Jever - Vor dem Amtsgericht Jever hat am Dienstag der Prozess gegen einen 58-Jährigen aus dem Wangerland begonnen, der den furchtbaren Frontalzusammenstoß zweier Lastwagen auf der Bundesstraße 210 kurz hinter der Auffahrt Jever-Ost am 28. Oktober 2021 verursacht haben soll. Dabei sind die beiden Lkw-Fahrer sowie ein Beifahrer ums Leben gekommen, ein weiterer Beifahrer hatte den Unfall mit schweren Verletzungen überlebt.
Unfallopfer waren miteinander verwandt
Die besondere Tragik des Unglücks: Die Unfallopfer waren miteinander verwandt. Die beiden Fahrer waren Brüder, 48 und 52 Jahre alt, und die Beifahrer waren die 18-jährigen Zwillingssöhne des einen Fahrers. Etwa ein Dutzend Familienangehörige und Freunde der Unfallopfer verfolgten teils unter Tränen den Prozessauftakt – als Zuschauer beziehungsweise als Nebenkläger.
Dem 58-Jährigen wird vorsätzliche Straßenverkehrsgefährdung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Tötung vorgeworfen. Der Strafrahmen reicht von Geldstrafe bis zu fünf Jahren Haft. Nach Aussage seines Verteidigers wird der Angeklagte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen. Der Mann ist verheiratet und Vater zweier Töchter. Er stammt aus Wilhelmshaven und ist gelernter Maurer, aber derzeit arbeitslos.
„Ein Verfahren, dass nicht gewöhnlich ist“
Nach der Verlesung der Anklage rief die Vorsitzende Richterin Silke Voß-Corell die Staatsanwältin und die Anwälte der beteiligten Parteien ins Richterzimmer, denn „das ist ein Verfahren, dass nicht gewöhnlich ist“. Bei der Besprechung seien die Aktenlage und die rechtlichen Probleme des Falles erörtert worden, sagte Voß-Corell im Anschluss: Es sei nicht um eine Verfahrensverständigung oder um Absprachen zwischen Anklage und Verteidigung gegangen.
Als erster Zeuge wurde Sven J. (20) aus dem Landkreis Wittmund gehört, das überlebende Opfer des Unfalls. Er hat keine Erinnerungen an den Unfalltag. Als weiterer Zeuge wurde am Dienstag der Polizist gehört, der damals mit einem Kollegen als erster am Unfallort war.
