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Spitzbake vor 100 Jahren gebaut Um Mellum ranken sich Sagen und Legenden

Theo Kruse

Horumersiel - „Die geheimste Insel im Wattenmeer“ – so wurde einmal eine Reportage von Mellum überschrieben. Die Düneninsel liegt am seewärtigen Endpunkt des Hohe-Weg-Watts knapp fünf Seemeilen östlich von Horumersiel. Sie zählt nicht mehr zu den Ostfriesischen Inseln.

Die vor 100 Jahren erbaute Spitzbake von Mellum brannte 1976 ab. Brandursache waren angeblich Schweißarbeiten. Auf diesem Foto ist die hochwassersichere Unterkunft für Schiffbrüchige aus Gewichtsgründen bereits ausgebaut.Trinkwasser fördern die im Sommer auf Mellum lebenden Naturschutzwarte aus einer Süßwasserlinse, die neun Meter tief unter der Insel liegt. Im Hintergrund die Unterkunft der Naturschutzwarte. Das einzige Haus auf Mellum befindet sich innerhalb des Ringdeiches, der im 2. Weltkrierg angelegt worden ist. Ansonsten bleibt die Düneninsel ganz und gar den Kräften von Wind und und Meer überlassen. Auf den gesprengten Bunkern der Flakgeschützstellungen wurde ein Ausichtspunkt errichtet, vom dem aus die Mitarbeiter drees Mellumrates die Vogelwelt beobachten können.

Die vor 100 Jahren erbaute Spitzbake von Mellum brannte 1976 ab. Brandursache waren angeblich Schweißarbeiten. Auf diesem Foto ist die hochwassersichere Unterkunft für Schiffbrüchige aus Gewichtsgründen bereits ausgebaut.Trinkwasser fördern die im Sommer auf Mellum lebenden Naturschutzwarte aus einer Süßwasserlinse, die neun Meter tief unter der Insel liegt. Im Hintergrund die Unterkunft der Naturschutzwarte. Das einzige Haus auf Mellum befindet sich innerhalb des Ringdeiches, der im 2. Weltkrierg angelegt worden ist. Ansonsten bleibt die Düneninsel ganz und gar den Kräften von Wind und und Meer überlassen. Auf den gesprengten Bunkern der Flakgeschützstellungen wurde ein Ausichtspunkt errichtet, vom dem aus die Mitarbeiter drees Mellumrates die Vogelwelt beobachten können.

Vor 100 Jahren wurde die bekannte Spitzbake erbaut, das Wahrzeichen von Mellum. 1976 brannte die einstige Rettungsbake ab. Ein angedachter Ersatzbau wurde nicht mehr realisiert. Das Eiland am Rand der Zivilisation zählt zu keiner Gemeinde, keinem Landkreis. Sie entstand erst Ende des 19. Jahrhunderts an der Wattwasserscheide Jade und Weser.

Legendäre Burg

Um das unbewohnte Mellum ranken sich Sagen und Legenden, die gar von einer Burg Mellum im frühen Mittelalter wissen wollen. Ob es dieses „Schloss“ jemals in grauer Vorzeit gegeben hat, ist in der einschlägigen Forschung umstritten. Als falsch gilt hingegen das Märchen, dass der Hohe Weg einst blühendes Marschenland war.

Grünes Eiland

Die Insel Mellum entstand Anfang des 20. Jahrhunderts. Als „Entdecker“ gilt Dr. Heinrich Schütte, der Gründer des Mellum-Rates. Er erinnerte sich später: „Im Sommer 1903 erfuhr ich durch Anwohner der jeverländischen Jadeküste, dass auf der Alten Mellum, dem hohen Sandwatt zwischen Jade- und Wesermündung, ein grünes Eiland in der Bildung begriffen sei. Kein Meßtisch- oder Generalstabsblatt, keine Admiralitätskarte meldete die Lage dieses Neulandes, keine heimatkundliche Schrift wusste etwas von ihm.“

Am 17. Juni 2009 brach auf Mellum aus unbekanntem Grund ein Brand aus. Weil es auf der Insel kein Löschwasser gibt, konnte das Feuer nur durch Feuerwehren aus Butjadingen und Friesland bekämpft und erst drei Tage später gelöscht werden. Zehn Hektar verbrannten, darunter die Brutgebiete von Seevögeln; schätzungsweise 2000 Jungvögel verendeten. Danach überarbeiteten Friesland und Wesermarsch ihre Katastrophenschutzpläne.

In einem zwischen Bremen und Häuptling Edo Wiemken d. Ä. abgeschlossenen Friedensvertrag vom 16. Juni 1410, findet sich ein Passus, der den Hansestädtern das Recht einräumt, auf Mellum Seezeichen zu setzen. In dem Dokument wurde die Mellum-Bake erstmals urkundlich erwähnt. 1697 stellte Bremen eine neue Bake auf, welche später abbrannte. Aus Dokumenten sind weitere Bakenbauten von 1589, 1771, 1860 und 1876 bekannt.

