Horumersiel/Jever - Die größte Segelregatta der Welt, das Fastnet-Rennen, startet an diesem Sonntag vor Cowes auf der britischen Insel Wight. 450 Segelyachten nehmen Kurs auf den Fastnet Rock, einen Leuchtturm in der Irischen See vor der Südwestküste Irlands. Erstmals ist ein Boot aus dem Oldenburger Land dabei: Die „Truwen“ aus Horumersiel (Kreis Friesland).
„Wie lange soll ich noch warten“, fragt Skipper Dr. Jens-Werner Hinrichs aus Jever: „Wann, wenn nicht jetzt?“ Der 55-Jährige krönt mit der Teilnahme seine Karriere als Hochseesegler: Achtmal ist er bereits „Rund Skagen“ gesegelt, fünfmal absolvierte er die Edinburgh-Regatta im Rahmen der Nordseewoche. Seine Crew: segelerfahrene und ehrgeizige Männer aus der Segelkameradschaft Horumersiel.
Das Teilnehmerfeld
Das Fastnet-Rennen ist eine Legende: 1925 erstmalig von acht englischen Yachten gesegelt, meldet die 49. Auflage in diesem Jahr die Rekordteilnahme von 450 Yachten aller Größen, die in zwölf Klassen starten. Die „Truwen“ segelt in der Gruppe IRC 4 und muss mit 73 Mitbewerbern kämpfen. Deshalb ist klar, dass die betagte Swan 38 von Hinrichs nicht auf den Sieg, sondern auf eine akzeptable Platzierung schielt. Der Kurs führt über knapp 700 Seemeilen (fast 1300 Kilometer) entlang der Südküste Englands, zwischen den Scilly-Inseln und Land’s End und über die Keltische See zum Fastnet Rock südlich von Irland. Die Flotte kehrt dann zurück und umrundet Bishop Rock, westlich der Scilly-Inseln. Von hier aus ist die Strecke dieses Jahr geändert, da das traditionelle Ziel von Plymouth nach Cherbourg in Frankreich verlegt wurde. Dadurch verlängert sich die Regatta von 608 auf 695 Seemeilen.
Die Crew der „Truwen“ (Lutz Aschenbach, Alexander Bayer, Jan Bruns, Jannik Harms, Bernhard Ihnken und Tanno Kruse) hat sich auf den geforderten Lehrgängen für „Surrival at Sea“ besonders intensiv vorbereitet. „Das Ganze ist auch logistisch sehr kniffelig“, berichtet der Skipper. Das Boot müsse entsprechend der Kategorie 2 für Langstreckenregatten (Fahrten über freie See) ausgerüstet sein und es soll rechtzeitig in Cherbourg (Frankreich) eintreffen, wo die Regattamannschaft an Bord geht.
Am Start werden spektakuläre Foiler-Yachten aus Frankreich und den USA sein. Futuristische Trimarane erreichen das Ziel in unter zwei Tagen. Aber in der Überzahl dominieren normale Serienboote und Einzelbauten das Regattafeld; sie werden je nach Größe und Wetterbedingungen sieben und mehr Tage auf See sein.
Die Einschränkungen
Die Pandemie trifft auch das größte Segelevent der Welt: Es gelten die englischen Einreisebeschränkungen und Reiserückkehrer müssen mit Quarantäne-Anordnungen rechnen. Das wirft für den Veranstalter, den Royal Ocean Racing Club (RORC) Probleme auf, da es unter diesen Bedingungen nicht möglich ist, mit einer 450-Boote-Flotte von Cowes nach Frankreich zu segeln. Aber die Engländer blieben unerschütterlich am Ball. Sie haben für die nicht-britischen Teilnehmer ein zweites Regattabüro in Cherbourg eingerichtet. Dann soll am Tag vor dem Start eine große Armada die 75 Seemeilen über den Ärmelkanal nach Cowes verholen, ohne dort festzumachen. Damit gibt es keine Einreise nach Großbritannien und bei Rückkehr nach Frankreich drohen keine Sanktionen. Vor Cowes ist ein fliegender Start auf die Regattastrecke geplant.
