Hohenkirchen - Abschied und Wehmut, Freude und Zuversicht lagen am Sonntagnachmittag beim großen Festgottesdienst in der St.-Sixtus- und Sinicius-Kirche zu Hohenkirchen deutlich spürbar ganz eng beieinander. In dem Festakt wurde nun amtlich, was „durch den Willen der Kirchengemeinden und durch Beschluss der Landessynode“ möglich geworden war: Sieben kleine Kirchengemeinden geben ihre Selbstständigkeit auf und verschmelzen zur großen evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Wangerland.
Die Gründe für die Zusammenlegung
Kostendruck, Personalnot und Mitgliederschwund machen der Kirche bekanntlich schon lange zu schaffen. Vor rund drei Jahren realisierte man im Wangerland, dass es für die gesamte Fläche zukünftig, spätestens ab 2030 nur noch zwei Pfarrer beziehungsweise Pfarrerinnen geben wird.
Wie das zu schaffen ist und welche Rolle dann die Urlauberseelsorge überhaupt noch spielen kann, darüber muss noch nachgedacht werden. Dass es aber so nicht weiterlaufen kann, wie bisher, war schnell klar. Hinzu kam, dass die Kirchengemeinden immer kleiner werden und weil sich die finanziellen Zuweisungen der Landeskirche seit einiger Zeit ausschließlich an den Mitgliederzahlen orientieren, werden auch die Kassen knapp.
Pastoren haben Arbeitsschwerpunkte
Die Kirchengemeinden Hohenkirchen, Middoge, Tettens, Oldorf, Pakens-Hooksiel, Waddewarden-Westrum und St. Joost-Wüppels verständigten sich darauf, fortan ihre Eigenständigkeit aufzugeben und eine Einheit zu bilden. Betroffen sind 4200 Gemeindemitglieder. Im kommenden Jahr wollen sich möglicherweise noch die Kirchengemeinden Minsen und Wiarden anschließen.
Durch die Neugründung der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Wangerland sind auch alle Verbindlichkeiten und alle Vermögenswerte an die große Kirchengemeinde übergegangen. Auch die hauptamtlich Tätigen, von den Geistlichen bis hin zu den Bürokräften und dem Reinigungspersonal bleiben erhalten. Die Arbeitsschwerpunkte der Pastoren und Pastorinnen verteilen sich vorerst wie folgt: Hanja Harke in Waddewarden-Westrum und Oldorf (Wangerland III), Jürgen Walter in Hohenkirchen, Tettens und Middoge (Wangerland I) und Stefan Grünefeld in Pakens-Hooksiel und St.-Joost-Wüppels (Wangerland II).
Viele Rituale und bewegende Momente
Der Festgottesdienst wurde mit vielen Ritualen gefeiert. Unter anderem brachten die Kirchenältesten ihre bisherigen Kirchenbücher und die Sigel zum Altarraum – ein sehr bewegender Moment. Die Bücher haben zum Teil hohen historischen Wert. Im Tausch dafür gab es neue Kirchenbücher – in einem eher schlichten Format.
Während des Gottesdienstes, den Kreispfarrer Christian Scheuer gemeinsam mit Synodalpräsidentin Sabine Blütchen gestaltete, wurde immer wieder betont, dass die neue Struktur nur ein Teilstück sei. Jetzt gelte es, die neue Kirchengemeinde mit Leben zu füllen und den Prozess des Zusammenwachsens zu stärken. „Kirche ist mehr als die Ordnung, die Menschen ihr geben“, sagte Blütchen. Scheuer sprach vom Geist Gottes, dem viel Raum gegeben werden müsse. Er zeigte Verständnis für die vielen Fragen, die noch offen seien und ermutigte die Gläubigen zur Zuversicht.
Enge Zusammenarbeit mit der Gemeinde
Im Anschluss gab es Grußworte von Diakon Ludger Niehoff aus der katholischen Kirchengemeinde, in der es bereits Erfahrungen mit größeren Einheiten gibt.
Wangerlands Bürgermeister Mario Szlezak erklärte, Kirche müsse jetzt wieder unter Beweis stellen, dass Menschen hier Halt finden könnten. Er kündigte eine engere Kooperation von Kommune und Kirche zum Wohle der Bürger an. Dabei könne man sich unter anderem durchaus vorstellen, gemeinsam Räume zu nutzen. Auch hier kneift es in der Kirchengemeinde Wangerland. Denn es gibt allein zwölf Kirchen, die unterhalten werden müssen – noch dazu zahlreiche Gemeindehäuser. Themen, die in naher Zukunft angegangen werden sollen.
