Varel/Zetel/Bockhorn - Mieten oder kaufen? Ist der Traum vom Eigenheim in Varel, Bockhorn oder Zetel noch finanzierbar? Wir haben bei der Sparkasse zu Oldenburg und der Raiffeisen-Volksbank Varel-Nordenham nachgefragt, wie die Situation ist.
Wollen die Menschen derzeit überhaupt noch kaufen ?
„Das Interesse an einer eigenen Immobilie ist nach wie vor hoch“, weiß Tanja Daugill, Vorstandsmitglied bei der Raiffeisen-Volksbank. „Allerdings haben die hohe Inflation und die in der Folge stark angestiegenen Marktzinsen dazu geführt, dass die Finanzierung der weiterhin hohen Immobilienpreise für viele Interessenten derzeit nicht darstellbar ist.“
Eine Erfahrung, die Julia Timling von der Landessparkasse zu Oldenburg bestätigt. „Wir verspüren weiterhin eine hohe Nachfrage nach qualifizierten Finanzierungsgesprächen. Allerdings ist die Realisierbarkeit geringer als in den letzten Jahren, da entweder die finanzielle Tragfähigkeit nicht gegeben ist oder die kauf- und bauwilligen Kundinnen und Kunden noch abwarten wollen, ob die Immobilienpreise noch etwas nachgeben oder die Finanzierungskosten wieder sinken.“
Was würde mich ein Hauskauf denn in Summe kosten ?
Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, denn jede einzelne Immobilienfinanzierung hängt von zu vielen Faktoren ab, etwa Eigenkapital, Einkommen, Laufzeit der Finanzierung sowie Kaufpreis und Sanierungsaufwand.
Angenommen, ich kaufe ein Haus für 350.000 Euro... ?
„Wer beispielsweise ein Haus für 350.000 Euro erwirbt und die angenommenen Nebenkosten in Höhe von etwa 10,5 Prozent, also 36.750 Euro, durch vorhandenes Eigenkapital begleicht, zahlt bei einem konstanten Zins von 4,50 Prozent rund 1.770 Euro pro Monat über eine Laufzeit von 30 Jahren zurück“, rechnet Tanja Daugill vor. „Nach der Zinsbindung von zehn Jahren beträgt die Restschuld noch etwa 280.000 Euro. Bei einem Zins von 4 Prozent würde die monatliche Rate immer noch 1.670 Euro betragen und die Restschuld nach 10 Jahren würde bei etwa 275.000 Euro liegen.“
1670 Euro – dann doch lieber mieten... ?
Das hängt vom eigenen Wunsch ab. Viele Menschen möchten ihr Geld lieber per Tilgung in die eigene Tasche zahlen statt durch Miete in eine fremde Tasche, aber auch hier spielen sehr viele Faktoren eine Rolle. Wer wirklich investieren will, muss seine Einnahmen-Ausgaben-Situation genau in den Blick nehmen. In manchen Fällen kann es ratsam sein, erst einmal Mieter zu bleiben und Eigenkapital aufzubauen. Problem in der Region: Der Mietmarkt ist äußerst mau. Vieles läuft über Hörensagen, in den öffentlichen Immo-Portalen findet sich im Bereich Varel, Zetel und Bockhorn aktuell gerade mal eine Miet-Doppelhaushälfte für 1495 kalt, gefolgt von ein paar größeren Wohnungen, etwa in Varel für 900 Euro kalt oder in Zetel für 650 Euro.
Wenn ich nun wirklich zeitnah kaufen möchte – was raten die Expertinnen. ?
Tanja Daugill: „Wir können allen Interessenten raten, sich bereits im Vorfeld schon mit der Bank ihres Vertrauens zusammenzusetzen und gemeinsam die individuelle Situation zu besprechen. Zusammen kann so der finanzielle Rahmen für den Immobilienerwerb gesteckt werden. Treffen die Interessenten dann bei der Suche auf das passende Objekt, können sie schnell reagieren und spätere Enttäuschungen vermieden werden.“ Und Julia Timling erinnert: „Ein überschneller Kauf zu falschen Bedingungen kann genauso ungünstig sein, wie den Wunsch nach einer eigenen Immobilie viel zu lange oder für immer aufzuschieben.“ Immobilienfinanzierungsberater würden einen ersten Überblick über die Finanzierbarkeit von Immobilien geben und aufzeigen, was möglich ist.
Sollte ich lieber eine ältere oder eine neuere Immobilie kaufen ?
Auch da lässt sich keine allgemeingültige Antwort geben, sind sich die Finanzierungsexpertinnen einig. Aber: „Je älter ein Objekt, desto großzügiger sollte der finanzielle Rahmen für eine energetische Sanierung gesteckt werden“, so Tanja Daugill. Grundsätzlich sei es ratsam, wenn beim Kauf eines älteren Objekts die erforderlichen Maßnahmen mit einem sachkundigen Dritten, wie beispielsweise einem Energieberater, abgestimmt werden.
So sieht es auch Julia Timling. „Wir empfehlen unseren Kundinnen und Kunden eine genaue Prüfung des möglichen Bedarfs für eine energetische Sanierung. In einigen Fällen sind qualifizierte Handwerksbetriebe und Bauunternehmungen gute Ratgeber, bei umfangreichen Sanierungsprojekten können Expertinnen und Experten für Energie-Effizienz individuelle Sanierungsgutachten erstellen, die einen sehr detaillierten Überblick über die möglichen und notwendigen Maßnahmen geben und oft auch Voraussetzung für die Beantragung von Fördermitteln sind.“
