Horumersiel - Das Apothekensterben geht weiter: Seit 2009 ist die Zahl der Apotheken rückläufig. 2020 gab es in Deutschland 18 753 Apotheken. Das sind 23 Apotheken pro 100 000 Einwohner. In der EU liegt dieser Wert bei 32 Apotheken. Einer Studie zufolge könnte bis 2030 jede dritte Apotheke geschlossen sein.
In Niedersachsen gibt es 1872 öffentliche Apotheken. Seit 2009 haben zwischen Harz und Nordsee 241 Betriebe geschlossen. Gründe dafür gibt es viele. Die Apotheker selbst beklagen die wirtschaftlichen und ordnungspolitischen Rahmenbedingungen – viele, die für immer ihre Türen schließen, geben an, dass es sich nicht mehr lohnt. Hinzu kommen Faktoren, die auch andere Branchen kennen: Überalterung, Fachkräftemangel, Nachwuchssorgen. „Das große Apothekensterben – kommt erst noch“, titelt der Branchendienst apotheke adhoc. Noch könne man sich auf eine flächendeckende Versorgung verlassen, aber das könne bald vorbei sein, sagt Friedemann Schmidt, Präsident der ABDA. Die ABDA bündelt die Interessen der Pharmazeuten und Schmidt ist damit so etwas wie Deutschlands oberster Apotheker.
„Die Apotheke vor Ort ist ein Stück Heimat“, sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Wenn das stimmt, geht davon gerade viel verloren. Unter dem Strich 348 Apotheken netto weniger – das ist die Bilanz aus 2019. Netto, weil die Neueröffnungen und die Betriebsschließungen miteinander verrechnet werden. Fakt ist: Jeden Tag macht in Deutschland irgendwo mindestens eine Apotheke dicht; fast 2500 Betriebe sind im vergangenen Jahrzehnt verschwunden. Ob Notdienst, individuelle Rezeptur, Notfallarzneimittel oder Antibiotikum, alles mit persönlicher Beratung – es sei gut, wenn dann eine Apotheke vor Ort helfen könne. Und dann warteten 50- bis 60-Stunden-Wochen auf die Übernehmer. Auch dazu sei nicht jeder junge Mensch bereit.
