Hooksiel - Segeln hat mit Freiheit und Träumen zu tun. Rainer Simon, ehemaliger Siemens-Projektmanager aus Salzkotten in Nordrhein-Westfalen, fing erst spät damit an; doch mit fast 6o Lenzen wagte er seinen größten Törn: Einmal rund um den Erdball. Nach acht Jahren ist er jetzt mit seiner Frau Ute auf der Segelyacht „Trinity“ in den Heimathafen Hooksiel zurückgekehrt. Dort hatten Freunde den beiden den roten Teppich auf dem Steg ausgerollt und begrüßten das Paar stürmisch.
Der in Hude geborene Rainer Simon hatte sich mit einem Freund die „Trinity“ gekauft und damit Segelerfahrungen auf der Ostsee und im Mittelmeer gemacht, ehe beide im Juli 2012 ohne Zeitlimit zur Weltumrundung aufbrachen. Ute Simon war gelegentlich dabei. Sie ahnte aber nicht, dass sie auf dem Weg um den Erdball bald eine wichtige Rolle spielen würde. Doch nach der ersten Teilstrecke stieg der Freund und Miteigner in der Karibik aus familiären Gründen aus und verkaufte Simon seinen Anteil an der 14,20 Meter langen Yacht.
„Sind ein gutes Team“
Rainer Simon machte die „Trinity“ zur Hurrikansaison in Guatemala fest, flog nach Deutschland und holte seine Frau als „Co“ an Bord. Sie löste ihn auf dem weiteren Weg am Ruder ab. „Wir waren ein gutes Team und lösten alle Probleme gemeinsam“, war jetzt zu hören. Mit zwei weiteren Sportbooten im Pack, vier „Linehandlern“ und einem „Advisor“ an Bord wurde die Schleuse zum Panama-Kanal bewältigt. Weiter ging es zu verschiedenen kolumbianischen Häfen. Pausiert wurde einmal, weil sich Ute Simon den Fuß gebrochen hatte und zur Behandlung für sechs Wochen nach Deutschland flog.
Mit einem Schweizer Segelfreund und Rucksäcken ging es weiter auf eine nicht ungefährliche Urwaldtour. Per Yacht dann nach Ecuador und Peru, wo die Simons dem gebürtigen Sander Klaus Menßen und seiner Frau Brita, heute wohnhaft in Steinhude, deutschsprechend an einem Busbahnhof auffielen. Aus dem Kontakt wurde Freundschaft.
Auf dem Landweg fuhren die Segler nach Bolivien und mit der „Trinity“ bis Chile. Es folgten 30 Tage über den Pazifik zu den Südseeinseln Hiva Oa, Moorea, Bora Bora und Tahiti. Dort musste eine defekte Kühlerpumpe des Mercedes-Motors repariert werden. Zum Glück hatte eine Werkstatt ein Ersatzteil. Die Simons gingen tauchen und schnorcheln. Sie hörten nachts bei den Tonga-Inseln den Gesang der Wale und wurden von Insulanern winkend von Land her gegrüßt.
Illegale Einwanderer?
Neues Ziel waren dann die Nordinsel von Neuseeland, Fidschi und vor Australien das Great Barrier Riff. Bevor Darwin erreicht war, eine böse Überraschung auf den Tiwi Islands: Weil sie ihre Ankunft nicht gemeldet hatten, wurden sie als Einwanderer verhört und zu einer Geldstrafe von mehr als tausend Euro verknackt.
Mit ihrem „Traumschiff“ erreichten die Deutschen schließlich die indonesischen Inseln Timor, Lumba, Flores, Lombok, Komodo und Bali. Per Flugzeug besuchten sie von dort ihren Sohn in Malaysia. Die schwere Fahrt über den stürmischen Indischen Ozean „möchte ich nicht noch einmal erleben, denn ich bekam reichlich blaue Flecken“, erzählte Ute Simon. Doch irgendwann waren Mauritius, Reunion, Madagaskar und die südafrikanischen Häfen Durban, Port Elizabeth und Kapstadt erreicht. Über Lüderitz in Namibia ging es weiter nach St. Helena zur Besichtigung des Grabes von Napoleon.
Über den Atlantik brachte die „Trinity“ ihre zweiköpfige Crew dann zur Insel Ascension und bis Fortaleza in Brasilien. Das letzte Jahr verbrachten die Simons noch einmal in der Karibik. Dort holte sie auf Barbados die Corona-Pandemie ein. Auf der Heimfahrt durften sie auf den Azoren nur ankern, nicht aber an Land gehen. Einkäufe wurden ihnen gebracht.
Letzte Stationen der Reise waren Brest und Boulogne-sur-Mer in Frankreich sowie Den Helder in Holland, ehe das sturmfreie Hooksieler Binnentief und das Hooksmeer in Sicht kamen.
„Wir haben zweimal den Äquator überquert, sind rund 36 000 Nautische Meilen gefahren, Stürmen aus dem Weg gegangen und haben viel erlebt“, sagt Rainer Simon.
