Heidmühle - Natürlich will jeder, der in einer Kindertagesstätte arbeitet, das Beste für die ihm anvertrauten Kinder. Doch was ist das Beste? Und wie erreicht man das?
Bei dem neuen Konzept geht es um die Stärkung von Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen der Kinder. Grundlegend dafür sind die wesentlichen Merkmale des Kinderschutzes.
Die Mitarbeiterinnen in der ev. Kita Heidmühle haben die Zeit der Corona-Einschränkungen, in der weniger Kinder die Einrichtung besuchen durften, genutzt, um diese Fragen zu vertiefen und die Vorgaben, etwa aus dem Bundeskinderschutzgesetz und der UN-Kinderrechtskonvention, für das eigene Haus übersetzt und in ein eigenes Leitbild gegossen.
Das Kinderschutzkonzept, aus dem hier nur auszugsweise berichtet werden kann, hat der Gemeindekirchenrat als Träger der Einrichtung vor kurzem beschlossen und es ist in der Kita einsehbar.
In der ev. Kindertagesstätte Heidmühle regelt jetzt Kinderschutzkonzept das Miteinander; in der Kita werden rund 115 Kinder aus zehn Nationen betreut werden. „Unser Konzept ruht auf vier Säulen. Es geht um das Kindeswohl und um Verfahren beim Verdacht auf Gefährdung des Kindeswohls“, erläutert Kita-Leiterin Angela Andersen. Es gehe um Beteiligung und Beschwerdeverfahren, um Qualitätsentwicklung und auch um ein sexualpädagogisches Konzept, damit Kinder sich mit ihrer Rolle als Mädchen oder als Junge auseinandersetzen.
Dass Kinder Rechte haben, ist den meisten klar; im Alltag gerät das aber schon mal in den Hintergrund. Erst im Jahr 2000 wurde das Recht der Kinder auf gewaltfreie Erziehung zum Gesetz.
Kinder haben Rechte
Kein Wunder, dass Eltern, aber auch Großeltern oder Erzieherinnen und Erzieher es häufig noch nicht so ganz genau nehmen mit Achtung und Respekt dem Kind gegenüber, haben sie doch selber meist noch eine ganz andere Erziehung genossen. Umso wichtiger sei es, das eigene Verhalten immer wieder zu hinterfragen, sagt Andersen.
In der Kita wird besonders darauf geachtet, die Würde des Kindes nicht zu verletzen und seine Anlagen zu fördern. Große Bedeutung hat die Zusammenarbeit mit den Eltern. Alle Kinder haben „das Recht auf eine sichere Einrichtung“, heißt es im Konzept. Dabei geht es nicht nur darum Gewalt auszugrenzen, vielmehr sollen die Mädchen und Jungen auch spüren, dass Abhängigkeiten nicht ausgenutzt werden und auch Abwertungen, Bloßstellungen oder Diskriminierungen keine Chance haben.
Unterschiede außen vor
Jedes Kind hat einen Wert, wird angenommen, wie es ist. „Wir wollen ein Menschenbild vermitteln, bei dem jeder gleich wertvoll ist“, sagt die Kita-Leiterin. Dabei soll jedes Kind in seiner Individualität geschätzt und unterstützt werden, jedes Kind soll sich als wertvoll erleben.
Als Beispiel nennt sie das „armutssensible Handeln“: Im Einzugsgebiet der Kita leben Familien mit gutem Einkommen ebenso wie Haushalte, in denen es gerade so ausreicht. Da gelte es, gut zu überlegen, wie man welche Aktionen gestalten könne, so dass solche Unterschiede nicht zum Tragen kommen.
„So ist es etwa in vielen Einrichtungen bei Kindergeburtstagen üblich, dass Kinder dazu etwas mitbringen. Wir verzichten darauf lieber und erleben, dass Kinder dennoch sehr viel Freude an ihrem Geburtstag haben“, sagt die Kita-Leiterin. „Da wird gesungen und das Geburtstagskind steht im Mittelpunkt und genießt das – ein Erlebnis, das jedes Kind einmal im Jahr hat. Es soll nicht darum gehen, wer besonders viel Kuchen oder Süßes mitbringen kann.“
Wichtig sei auch, die Kinder in Entscheidungen des Alltags einzubeziehen. Sie haben das Recht, sich zu beschweren und Verbesserungsvorschläge zu machen.
