Upjever - Es ist ein kalter Frühlingsmorgen, 8 Uhr. Jan Fiddy Winkelhake, Revierförster von Upjever, kommt mit seinem Dienstwagen mit der Aufschrift „Niedersächsische Landesforsten“ angefahren. Begleitet wird er von seiner Jagdhündin Skinka und seinem Praktikanten Jan Niklas Röben (22). Wir vier werden einen Arbeitstag zusammen verbringen. Im Wald.
„Ein Tag mit ...“ In jeder Stadt, in jeder Straße, an jeder Ecke gibt es interessante Geschichten aus dem Arbeitsleben von Menschen, die Tag für Tag einen wichtigen Beitrag zu unserem gemeinsamen Leben leisten. Berufe, die gewöhnlich erscheinen oder gänzlich unsichtbar bleiben, bergen in Wirklichkeit einen Reichtum an Erfahrungen, Talenten, Geduld, Ausdauer und oft auch Mut. In der Serie „Ein Tag mit ...“ werden wir in die Welt der unterschiedlichsten Berufe eintauchen, die Menschen dahinter kennenlernen, einen Arbeitstag mit ihnen verbringen und ausführlich über sie berichten – auch mit Video auf Facebook, Instagram und auf NWZonline. Serienteil 1: „Ein Tag mit einem Förster“.
Winkelhake ist 28 Jahre alt, ein großer, athletischer Typ mit Dreitagebart und Ohrring. Die körperliche Arbeit im Wald hält ihn fit. Er trägt eine Arbeitshose, eine warme Fleecejacke und hohe Gummistiefel. Auf den ersten Blick wirkt der Förster ernst und wortkarg. Aber schnell stellt sich heraus, dass er kontaktfreudig und offen ist; schnell duzen wir uns.
Im Auto alles dabei
Dass sein Auto ziemlich verdreckt ist, überrascht nicht, der junge Mann entschuldigt sich dennoch. Im Wageninneren liegen Kleidung und Schuhe zum Wechseln, im Kofferraum eine Spezialfarbe zum Markieren von Bäumen, eine Kettensäge, zwei Schaufeln, Arbeitshandschuhe, Warnkleidung – alles Dinge, die er bei seiner Arbeit im Wald braucht. Skinka schläft.
Was gefällt Ihnen anIhrer Arbeit am besten?
Das Schönste an meiner Arbeit ist, dass wir den Wald von morgen schaffen können, für die nächsten Generationen. Gerade im Hinblick auf den Klimawandel kann ich mit dafür sorgen, dass wir stabile Wälder haben werden, gut durchmischt und mit einer großen Artenvielfalt.
Was stört Sie anIhrer Arbeit?
Durch meine Arbeit bin ich viel allein, da ist es immer gut, einen Hund dabei zu haben, damit ich mich nicht so einsam fühle. Aber das ist nichts, was mich wirklich stört. Das ist nur ein kleiner Nachteil, wenn man Förster ist.
Würden Sie sich wünschen, dass Ihre Kinder ebenfalls Ihren Berufsweg einschlagen?
Ich würde mich sehr freuen, wenn meine Kinder auch Förster werden wollten, denn unsere Arbeit ist sehr wichtig für unsere gemeinsame Zukunft und hat eine große soziale Komponente.
„Mein Arbeitstag ist nicht standardisiert“, sagt Jan Fiddy Winkelhake. „Der Dienst kann um 6 Uhr morgens beginnen und ich kann um 14 Uhr frei haben. Aber manchmal arbeite ich auch spät in der Nacht. Neulich rief mich zum Beispiel die Polizei wegen eines Wildunfalls an. Also bin ich nachts losgefahren, um das verletzte Tier zu suchen.“
Vertrauensarbeitszeit
Er schreibt die Stunden nicht auf, es gilt Vertrauensarbeitszeit, alles hängt von den zu erledigenden Aufgaben ab. In einem Radius von 80 Kilometern betreut Winkelhake 2200 Hektar Forsten – den Vareler Wald, den Forst Upjever, den Wittmunder Wald und Flächen in Dunum, Hooksiel und Nethen, sodass er manchmal bis zu 150 Kilometer mit dem Auto fährt und mehr als zehn Kilometer am Tag zu Fuß geht. Langweilig werde ihm nie.
Jan Fiddy Winkelhake, mit Hündin Skinka.
Die Arbeit beginnt. Am Eingang des Upjeverschen Forstes misst der Förster die Breite eines Weges aus, denn das ist die Länge des Durchlasses, der angelegt werden soll, damit das Wasser den Waldweg nicht weiter unterspült. Der Förster nimmt die Daten auf und gibt sie an eine Fachfirma weiter.
