orgel und Klavier sind seine Instrumente. Und dieses Hobby würde er in der Berufsschule wieder nicht einbringen können. Ganz anders in der Grundschule.
Liebe zur Musik gab den Ausschlag
Und so fiel die Entscheidung für ein Studium mit Musik, Religion und Deutsch (Grundschullehramt) in Paderborn. Im Referendariat in Bielefeld musste er dann noch Mathe hinzunehmen, doch das sei nur von Vorteil gewesen. „In der Grundschule muss man eigentlich fast alles können“, sagt er und erzählt, dass er aufgrund seiner Qualifikation als Rettungsschwimmer auch den Schwimmunterricht sicherstellen könne. In der Grundschule Roffhausen mit 106 Kindern ist Udo Ehmann nicht nur in Leiterfunktion tätig, mit 13 Unterrichtsstunden in Musik und Mathe ist er auch direkt in den Klassen tätig. „Lehrer ist überhaupt der schönste Beruf der Welt – zumindest für mich“, sagt er. „Wer Kindern mit Aufmerksamkeit und Respekt begegnet, der bekommt auch viel zurück.“
Respektvoller Umgang
In der Corona-Zeit habe die Schulgemeinschaft sehr gelitten. „Gemeinschaft stärken, Regeln beachten, respektvoll miteinander umgehen, das steht jetzt ganz oben auf der Liste“, sagt der Schulleiter und betont, wie wichtig es sei, auf jedes einzelne Kind einzugehen, es in seiner speziellen Persönlichkeit zu fördern. „Wir alle lernen individuell und nicht im Gleichschritt.“ Und wenn er sich etwas wünschen könnte? „Mehr Sprachförderung, vor allem für Kinder mit Migrationshintergrund, das ist dringend nötig.“
