Jaderberg/Varel - Bei den Schwestern Nina und Mia Nötzig dreht sich alles um den Sport. Die 16-jährige Nina geht in die elfte Klasse des Jade-Gymnasiums und reitet. Die elfjährige Mia besucht die fünfte Klasse derselben Schule und spielt Tennis. Sie wohnen seit geraumer Zeit ganz in der Nähe von Jaderberg auf dem von den Eltern sanierten Resthof „Heideblume“.
Dort findet Nina beste Trainingsmöglichkeiten vor. Neben mehreren geräumigen Paddockboxen steht ihr auch ein 60er-Viereck zur Verfügung. Aufgrund der guten Bodenverhältnisse kann der Platz eigentlich bei jedem Wetter genutzt werden.
Nina fand als Zehnjährige den Weg zum Reitsport. Davor hatte die vierköpfige Familie sechs Jahre lang in Japan gelebt. ,,Dort gab es für Nina einfach keine Möglichkeit, mit dem Reiten anzufangen“, sagt ihre Mutter Jeannine. Erst in Frankfurt am Main sammelte Nina ihre ersten Erfahrungen auf Schulpferden. Aber sie wechselte recht schnell in den Sattel von Honeymoon – der Stute, die ihre Großmutter ihr zur Verfügung stellte. Mit ihrem ersten eigenen Pony Champy bestritt die Nachwuchsreiterin dann 2017 ihre ersten Dressur- und Springprüfungen der Klasse E.
Neuer Partner
Weil Nina ambitioniert ist und Champys Möglichkeiten begrenzt waren, sah sich Familie Nötzig nach einem neuen Sportpartner um. Und dieser war mit dem Ponywallach Real Nice Boy auch schnell gefunden. Der Braunfalbe von Stukhuster Ricardo go for Gold war zuvor schon das beste italienische Pony der Europameisterschaft. Für Champy fand die Familie unterdessen ein schönes neues Zuhause.
Mit dem erfahrenen Schleifensammler Real Nice Boy und dem Training mit der bekannten Bremer Dressurreiterin Heike Kind ging es für die junge Amazone aufwärts. Schon Ende 2018 konnten Nina und Real Nice Boy mit einem fünften Platz in ihrer ersten L-Dressur glänzen und belegten den zweiten Platz im Finale des OLB-Cups in Vechta. Es folgten FEI-Platzierungen und der Sieg in der Bremer Pony-Trophy auf dem Schimmelhof im vergangenen Jahr.
Die dritte Wertungsprüfung der Pony-Trophy war die erste FEI-Platzierung für das Paar – und das gleich mit mehr als 70 Prozent. Mittlerweile wird Real Nice Boy von einer Freundin erfolgreich geritten und voraussichtlich Ende des Jahres zur Familie Nötzig zurückkehren.
Für Nina kam der Umstieg aufs Pferd Fürst Fenor vor einem Jahr. Das Paar wächst zusammen und bildet eine gute Einheit. Während der ersten Turniersaison im Jahr 2019 gingen die beiden schon in der Klasse M an den Start. Fünf Starts brachten vier Platzierungen auf den ersten drei Plätzen. Die Krönung war ein Sieg in einer M**-Prüfung. Es war die erste Prüfung, die Nina und Fürst Fenor bestritten haben. Trainerin Heike Kind erläutert: „Nina ist sehr fokussiert auf ihre Ziele, immer fleißig bei der Sache und immer pünktlich beim Unterricht. Manchmal ist sie auch etwas zu ehrgeizig.“
Die Erfolge kommen nicht von ungefähr: Neben den Einheiten auf dem eigenen Hof stehen Touren nach Bremen-Niedervieland zum Training bei Heike Kind an. lm Winter wird ein- bis zweimal pro Woche trainiert, in den warmen Monaten sogar drei- bis viermal pro Woche.
Mit dem Schimmelwallach Caruso geht Nina seit drei Jahren in Springprüfungen der Klasse L an den Start. Wenn es die Entwicklungen der Coronakrise zulassen, will sie in diesem Jahr auch in der Klasse M an den Start gehen.
Auch Vielseitigkeit
Darüber hinaus bestreiten die beiden auch Vielseitigkeitsturniere – und zwar so erfolgreich, dass Nina und Caruso 2019 dem Vielseitigkeitskader des Oldenburger Reiterverbandes angehörten. Aber Nina betont, dass das Springen und die Vielseitigkeit eher an zweiter Stelle kommen. „Da schaue ich einfach und freue mich über die Teilnahme und über Erfolge.“ Das Springreiten trainiert sie dabei mit Thorsten Pander aus Bad Zwischenahn. In der Vielseitigkeit wird sie von Johanna Wetjen aus Rastede angeleitet.
