Fuhrenkamp - Im Schweinebrücker Fuhrenkamp lässt’s sich gut spazieren – aber wer mit offenen Augen und etwas Hintergrundwissen ausgestattet unterwegs ist, dem offenbart der Wald bei Schweinebrück auch ein gutes Stück Geschichte.
Die Hügelgräber
Nahe des Munitionsdepots ragen zwei solcher Hügelgräber empor. Bild: Christopher Hanraets
Unweit des Munitionsdepots befinden sich mitten im Wald zwei Hügel, die im ansonsten flachen Gelände sehr auffallen. Der eine Hügel ist etwa 1,5 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 20 Metern, der andere ist etwa 1,2 Meter hoch und weist einen Durchmesser von 15 Metern auf.
Die Hügel sind menschengemacht und nichts anderes als Gräber, die möglicherweise aus der jüngeren Bronzezeit oder frühen Eisenzeit stammen. Geöffnet wurden die beiden Hügelgräber aber nie.
Es gibt aber noch ein weiteres Kapitel in der Geschichte der beiden Hügel: Zumindest einer der beiden wurde als Galgenberg genutzt. Hier wurden Urteile gefällt und auch vollstreckt.
Der Alte Schafstall
Der alte Schafstall wurde 2011 saniert und stammt aus einer Zeit, als es noch keinen Fuhrenkamp gab. Bild: Christopher Hanraets
Der Alte Schafstall im Fuhrenkamp stammt aus einer Zeit, als es den Fuhrenkamp eigentlich noch gar nicht gab. Denn bevor der Fuhrenkamp der Wald wurde, den wir heute kennen, war dort eine große Heidelandschaft, die den Schäfern als Weidelandschaft für ihre Tiere diente.
Diese Flächen wurden allerdings stark in Mitleidenschaft gezogen und drohten vollends zu verwüsten. Um dem entgegenzuwirken, wurde mit der Aufforstung des Fuhrenkamps begonnen.
Der Schafstall selbst wurde um 1837 gebaut und steht unter Denkmalschutz. Das Gebäude verfiel über die Jahre zusehends, wurde aber 2011 von den Niedersächsischen Landesforsten erneuert. Für einen Schafstall aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ist das Gebäude im Fuhrenkamp ungewöhnlich groß.
Das Waldgehöft
Auf dem Bild schwer zu erkennen, aber zwei große alte Linden markieren den Ort, an dem das Waldarbeitergehöft stand. Bild: Christopher Hanraets
Vom alten Waldarbeitergehöft mitten im Fuhrenkamp ist heute nichts mehr zu sehen. Nur zwei große alte Linden ragen auffällig zwischen den anderen Bäumen hervor. Früher haben hier Waldarbeiter gelebt. Zu dem Gehöft gehörten außerdem noch Grünflächen drumherum, die den Bewohnern zur Selbstversorgung dienten. Heute sind diese Flächen auch bewaldet. Auch das nahe Junkermoor haben die Bewohner des Gehöfts genutzt: Dort bauten sie Torf ab, um das Gebäude zu beheizen.
Bei diesen Gehöften und auch damaligen Försterhäusern handelte es sich um staatliche Einrichtungen. Diese Infrastruktur wurde mit der Zeit aber zurückgefahren, weshalb heute nur noch wenige solcher Waldarbeitergehöfte existieren.
Dieser Gedenkstein erinnert an Wilhelm von Negelein, der die Aufforstung maßgeblich vorangetrieben hat. Bild: Christopher Hanraets
Der Negelein-Stein
Seit mehr als 130 Jahren steht am Wegesrand am Munitionsdepot ein Stein. Er erinnert an den Mann, ohne den es den Fuhrenkamp überhaupt nicht gäbe: Wilhelm von Negelein. Er war als Oberförster dafür zuständig, aus der Heidelandschaft einen Wald zu machen.
Schon um 1798 wurden so genannte Fuhrenkämpe, Erdaufwölbungen, angelegt, damit die gepflanzten, bzw. ausgesäten Kiefern trocken stehen konnten. Erst zum Ende des 19. Jahrhunderts aber wurde die Heide im großen Stil aufgeforstet. Die Aufforstung war kein leichtes Unterfangen, die Förster hatten einige Rückschläge zu verkraften.
Heute gehört der Schweinebrücker Fuhrenkamp mit seinen rund 600 Hektar Waldfläche zu den größeren Waldgebieten der Region.
In Neuenburg gibt es übrigens noch eine Erinnerung an den Oberförster: Die Negelein-Villa an der Urwaldstraße. Heute hat dort die Firma Thalen Consult ihren Sitz.
