Bockhorn/Zetel - Ein sieben Monate alter Labrador, der nach seiner Familie schnappt, ein Tierschutzhund aus dem Ausland, der so viel Angst vor Menschen hat, dass er sich kaum berühren lässt, und pubertierende Junghunde, die ihren Besitzern auf der Nase herumtanzen: Das ist die Bilanz, die die Hundetrainer in Bockhorn und Zetel im zweiten Lockdown ziehen. Das Problem: In der Corona-Krise haben sich viele Menschen Hunde angeschafft, weil sie mehr freie Zeit haben, doch sie bekommen keine Hilfe von Hundetrainern. Wegen des Lockdowns dürfen die Hundeschulen nicht öffnen.
Hohe Preise für Hunde
„Es ist wirklich ein Wahnsinn, wie viele Menschen sich seit dem Frühjahr Hunde angeschafft haben“, sagt Ingrid Barakat von der 4-Pfotenschule aus Zetel. „Wir nennen sie nur noch Corona-Hunde. Die Tierheime haben kaum Hunde mehr, die Preise sind furchtbar hoch.“ Das bemerkt auch Phoebe Ziewer von der Hundeschule Clevere Fellnasen in Bockhorn. „Mit Hunden wird jetzt ein richtiges Geschäft gemacht. Es gibt nun auch vermehrt ungesunde Zuchten, unter schlimmsten Bedingungen wird da der Nachwuchs produziert.“ Und auch aus dem Tierschutz seien sehr viel mehr Hunde vermittelt worden – „gerade das sind ja oft Tiere mit Angst- und Aggressionsproblemen“.
Gefährlicher Lockdown
Mit den Problemen stehen die Hundehalter jetzt alleine da. „Die Leute stehen total auf verlorenem Posten“, sagt Birgit Wolf von der Hundehalterschule Wolf. „Ich kann einen problematischen Hund nicht am Telefon behandeln. Es geht ja bei der Erziehung viel um Körpersprache und um den richtigen Moment. Das funktioniert nicht in der Theorie, dazu braucht man Praxistraining.“
Doch das ist eben zurzeit nicht möglich: Im Lockdown bleiben die Hundeplätze leer. Selbst bei Problemfällen bekämen die Hundetrainer keine Ausnahmegenehmigung, sagt Birgit Wolf. „Da geht es um echte Gefährdungsvermeidung bei Hunden, die in den Familien schon gebissen haben. Trotzdem dürfen wir auch da nicht arbeiten.“
Besonders absurd erscheint den Hundetrainern diese Regelung, weil gerade auf den Hundeplätzen viel Abstand möglich sei.
Phoebe Ziewer hat sich ein corona-konformes Konzept überlegt: Sie bietet einmal in der Woche Theorieunterricht in einem Online-Meeting an. Samstags kommen dann kleine Welpengruppen zum Spielen zusammen – ohne Herrchen. „Ich filme die Treffen und in einem separaten Online-Meeting besprechen wir die Szenen.“ Dieses Angebot sei die einzige Möglichkeit, überhaupt etwas zu tun, aber: „Das ist ein Riesenaufwand und finanziell überhaupt nicht abzudecken. Nur ist es mir wichtig, dass die Hundebesitzer professionell begleitet werden.“
Wenn die Halter der jungen Corona-Hunde nicht langsam Hilfe bekämen, sei klar, wo das für viele Tiere endet: im Tierheim. Oder schlimmer, meint Birgit Wolf: „Viele Hunde werden sicher beim Tierarzt landen, weil die Besitzer sich nicht anders zu helfen wissen und es als letzten Ausweg sehen, das Tier einschläfern zu lassen.“