In der Dressur hat sie derweil den Sprung in den Bremer Juniorenkader geschafft. Sie gibt zu, dass sie in dieser Disziplin ihre Ziele ehrgeizig verfolge und ihren Einsatz nach oben schraube. ,,Fürst Fenor und ich müssen noch an der Feinabstimmung arbeiten“, sagt sie. Doch die ersten Schritte sind gemacht. ,,Er brauchte etwas Zeit, um sich auf mich als seine neue Reiterin einzustellen. Er ist ein Pferd, das eine feste Bezugsperson benötigt“, erklärt sie. Deshalb wird er auch ausschließlich von ihr geritten.
Nina schaut optimistisch in die Zukunft: „Die Teilnahme an Deutschen Meisterschaften wäre natürlich ein Traum, aber ich lasse das alles einfach auf mich zukommen. Schon im vergangenen Jahr wurden fast alle meine Träume übererfüllt.“ So wurde Nina zu einem Sichtungslehrgang bei Bundestrainer Hans-Heinrich Meyer zu Strohen nach Verden eingeladen. Voraussetzung war eine Nominierung durch den Landesverband Bremen. Die Teilnahme gilt in Reiterkreisen als erster Schritt zum „Preis der Besten“.
Indes konnte aufgrund der Corona-Pandemie dieser Lehrgang nicht stattfinden. Auch die weiteren Turniere und Sichtungen wurden abgesagt. Trotzdem stellt Nina klar: ,,Reiten ist mein Leben“.
Schnell erfolgreich
Ihre jüngere Schwester Mia ist ebenfalls sehr sportbegeistert. Die talentierte Tennisspielerin begann als Neunjährige beim TV Varel und war auch schnell erfolgreich. Während eines Tenniscamps im Sommer 2018 der Tennisschule Oliver Brandt hat sie erstmals einen Schläger in die Hand genommen. Da war für sie klar: „Das ist mein Sport.“
Brandt erkannte ihr Talent und fördert sie seitdem gezielt auf den Anlagen des TV Varel. Dabei trainiert Mia fleißig und hart. Inzwischen spielt sie auch für den Nindorfer TC. Außerdem hat die Elfjährige den Sprung in den Kader der Altersklasse U 11 des Landes Bremen geschafft. Großen Anteil an ihrer Leistungssteigerung haben Coach Oliver Mutert sowie das intensives Training mit gleichaltrigen Spielerinnen auf hohem Niveau.
Im vergangenen Jahr hat Mia etliche Turniere gespielt. Sie wurde unter anderem Jugend-Regionsmeisterin in den Tennisregionen Bremen und Jade-Weser-Hunte. Zudem zog sie ins Halbfinale der Landesmeisterschaften ein. Zu Beginn dieses Jahres knüpfte sie an diese Erfolge in der Halle nahtlos an. „Da habe ich mehr als zehn Matches gewonnen“, freut sie sich.
Deutsche Rangliste
Diese Anzahl von Siegen ist die Voraussetzung für den Sprung in die Deutsche Rangliste (DRL). In der Altersklasse U 12 wird sie dabei trotz ihrer erst elf Jahre auf Rang 152 geführt. Im inoffiziellen U-11-Ranking belegt sie den 28. Platz und unter den gleichaltrigen Talenten aus Niedersachsen und Bremen gar die Position vier.
Mia erhielt auch eine Einladung zu einem Lehrgang in der Landesausbildungslehrstätte in Bad Salzdetfurth im Sommer. Dort sollte es eigentlich um Nominierung zum Talentcup gehen.
Ebenso wie Nina hält sich auch Mia während der Woche an einen straffen Terminplan: Zweimal fährt sie nach Varel, zweimal nach Bremen. „Am liebsten stehe ich den ganzen Tag auf dem Platz“, sagt sie.
Deshalb müssen sich auch ihre Verwandten gut organisieren: Mutter Jeannine kümmert sich vor allem um den Reitsport. Opa Karl Heinz fährt mit Mia zum Tennis-Training und zu den Turnieren, die zum Teil mehr als 200 Kilometer von der Heimat entfernt ausgespielt werden.
