Horumersiel - Im Sielort verschwindet wieder ein wichtiger Teil der Infrastruktur: Am Sonnabend ist für Hubert Fehr und seine Jade-Apotheke an der Goldstraße für immer Schluss. „Ich habe keinen Nachfolger gefunden“, bedauert Fehr. Das Ladenlokal wird von der Firma Biomaris zu einem Geschäft für Heilmittel und Kosmetik aus dem Meer umgestaltet.
Die Jade-Apotheke wurde 1978 von Volker und Sigrid Zörlein gegründet. 2008 übernahm Hubert Fehr die Apotheke. Nach 43 Jahre verliert das Nordseeheilbad den Betrieb unwiederbringlich.
Das Ladenlokal gestaltet das Unternehmen Biomaris – bisher zwischen Haus des Gastes und dem früheren Kurmittelhaus ansässig, zu einem Shop für Meeres-Pflegeprodukte um. Die Biomaris GmbH & Co. KG ist ein 1934 von Walter Brachmann gegründetes Unternehmen der Heilmittel- und Kosmetikindustrie mit Sitz in Bremen. Das Familienunternehmen ist als Spezialist für Thalasso-Kosmetik eng mit dem Meer verbunden und vertreibt seine Produkte in 26 Ländern weltweit. Biomaris beschäftigt aktuell 80 Mitarbeiter in 24 Shops in Urlaubsregionen an Nord- und Ostsee.
„Vor dieser Entwicklung Horumersiels habe ich schon vor Jahren gewarnt“, zieht Hubert Fehr, der 2008 aus Düsseldorf ins Wangerland kam, ein bitteres Resümee. „Erst schloss die Grundschule, dann die Post und die Banken. Für meine treuen Kunden tut es mir leid, dass sie nun längere Wege zur nächsten Apotheke nach Hooksiel oder Hohenkirchen auf sich nehmen müssen“, sagt der Pharmazeut.
Eigentlich hätte er noch zwei Jahre länger machen wollen, erzählt er im Gespräch mit der NWZ. Aber weil am 1. Januar 2022 das elektronische Rezept eingeführt werden soll, habe er sich entschlossen, mit 65 Jahren in den Ruhestand zu gehen. „Das elektronische Rezept zu implementieren, hätte in meiner Apotheke hohe Investitionen erfordert, die ich nicht mehr aufwenden wollte,“ so Fehr.
Die Suche nach einem Nachfolger hat sich auch vor dem Hintergrund des Strukturwandels im Sielort als aussichtslos erwiesen. „Eine Apotheke benötigt rund 2500 Einwohner, um existieren zu können. Wir sind in Horumersiel und Schillig aber nur 850 Bürger. Die Gäste bringen in der Regel ihre Dauermedikamente mit, scheiden also als Umsatzbringer aus“, erklärt der Horumersieler; er bleibt weiterhin im Wangerland wohnen. Hubert Fehr spart nicht mit der Kritik an dieser Entwicklung, die vom Gemeinderat gewollt sei. „Hier ist alles nur noch auf Betten ausgerichtet. Für die Bürger wird nichts getan“, meinte er. Von daher müsse auch die äußerst knappe Bürgermeister-Wahl im Wangerland als Protest gegen den bisherigen kommunalpolitischen Kurs verstanden werden.