Insel wächst Dank natürlicher Sandzufuhr stetig

Mellum wird vom Mellumrat betreut – eine Naturschutz- und Forschungsgemeinschaft, die 1925 zum Schutz der Insel Mellum gegründet wurde. Heute betreut der Verein im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer neben Mellum auch Schutzgebiete auf Minsener Oog und Wangerooge sowie im Binnenland das Sager Meere, Kleiner Sand und Heumoor. Er hat seinen Sitz in Varel; Vorsitzender ist Dr. Holger Freund.

Früher standen zwei Baken auf Mellum. Auf der 1943 bei einer Sturmflut zerstörten Nordbake fand die Besatzung des Dampfers „Saturn“ Zuflucht und harrte dort von Weihnachten bis Silvester 1921 aus – von tosender See umgeben. Die Spitzbake von Mellum existiert noch im Modell als Wanderpreis der Segelkameradschaft Horumersiel. Er wird seit 1970 bei der Horum-Regatta vergeben.

Im Zweiten Weltkrieg wurde eine Sandaufspülung vorgenommen und ein Ringdeich gebaut. Die Kriegsmarine errichtete eine Flakbatterie mit Geschütz- und Scheinwerferstellungen. Die Nordseite der eingedeichten Fläche nahm den größten Bunker und die Flakstellung auf. Weitere Flak- und Scheinwerferbatterien befanden sich im Nordwesten, im Südosten und im Süden des Ringdeichs.

Vogelwelt: Es brüten auf Mellum über 30 Vogelarten. Gegenwärtig zählen die Naturschutzwarte jährlich etwa 7000 Paare Silber- und Heringsmöwen. Zudem ist der Austernfischer mit rund 400 Brutpaaren vertreten. Auch Kormorane, Löffler, Mantel- und Schwarzkopfmöwen wurden gesichtet.

Vegetation: 1906 wurden lediglich 27 Pflanzenarten festgestellt, heute sind über 200 Arten vertreten.

War das hochwasserfreie Grünland zu Beginn des 20. Jahrhunderts lediglich zehn Hektar groß, so wuchs die Insel stetig: 1932 auf 38 Hektar und bis 2006 auf 75 Hektar. Der Mellumrat hat das über Hochwasser liegende Gelände vom Land Niedersachsen gepachtet; es ist inzwischen 660 Hektar groß und dazu zählen auch die Sände der Mellumplate. Die Sandzufuhr erfolgt durch Riffe und Platen, die von See her kommend mit der Insel verschmelzen. Aber auch Sandverklappungen von Baggergut an den Riffen von Mellum können in jüngster Zeit dafür verantwortlich sein.

Das 1950 auf Fundamenten der Militärstellung errichtete Stationshaus wurde 1977 so ausgebaut, dass bis zu 10 Personen gleichzeitig dort Platz finden. Auf dem Außenposten der Zivilisation gibt es seit 1972 Strom und Telefon. Nach dem Auffinden einer Süßwasserlinse im Jahre 1983 erübrigte sich der teils aufwendige Transport von Trinkwaser für die Naturschutzwarte – es gibt nun einen Brunnen.

Die Mellum-Bake war über Jahrhunderte der erste Orientierungspunkt zwischen Weser und Jade. Die einlaufenden Schiffe waren hier an einem gefährlichen Kursänderungspunkt. Etwa ab 1880 war die Bake zugleich eine Unterkunft für Schiffbrüchige, die im Falle der Strandung dort Wasser und Hartbrot fanden. Von 1923 bis 1936 diente sie den ersten Vogelwarten des Mellumrates als Unterschlupf und Forschungsbasis.

Vogelwärter-Haus

Das Lotsenkommando erlaubte dem Vogelwärter den Aufenthalt; sie verfügte über zwei Räume und maß etwa vier mal drei Meter. Die Bake war als Ersatz der 1876 errichteten Bake südwestlich des Grünlandes errichtet worden und wurde 1933 zum letzten Male instandgesetzt. 1957 stellte man fest, dass die Standfestigkeit nicht mehr gegeben war und baute die Seenot-Unterkunft aus Gewichtsgründen ab. Das Wasser- und Schifffahrtsamt Wilhelmshaven plante eine stählerne Bake. Die Pläne wurden wegen hoher Kosten (70 000 D-Mark) nicht realisiert. Stattdessen verspannte man das Fundament mit Ketten.

Die Spitzbake trotzte Wind und Wellen noch fast 20 Jahre, bevor sie in der Nacht vom 17. auf den 18. August 1976 in Flammen aufging. Ursache waren angeblich Schweißarbeiten.

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