Horumersiel - Mit einem Festessen und Tanzabend wurde vor 150 Jahren das letzte Horumer Siel eingeweiht. Es handelte sich um das erste steinerne Siel im Jeverland. Bei der Umsetzung des Tillessen-Plans zur Entwässerung des Jeverlandes wurde das Sielbauwerk 1962 abgebrochen. Die Entwässerung erfolgt seither durch das neue Wangersiel. Ein letzter steinerne Zeuge der über 400-jährigen Sielgeschichte ist seit einigen Jahren verschwunden: Der Schlussstein.

Aus für den Hafen

In den 1950er und 60er Jahren gab es Riesenprobleme mit der Entwässerung der jeverländischen Marsch. Der geniale Bauingenieur Karl Tillessen (1907 bis 1995) vom Wasserwirtschaftsamt Wilhelmshaven entwickelte mehrere Alternativen, um die Misere zu lösen.

Schließlich wurde der Plan Nr. 10 umgesetzt. Er sah die Zusammenlegung der Siele von Inhausersiel, Hooksiel, Crildumersiel, Hohenstiefersiel und Horumersiel zum neuen Wangersiel vor. Das bedeutete zugleich das Ende des Sielhafens.

Vermutlich um 1542 war der erste Siel von der Stumpenser Mühle nach Horumersiel vorverlegt worden, berichtet Erhard Ahlrichs in seinem Horumersiel-Buch. Das nehmen die Horumersieler auch als Jahreszahl für die Gründung des Sielhafenorts. Urkundlich gesichert ist die Reparatur des Sieles 1635 und ein Neubau von 1709 bis 1713, der als „Sielaffaire“ in den Akten verzeichnet ist. Es gab Ungereimtheiten und mangelnde Auftragserfüllung.

Der erste Steinsiel wurde dann 1871 erbaut. Es sollte der letzte Siel für Horumersiel werden. Für den Bau wurden Kosten in Höhe von 79 000 Talern veranschlagt. Rund einer halbe Million Ziegelsteine wurden aus Rastede angeliefert – 40 Schiffsladungen. Das Bauwerk ruhte auf Eichenpfählen, die mit der „Bummelramme“ in den Untergrund getrieben wurden.

Am 9. September 1871 erscheine eine Annonce im „Jeverschen Wochenblatt“, wonach die Einweihungsfeier am 22. September um 2 Uhr beginnen sollte; das Festessen war für 5 Uhr angesetzt und anschließend wurde zum Tanz gebeten. Anmeldungen waren in den Gasthäusern des Jeverlandes gewünscht.

Mit dem Abbruch des Siels und dem Zuschütten des Horumersieler Hafens endete 1962 die Hafen- und Sielgeschichte. Einzig Heiko Hinrichs, Wirt des legendären Strandhotels „Zur schönen Aussicht“, bewahrte den Schlussstein mit der Inschrift „Anno 1871“ aus dem Sielgewölbe vor dem Abrissbagger.

Jahrelang stand der Schlussstein, versehen mit einer Erklärung, vorm Strandhotel. Wieland Rosenboom, Horumersiels wandelndes Geschichtsbuch, weiß wo der Stein jetzt ist. „Er sollte wieder im Dorf aufgestellt werden. Ich bemühe mich intensiv darum“, versicherte er.