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99 Jahre altes Auto sorgt für Aufsehen Hansa-Automobil auf Varels Straßen unterwegs

Hans Begerow
Unterwegs im Hansa P 8: Doris Busch und Elisabeth Fleckenstein, vorn Wolfgang Busch und Chauffeur Peter Fleckenstein.

Unterwegs im Hansa P 8: Doris Busch und Elisabeth Fleckenstein, vorn Wolfgang Busch und Chauffeur Peter Fleckenstein.

Hans Begerow

Varel - Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer staunten nicht schlecht, als sie jetzt einen beigefarbenen Automobilveteranen in Varel und auf den Straßen der Friesischen Wehde entdeckten. Chauffeur des Hansa-Automobils vom Typ P 8/26 PS war Mühlenbaas Peter Fleckenstein, der das 99 Jahre alte Fahrzeug regelmäßig bewegt, damit die Fahrfähigkeit des in Varel gebauten Fahrzeugs erhalten bleibt. Fleckenstein war nicht allein. Er chauffierte in dem offenen Fahrzeug Varels früheren Bürgermeister Wolfgang Busch, der auf dem Vordersitz Platz genommen hatte, während die Ehefrauen Doris Busch und Elisabeth Fleckenstein im „Fond“, wie man früher sagte, also auf den Rücksitzen Platz genommen hatten. Wolfgang Busch, langjähriger Unterstützer der Mühle, hatte die Tour zu seinem 80. Geburtstag bekommen, der kürzlich gefeiert wurde.

Bewegte Geschichte

Das Fahrzeug des Heimatvereins hat ein H-Kennzeichen, ist für den Straßenbetrieb zugelassen und darf auch Passagiere befördern. Erbaut 1924 in Varel, hat das Fahrzeug im wahrsten Wortsinn eine bewegte Geschichte. Es war ein sprichwörtlicher Scheunenfund, als der langjährige frühere Heimatvereinsvorsitzende Hans-Georg Buchtmann Mitte der 90er Jahre mit in der Lutherstadt Wittenberg den Hansa-Wagen entdeckte und mit dem Besitzer handelseinig wurde. Zu DDR-Zeiten war der Hansa zum Lastwagen umgebaut worden. Dann verschwand in einer Scheune und war jahrelang nicht mehr fahrfähig. In einer Renovierungsaktion, die Hans-Georg Buchtmann und seinen Helfern viele Nerven raubte und die einen großen Finanzierungs- und Organisationsaufwand bedeuteten, wurde der Wagen elf Jahre lang restauriert. Dem Motorenfachmann Ulrich Indefrey gelang es schließlich, den Motor und die Elektrik instandzusetzen. 2008 war es soweit: Auf dem ehemaligen Kasernengelände drehte der Hansa P 8 seine ersten Runden – nach 50 Jahren Stillstand. Als eines von zwei prächtigen Hansa-Automobilen steht er in der Remise der Vareler Scheune und kündet von Varels Automobilgeschichte. Nur von Zeit zu Zeit und bei trockenem Wetter fährt der Hansa P 8 auf die Straße.

Remise geöffnet

Der andere Hansa-Wagen, ein früher als Taxi genutztes Hansa-Automobil aus dem Jahre 1919, ist zwar fahrfähig, ist aber nicht für die Straße zugelassen. Dieses ehemalige Taxi ist übrigens im Bremer Hansa-Werk gebaut worden.

Die Ausstellung zur Automobilgeschichte in der Remise ist wie die Ausstellung zur Vareler Gewerbe- und Handwerksgeschichte sowie der landwirtschaftlichen Sammlung in der nahe gelegenen Scheune noch bis 31. Oktober jeweils mittwochs (9 bis 12 Uhr) sowie samstags und sonntags (10 bis 16 Uhr) zu sehen.

Ab 1. November und bis 31. März gelten verkürzte Öffnungszeiten (samstags 10 bis 13 Uhr). Die Mühle selbst kann wegen einer kürzlich festgestellten Konzentration von Schädlingsbekämpfungsmitteln im Augenblick nicht betreten werden.

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