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Source IT Jever stellt Insolvenzantrag Europaweit erfolgreich – aber trotzdem in Schwierigkeiten

Die  Agando-Zentrale in Jever der Source IT Distribution GmbH kurz nach dem Einzug des Unternehmens 2017.

Die Agando-Zentrale in Jever der Source IT Distribution GmbH kurz nach dem Einzug des Unternehmens 2017.

Christoph Hinz

Jever - Ein echtes Vorzeigeunternehmen für Jever und Friesland ist die Source IT Distribution GmbH mit der Marke Agando: Europaweit ist der PC-Anbieter erfolgreich. Das hat Geschäftsführer Jörg Fessel aber nicht vor der gegenwärtigen Schräglage der Firma schützen können. Am vergangenen Donnerstag hat Fessel beim Amtsgericht Wilhelmshaven einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt, ein Schock für Inhaber und Mitarbeiter. Von der Insolvenz ist auch die Tochtergesellschaft Morius IT Vertriebs GmbH betroffen, wie Rechtsanwalt Michael Waculik aus Jever in einer Pressemitteilung ausführt. Waculik ist vom Amtsgericht zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden.

Zurzeit mehr als 80 Mitarbeiter

Die Source IT Distribution GmbH erstellt und vertreibt seit mehr als 20 Jahren PC-Systeme, Notebooks und Server über den eigenen online-Shop und über Marktplätze wie Amazon. Vertrieben wird insbesondere die Marke Agando. Die Unternehmensgruppe beschäftigt in Jever insgesamt mehr als 80 Mitarbeiter. Die Source-Gruppe verfügt in dem Gebäude des ehemaligen Möbelhauses Opti/van Mark an der Mühlenstraße/Sillensteder Straße über ein hochmodernes Logistikzentrum mit einem Warenbestand von mehreren Hunderttausend Hardware-Komponenten. In den Umbau und die Erweiterung des ehemaligen Möbelhaus am Stadteingang, das zwischenzeitlich auch schon als Flüchtlingsunterkunft gedient hat, musste das Unternehmen kräftig investieren, bevor es 2017 von der Georg-von-der-Vring-Straße umziehen konnte.

Vom Krieg in der Ukraine gebeutelt

Nach einer starken Wachstumsphase während der Corona-Pandemie, so berichtet Waculik, in der die Source-Gruppe einen Umsatz von mehr als 50 Millionen Euro erzielt habe, sei es mit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine zu einem deutlichen Umsatzrückgang gekommen. In der Pressemitteilung heißt es weiter: „Seit Sommer dieses Jahres profitiert das Unternehmen jedoch wieder von einer Erholung des Marktes mit ständig wachsenden Umsatzzahlen. Insbesondere das Vorweihnachtsgeschäft ist bisher sehr erfolgreich verlaufen.“ Umso enttäuschender sei es, dass Geschäftsführer Jörg Fessel verpflichtet gewesen sei, Insolvenzanträge zu stellen.

Dies sei nötig geworden, nachdem die Zentralstelle für private Überspielungsrechte (ZPÜ) aus München Urheberrechtsabgaben in Millionenhöhe für vergangene Jahre von Source und Morius eingefordert hätte, die „aus dem vorhandenen Firmenvermögen nicht ohne Weiteres geleistet werden können“. „Die ZPÜ muss man sich wie die Gema vorstellen, nur eben für den Computerbereich“, erläuterte Michael Waculik im Gespräch mit der Redaktion. Von solchen Urheberrechts-Abgabeforderungen ist laut Waculik zurzeit die ganze Computerbranche „existenzbedrohend“ betroffen.

Intensive Verhandlungen vergeblich

Nachdem nun ein für alle Beteiligten richtungweisendes Gerichtsurteil die Morius IT Vertriebs GmbH zur Zahlung solcher Abgaben verpflichtet habe, sei die Source-Unternehmensgruppe zur Bildung von Rückstellungen in Millionenhöhe verpflichtet gewesen. Geschäftsführer Jörg Fessel und die beteiligten Anwaltskanzleien haben demnach intensive Vergleichsverhandlungen mit der ZPÜ geführt, die aber gescheitert seien. So habe sich Geschäftsführer Fessel genötigt gesehen, die Insolvenzanträge zu stellen.


Für die Eheleute Jörg und Heike Fessel, die das Unternehmen in mehr als 20 Jahren aufgebaut und international bekannt gemacht haben, sind die Insolvenzverfahren laut Insolvenzverwalter Waculik ein Schock in einer Zeit, in der sich die wirtschaftlichen Aussichten für die IT-Branche deutlich verbesserten. Dies gelte auch für die Beschäftigten des Unternehmens. Ihnen hat Waculik in einer Betriebsversammlung am Freitag mitgeteilt, dass er beabsichtige, die Insolvenzgeldansprüche während des vorläufigen Insolvenzverfahrens vorzufinanzieren, damit der Betrieb aufrechterhalten werden könne.

Geschäftsbetrieb soll weiterlaufen

Um einen geordneten Geschäftsbetrieb während des vorläufigen Insolvenzverfahrens zu gewährleisten, hat Michael Waculik zunächst eine Inventarisierung des gesamten Warenbestandes veranlasst. Dies erfordere eine kurzfristige Unterbrechung der Vertriebsaktivitäten. Parallel verhandle Waculik gemeinsam mit der Geschäftsführung mit allen beteiligten Lieferanten „über die Modalitäten der Wiederaufnahme der Herstellungsprozesse und des Vertriebes“.

Rechtsanwalt Waculik betont, es gehe primär darum, das Unternehmen zu erhalten und alle denkbaren Sanierungschancen gegebenenfalls über einen Insolvenzplan auszuloten. Das werde einige Zeit erfordern, weshalb man alle Kunden um etwas Geduld bitte.

Christoph Hinz
Christoph Hinz Lokalredaktion, Jeversches Wochenblatt
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