Jever - Vor etwa einer Woche, am 1. September, hat das Bauunternehmen Heino Frerichs in Jever den Betrieb eingestellt – und damit wurde auch den etwa 40 Mitarbeiterinnern und Mitarbeitern gekündigt. Sorgen, dass diese nun lange arbeitslos bleiben oder in andere Berufe abwandern würden, hat Christian Wechselbaum nicht. Das hat der Regionalleiter der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) auf Nachfrage berichtet. Seine Begründung: Es gibt ausreichend andere Bauunternehmen mit unbesetzten Stellen – Stichwort Fachkräftemangel. Denn die Lage der Heino Frerichs GmbH in Jever spiegelt nicht unbedingt die der kompletten Baubranche wider. Der Insolvenzverwalter des jeverschen Bauunternehmens, Rechtsanwalt Michael Waculik, hatte mitgeteilt, dass die Baubranche am Boden liegt. Auch in absehbarer Zeit ist keine Besserung in Sicht, so Waculik. „Die Auftragslage ist katastrophal. Am Markt geht nichts mehr.“
Grundsätzlich gehe es den Betrieben schlecht, die allein auf Wohnungsbau setzten, so Wechselbaum. „Das hat mit der allgemeinen Entwicklung zu tun: die dramatische Steigerung der Grundstückskosten, Immobilien an sich sind teuer, Förderprogramme für den Wohnungsbau werden heruntergefahren, für das Hausbauen gibt es schlechtere Finanzierungen und durch den Ukraine-Krieg sind die Preise immens gestiegen“, zählt Wechselbaum auf. „Wenn man sich dann als Bauunternehmen auf den Bereich Wohnungsbau spezialisiert hat, gibt es Schwierigkeiten. Betriebe, die sich breiter aufgestellt haben, stehen besser da.“
Darüber hinaus haben laut dem IG-Bau-Regionalleiter grundsätzlich die Betriebe einen Vorteil, die mit der Zeit gehen, um für die Fachkräfte attraktiv zu bleiben. „Viele kleinere Betriebe haben aber einfach noch nicht gemerkt, dass sich der Arbeitsmarkt massiv geändert hat und dass man sich anpassen muss. Die großen Bauunternehmen saugen da gerade die Kräfte ab.“
Und was bedeutet das Ende des Bauunternehmens Heino Frerichs für Jever? „Für die Stadt ist die Schließung eines so traditionsreichen Betriebes nach 100 Jahren Unternehmensgeschichte natürlich schon schade“, sagt Wechselbaum. „Auf der anderen Seite muss ich aus Sicht der Gewerkschaft anmerken, dass der Betrieb nicht gerade als das vorbildlichste Unternehmen galt, was etwa die Einhaltung von Tarifverträgen oder einen Betriebsrat betrifft.“
