Jever - Anke Casper ist noch immer fassungslos. Sie liebt ihre „Lange Meile“ in Jevers Innenstadt. Doch genau diese sieht sie nun gefährdet. Der Grund dafür: Der erneut aufgeworfene Vorschlag zur Umgestaltung der Großen Wasserpfortstraße und der Großen Burgstraße.
Im Rahmen des Innenstadtkonzepts, dass derzeit von einem Planungsbüro erstellt wird, um Jevers Innenstadt attraktiver zu machen, wurde der Vorschlag laut, die „Lange Meile“ teilweise als Einbahnstraße wieder für Autos zu öffnen.
Außerdem könnten die Geschäfte umgesiedelt werden, in den „belebteren Teil der Fußgängerzone“, östlich des Hauses der Getreuen. Visionen, die bei Anke Casper für Entsetzen sorgen.
„Wie Familie“
Schon seit Jahren gibt es eine ganz besondere Verbindung zwischen den Geschäftsinhabern der „Langen Meile“, erzählt Anke Casper, die gemeinsam mit ihrem Mann im Jahr 2007 das ehemalige Geschäft Uhren Andrae in der Großen Burgstraße übernahm und zum Café Maria umbaute.
Das Café hat das Ehepaar mittlerweile wieder verkauft – doch der „Langen Meile“ fühlt sich Anke Casper nach wie vor eng verbunden. Auch, weil viele Geschäfte bereits seit Jahrzehnten ansässig sind. Dazu gehören zum Beispiel die Apotheke (69 Jahre), die Reinigung (50 Jahre), die Schülerhilfe (34 Jahre) oder das Reformhaus (25 Jahre). Man helfe sich untereinander, hier bleibe niemand anonym. „Wir kennen uns hier und sind wie eine Familie“, stellt die Alt-Jeveranerin klar.
So habe man gemeinsam unter anderem die Weihnachtsbeleuchtung viele Jahre eigenständig organisiert und auf 40 Girlanden mit 40 000 LED-Lichtern umgestellt. Und das nicht nur in der Großen Wasserpfortstraße und der Großen Burgstraße. Auch Geschäftsinhaber aus der Lindenbaumstraße, der Steinstraße und der Superintendentenstraße beteiligten sich.
Doch genau dieses Miteinander droht in Anke Caspers Augen nun zu zerbrechen. „Meine Befürchtung war immer, dass der Kirchplatz für den Autoverkehr geschlossen und die ,Lange Meile’ dafür geöffnet wird. Und dieser Vorschlag wurde nun gemacht“, bedauert sie.
In Anke Caspers Augen sei das ein herber Rückschlag für die Attraktivität der Stadt. „Hier ist so viel Leben und es steckt so viel Herzblut in der ,Langen Meile’. Das können wir uns doch nicht kaputt machen lassen“, sagt sie mit Nachdruck. Außerdem gehe durch die Öffnung für den Autoverkehr die Barrierefreiheit der Straßen verloren. „Die Leute, Kinder, und Menschen mit Mobilitätsschwierigkeiten sollen sich hier ohne Angst bewegen können.“
Getrennte Innenstadt
So prophezeite vor 22 Jahren die damalige Bürgermeisterin Margot Lorentzen: „Die trennende Wirkung der alten Bundesstraße mitten durch die Stadt ist nun endlich vorbei“.
Die Zusammenführung
Der Versuch einer Zusammenführung, unter anderem auch durch die rote Bemalung der Fahrbahn auf Höhe der Ampelanlage, habe laut Anke Casper jedoch nicht den gewünschten Effekt erzielt. „Meiner Meinung nach die einzige Möglichkeit wäre heute: Die Straße in dem Bereich vom Haus der Getreuen bis zur OLB für den fließenden Verkehr zu sperren“, erklärt die Jeveranerin.
„Ich wünsche mir, dass die ,Lange Meile’ hier so bleibt und dass sich noch ein paar handwerkliche Betriebe und ein Stehcafé ansiedeln. Das wäre schön. Hier ist das Herz der Stadt“, sagt Anke Casper.
