Hooksiel - Stolze 48 Jahre dauerte es von der ersten Planung bis zur Freigabe der Umgehungsstraße um Hooksiel. Vor 25 Jahren, am 5. Dezember 1998 berichtete unsere Zeitung von der feierlichen Einweihung der sogenannten „kommunalen Entlastungsstraße“.
Bevor ein Autokorso mit rund 200 Hooksielern erstmals die rund 2500 Meter lange und 6,5 Meter breite neue Straße am 4. Dezember 1998 passieren durften, durchschnitten ihre vier maßgeblichen „Väter“ das obligatorische blau-weiße Band. Unermüdlich hatte Gemeindedirektor Günther Hinrichs ganz dicke Bretter gebohrt. Die ehrenamtlichen Bürgermeister Klaus-Peter Koch (CDU) und Vorgänger Dietrich Gabbey (SPD) hatten derweil auf der politischen Seite dauerhaft Druck gemacht.
Zehn Millionen D-Mark Förderung
Regierungspräsident Bernd Theilen (SPD) war es schließlich, der 1993 den erlösenden Zuwendungsbescheid des Landes Niedersachsen über zehn Millionen D-Mark aus Mitteln des Gemeindefinanzierungsgesetzes überbrachte. Und natürlich durfte auch er an diesem für den Sielort besonderen Tag zur Schere greifen.
Wobei sich die Gesamtkosten für die Straße einschließlich einer Brücke über eine Viehdrift sowie der Anpflanzung von 120 Bäumen und 11.000 Stauden auf rund 14 Millionen D-Mark beliefen.
Eine ganz besondere Rolle spielte bei der Umsetzung Heinrich Arning aus dem Niedersächsischen Wirtschaftsministerium. Er hatte bereits 1988 ein cleveres Finanzierungsmodell ausgetüftelt, nach dem die Gemeinde als Bauherr auftrat, Bund und Land jedoch 90 Prozent der zuschussfähigen Kosten übernahmen.
Erste Pläne schon 1950
Wäre man 1950 den ersten Plänen einer solchen, allerdings kürzeren Umgehungsstraße gefolgt, hätte man diese sogar für nur 140.000 D-Mark haben können. Dieser Ansatz scheiterte damals im Wesentlichen daran, dass dafür einige Häuser hätten abgerissen werden müssen. Als in den 1970er-Jahren dank des stetig wachsenden Fremdenverkehrs in den Wangerländer Küstenorten die Notwendigkeit einer Umgehung wuchs, erarbeitete das Straßenbauamt Aurich Alternativen aus, für die dann bis 1979 mehrere Modelle vorlagen.
Anfangs viel Widerstand
Nun aber gab es gleich von mehreren Seiten Ablehnung, so unter anderem von Kaufleuten des Ortes, die ein Ausbleiben von Kunden befürchteten. Noch mehr aber verwahrten sich Landwirte gegen jegliche Eingriffe in ihre Ländereien. Einer aber gab nie nach im Bestreben, die Entlastungsstraße doch noch zu bekommen: Gemeindedirektor Günther Hinrichs. Und der hatte ein schwerwiegendes Argument auf seiner Seite: Im Jahr 1990 galt die Landesstraße 810 von Wilhelmshaven nach Horumersiel als die mittlerweile verkehrsreichste Straße des ganzen Landes.
Gemeindedirektor Günther Hinrichs
Der Knackpunkt dabei war die Durchfahrt durch den engen Sielort: Man stelle sich einmal vor, dass die heutige Lange Straße statt einer Fußgängerzone ein dicht befahrenes Nadelöhr ist, wo sich vor allem im Sommer neben dem normalen Verkehr auch noch die Fahrzeuge der Touristen und die landwirtschaftlichen Fahrzeuge so tummeln, dass ein Überqueren für Fußgänger lebensgefährlich wird.
Gewerbegebiete entstehen
Die Alternative war also unausweichlich und nach dem 4. Dezember 1998 gab es nicht nur eine große Verkehrsberuhigung im Ort, direkt an der Entlastungsstraße wuchsen recht bald mit dem Berghamm und dem Schwarzhamm zwei Gewerbegebiete heran. Die Neugestaltung des plötzlich so gemütlichen Dorfes oblag dann aber dem zum Zeitpunkt der Einweihung ddem ersten hauptamtlichen Bürgermeister Joachim Gramberger.