Hohe Artenvielfalt
Dann werden gepflanzte Eichen kontrolliert. Es war Winkelhakes Entscheidung, in diesem Waldgebiet Eichen zu pflanzen. Das ist eine seiner Hauptaufgaben als Förster – die Wälder von morgen gestalten und dabei für eine hohe Artenvielfalt zu sorgen. „Wir brauchen Mischwälder, sie trotzen dem Klimawandel und dem Schädlingsbefall besser. Buche, Ahorn, Lärche, Douglasie und andere Bäume haben wir hier schon, Eichen werden sie gut ergänzen.“
Wir treffen eine Gruppe von jungen Leuten. Die Auszubildenden des Forstamtes Neuenburg pflanzen unter der Leitung von Forstwirtschaftsmeister Fynn Ole Lucas junge Bäume. Es geht ihnen flott von der Hand, es sieht leicht und spielerisch aus. Doch einfach ist die Arbeit nicht. Im Wald wimmelt es von Mücken. Nur der Förster scheint den Biestern keine Beachtung zu schenken. Er reißt ein junges Blatt von einer Buche, gibt es mir und fordert mich auf, hineinzubeißen. „Buchenblätter sind um diese Jahreszeit süß, aber Birkenblätter schmecken noch besser“, sagt Winkelhake.
Jan Fiddy Winkelhake (links) im Gespräch mit Forstwirtschaftsmeister Fynn Ole Lucas.
Immer wieder geht er auf die Auszubildenden ein, denn die jungen Leute für die Natur zu begeistern, sieht er als eine seiner wichtigsten Aufgaben an. „Als ich den Beruf des Försters erlernt habe, wurde ich von meinen Mentoren sehr motiviert. Jetzt ist es mir sehr wichtig, meine Liebe zu diesem Beruf weiterzugeben.“
Ab und zu wird seine Erzählung vom durchdringenden Geräusch einer Kettensäge unterbrochen – es ist der Klingelton seines Diensthandys. Winkelhake sucht einen Hügel, um eine bessere Verbindung zu bekommen. „Im Wald ist es manchmal eine Herausforderung, erreichbar zu sein“, sagt er. Er muss dringend Unterlagen abschicken. Nun richtet er sich auf der Motorhaube seines Autos ein mobiles Büro ein: ein spezielles Tablet, das vor Regen und Stößen geschützt ist, zwei Telefone, von denen eines Internet bietet. In 20 Minuten ist alles verschickt und er kann weiterfahren.
Bäume markieren
Dann werden Bäume markiert. Der Förster und der Praktikant ziehen sich Arbeitshandschuhe an und nehmen zwei Dosen Spezialfarbe, die den Bäumen nicht schadet und sich nicht so schnell abwäscht.
Mit der weißen Farbe zeichnen sie Punkte auf die zu erhaltenden Bäume. Die zu fällenden Bäume werden mit einer anderen Farbe markiert.
Winkelhake und Röben gehen ohne Eile weite Wege, betrachten die Kronen, beraten gemeinsam und markieren Stämme. „Länger als drei Stunden geht das nicht. Schließlich geht der Blick ständig nach oben, und nach einer Stunde fängt der Nacken an zu schmerzen. Es wird dann schwierig, sich zu konzentrieren“, berichtet der Förster.
Als Winkelhake nach getaner Arbeit zu seinem Auto zurückkehrt, zieht er mehrere junge Triebe des Japanischen Staudenknöterichs aus dem feuchten Boden. „Sie sind zusammen mit Gartenabfällen von Hobbygärtnern hergebracht worden, sie schaden der heimischen Flora.“
Auch das Kadaver eines Rehs muss beseitigt werden.
Der Förster isst eine Banane und trinkt Kaffee aus der Thermoskanne. Da er keine Mittagspause hat, muss er immer einen Snack dabei haben. Wir fahren zum südlichsten Punkt „seines“ Waldes, um einen Holzstapel zu vermessen, der als Brennholz zum Verkauf angeboten werden soll.
Kadaver entsorgen
Eigentlich sollte jetzt Feierabend sein, aber da ertönt wieder die „Kettensäge“. Der Förster hört konzentriert zu, legt auf. „Leute haben nicht weit von ihrem Haus ein totes Reh gefunden, wir müssen los“. Also machen wir uns wieder auf den Weg und werden am Waldrand von einem besorgten älteren Ehepaar empfangen.
Nach einer kurzen Untersuchung des Kadavers beruhigt der Förster das Paar: Das junge Tier sei nicht an einer Krankheit gestorben. „Es sieht aus, als wäre es von einem Auto angefahren worden. Wir können es einfach begraben. Es ist nicht nötig, das Tier zu entsorgen.“ Die Männer nehmen kurzerhand ihre Schaufeln in die Hand, in zehn Minuten ist die Arbeit getan.
Jetzt ist wirklich Schluss. Aber nur für mich und den Praktikanten. Jan Fiddy Winkelhake fährt noch in sein Büro, um die E-Mails zu beantworten, die er in der Zeit erhalten hat, die er in seinem geliebten Wald war.
