Horum - 33 Jahre nach dem ersten Klönschnack findet diese beliebte Plattdeutsch-Veranstaltung am Sonntag das letzte Mal statt. Dabei präsentiert das Trio „Dreebladd“ aus Südbrookmerland sein etwas anderes Weihnachtsprogramm. Das WOCHENBLATT sprach mit Klönschnack-Organisator Bernhard Eden (80) über die Anfänge der Reihe, mit der er etwas für die niederdeutsche Sprache tun wollte. In den vergangenen Jahren wurden mit dem Klönschnack-Erlös dann auch Plattdeutsch-Projekte an den wangerländischen Kindergärten und Grundschulen gefördert.

Herr Eden, in den vergangenen Jahren hatten Sie oft laut über ein Ende der Klönschnack-Reihe nachgedacht, sich aber immer wieder zum Weitermachen überreden lassen. Ist der Klönschnack am Sonntag wirklich der letzte?

Ganz sicher – zumindest unter der meiner Regie. Der bevorstehende Umbau des „Friesland-Sterns“ hat für mich den Ausschlag gegeben. Auch wird für mich die Organisation der Veranstaltung einfach zu viel. Für das, was in Sachen Klönschnack nach mir kommt, kann nur gelten: Ohne mich und ohne das Team vom Friesland-Stern.

Können Sie sich noch an den ersten Klönschnack erinnern?

Ja, das war 1984 im ehemaligen Hotel „Atlanta“ in Horumersiel. Auf Vermittlung von Jevers damaligem Stadtdirektor Ingo Hashagen trat damals der mittlerweile verstorbene Philipp Fürst aus Butjadingen auf. Damals ging es aber noch nicht um die Unterstützung von Plattdeutschprojekten in den Kindergärten und Grundschulen.


Und wann änderte sich das?

Im Jahr 1988, als unsere Familie die Alte Molkerei in Horum übernahm. Von da an gab es beim Klönschnack immer Schinkenbrot mit Tee. Und der Erlös – zuletzt immerhin 1500 bis 2000 Euro jährlich – war für die Förderung des Plattdeutsch-Nachwuchses bestimmt.

Dabei sind Sie, was die Zukunft der niederdeutschen Sprache in der Region angeht, eigentlich skeptisch?

Aufwärts geht es sicherlich nicht mehr! Das Problem ist, dass die Großeltern mit ihren Enkeln nicht Platt schnacken. Wenn das so weitergeht, ist es im Jeverland mit der plattdeutschen Sprache bald vorbei.

Lassen Sie und mal ein Blick zurück werfen auf mehr als drei Jahrzehnte Klönschnack. Dazu einige Stichworte: Wieland Rosenboom...

Immer wieder fragen mich die Leute: Kummt Wieland ok, dann koom ick ok? Wieland ist mit seiner Art sicherlich einzigartig, war aber nicht das einzige Zugpferd. Ein Höhepunkt war immer wieder auch Dr. Marron C. Fort. Der gebürtige US-Amerikaner ist der Beweis dafür, dass man auch im Erwachsenenalter noch perfekt Plattdeutsch lernen kann. Bei dem farbigen Sprachexperten kommt hinzu, dass er auch noch das Saterfriesische beherrscht.

Beim vergangenen Januar-Klönschnack legte Michael Janßen vom Duo „Muulwark“ einen Tisch-Striptease hin und ließ dabei die Hüllen fallen. Das sorgte bei den weiblichen Gästen für Ekstase.

Das sind so Erlebnisse, die man nicht vergisst. Aber beim Klönschnack ging es oft frivol und schlüpfrig zu. Ich möchte da an die aus der NDR-Sendung „Hör mal’n beten to“ bekannte Autorin Traute Römisch erinnern, bei deren Ausführungen einige weiblichen Gäste verschämt zur Seite schauten. Das gleiche gilt für Karl-Heinz Funke. Die Auftritte des ehemaligen Bundes-Landwirtschaftsminister waren sicherlich Klönschnack-Höhepunkte. Jedoch erzählte der Vareler dabei auch Witze, die eher in eine Herrenrunde gehören.

Und dann waren da Gerd Spiekermann, der von seinen Kindheitstraumata berichtete – zum Beispiel von den Schlachtungen im elterlichen Betrieb in Ovelgönne…

…von denen er leider bei jedem seiner drei Klönschnack-Auftritte berichtet hat. Davon abgesehen war Spiekermann natürlich ein Zugpferd. Zu einer seiner Lesungen im großen Kursaal von Horumersiel waren mehr als 300 Gäste gekommen. Aber es waren nicht nur die norddeutschen Plattdeutsch-Größen die das Besondere des Klönschnacks ausgemacht haben. Vor allem unsere hiesigen Leute haben mit ihren authentischen Auftritten schöne plattdeutsche Klönabende gestaltet. Ich möchte da unter anderem nur an die Heidmühlerin Meike Baumann, an Ubbo Gerdes aus Aurich und an die Hohenkirchenerin Almke Gerken erinnern. Hinzu kamen die Auftritte des Duos „De Platters“ und der Kinder der Plattdeutsch-AG der Tettenser Grundschule.

Aber es gab beim Klönschnack nicht nur Höhe-, sondern auch Tiefpunkte. Ich möchte da nur an das geringelte Clown-Duo „Schatzi & Matzi“ erinnern, das 2013 eine derart üble Show ablieferte, dass einige Gäste den „Friesland-Stern“ vorzeitig verließen. Was den Rest der Besucher angeht, kann ich mich noch gut an die gequälten Gesichter erinnern.

Das war eine Pleite – und was hab’ ich mich geschämt. Aber ich wusste vorher nicht, was da auf mich zukommt. Ein ähnlicher Flop war der Auftritt des Plattdeutschbeauftragten im Landkreis Oldenburg, Friedrich Ahlers. Der Oberstleutnant der Wildeshauser Schützengilde berichtet eineinhalb Stunden lang über das Schützenwesen in seiner Heimatstadt.

Welche Plattdeutsch-Größe hätten Sie noch gerne beim Klönschnack zu Gast gehabt?

Ina Müller und Ludger Abeln hatten mir vor vielen Jahren fest versprochen, dass sie ins Wangerland kommen. Dann wurden beide aber wohl zu berühmt, sodass aus der Sache leider nichts geworden ist.

Werden Sie sich nach dem Klönschnack-Aus nicht langweilen?

Bestimmt nicht! Ich bin ja noch beim Flegelbeer aktiv. Auch freue ich mich darauf, dass ich nun mehr Zeit habe, um auf dem Hochsitz zu sitzen – auch wenn kein Wild kommt.