Jeverland - Wohnraum ist auch im Jeverland gesucht, knapp und wird immer teurer. Folge: Die Mieten haben kräftig angezogen. So werden für den Quadratmeter in den Neubauten auf der alten Kramermarktwiese in Schortens inzwischen zwölf Euro verlangt, berichtete Bürgermeister Gerhard Böhling am Donnerstag auf der interkommunalen Immobilienkonferenz. Auf Einladung der Volksbank Jever haben sich die Verwaltungschefs und -chefinnen aus Jever, Schortens, Sande und dem Wangerland mit der Bank über die aktuellen Entwicklungen auf dem lokalen Immobilienmarkt ausgetauscht.
Mehr Mehrfamilienhäuser
Ein Thema dabei: die vielerorts als „Klotzbauten“ gescholtenen Mehrfamilienhäuser. Die hatten sich besonders in Schortens in den vergangenen Jahren für etliche Alteingesessene zum Ärgernis entwickelt, weil viele dieser Bauten in älteren Siedlungen mit klassischen Einfamilienhäusern errichtet wurden. Inzwischen hat die Politik in Schortens, aber auch in den Nachbarkommunen dafür gesorgt, dass solche Objekte nur dort entstehen können, wo sie städtebaulich hinpassen und gewollt sind: also vor allem entlang der Hauptverkehrswege oder in neuen Baugebieten mit moderner Architektur.
Dass die Städte und Gemeinden durchaus noch viel mehr solcher Bauten benötigen, darin waren sich Böhling und seine Amtskollegen Mario Szlezak (Wangerland), Jan Edo Albers (Jever) und Fachbereichsleiterin Nadine Stamer (Sande) grundsätzlich einig. Volksbank-Chef Michael Engelbrecht bezeichnete den Begriff „Klotzbauten“ als despektierlich. Der Begriff komme meist von denen, die schon gut wohnen. Um aber steigenden Mieten entgegenzuwirken, helfe nur das Bauen vieler neuer Wohnungen. Engelbrecht appellierte an die Kommunen, auch die Ausweisung neuer Baugebiete nicht gänzlich abzuwürgen. All das wirke dämpfend auf die Miete. Im Mietpreisiniveau sei das Jeverland schon „ziemlich weit oben angekommen.“
Übertreibungen verschwunden
Beim Blick auf die Immobilienpreise habe sich der Markt wieder beruhigt, diagnostizierte Engelbrecht. Die Übertreibungen der letzten paar Jahre seien weitgehend verschwunden, die Preise fürs Bauen wie auch für den Hauskauf blieben zwar hoch, aber die teils aufgerufenen Mondpreise bleiben unrealistische Wunschpreise. Die Auswertungen der schließlich beurkundeten Verkaufspreise zeigten ein Preisniveau wie vor Ausbruch des Ukraine-Krieges. Wer daher glaube, nach der Hochpreisphase nun wieder Immobilienschnäppchen machen zu können, der irre aber. Es gebe nur wenig Verkaufsdruck im Bestand. Vor allem auswärtige Käufer aus Nordrhein-Westfalen, die hier in der Vergangenheit viele Urlaube genossen haben, sei der Altersruhesitz an der Küste viel wert.
Wie alt ist die Heizung?
Die Volksbank Jever bezeichnet sich nach wie vor als „größter Immobilienmakler“ der Region. Zwar hätten im vergangenen Jahr weniger Häuser die Eigentümer gewechselt als im Jahr zuvor, das aber sei recht gut kompensiert worden durch gestiegene Preise, sagte Holger Eden, Leiter der Volksbank Immobilien GmbH. Und galt lange Zeit die Lage als wichtigstes Kriterium für den Immobilienerwerb, so rücken durch das Gebäudeenergiegesetz heute andere Kriterien in den Mittelpunkt: Wie alt ist die Heizung, wie siehts mit der Dämmung aus, lässt sich eine Solaranlage aufs Dach installieren? Auch diese Fragen hätten aus dem bisherigen Verkäufermarkt nun einen Käufermarkt gemacht.
Engelbrecht hält das Ziel, das mit dem Gebäudeenergiegesetz verfolgt wird, für richtig und wichtig. Die Kommunikation und das Tempo, mit dem das alles umgesetzt werden soll, sei desolat und führe aktuell zu einer großen Verunsicherung. Und zu einer ungewollten Sonderkonjunktur für die Erdgasheizung.
