Jever - Die Bibliothek des Mariengymnasiums hat einen Riesen-Bestand an historischen Kostbarkeiten. Unter dem Motto „ein Kosmos für sich“ lädt das Bibliotheks-Team an zwei Sonntagen, 14. und 21. November, von 14 bis 17 Uhr zum Erkunden ein. Der Eintritt ist frei, es gilt die 2G-Regel.
Gegründet 1573 als Lateinschule, reicht der Buchbestand der Bibliothek bis in die Zeit der Inkunabeln zurück – das älteste Werk ist von 1491 – und zählt zu den Kulturschätzen Nordwestdeutschlands, berichtet Hartmut Peters vom Förderverein der Bibliothek.
Titelkupfer des Jeverschen Gesangbuchs von 1699 mit dem Panorama der Stadt
Jens Zander/Hartmut Peters
Remmer von Seedieck war der Kanzler von Maria von Jever. Seine Bibliothek ist am Mariengymnasium erhalten. Dieser Band von 1556 weist den goldenen Namensstempel „Romero Vann Schedick“ und eine Darstellung des Sündenfalls auf.
Jens Zander/Hartmut Peters
Eine „Biblia integra“, gedruckt 1491 bei Froben in Basel
Jens Zander/Hartmut Peters
Bei Restaurierungen wurden häufig eingebundene Makulaturfragmente von überflüssig gewordenen Handschriften sichtbar. In einem Band mit Schriften des Erasmus von Rotterdam von 1520 fand sich dieser „Smiley des Mittelalters“ eines Schreibers oder Lesers.
Jens Zander/Hartmut Peters
Die Schedelsche Weltchronik von 1493 schildert im „Siebten Weltalter“ die Apokalypse. Die Darstellung der Wiederauferstehung der Toten stammt von Michael Wolgemut, dem Lehrmeister Albrecht Dürers.
Jens Zander/Hartmut Peters
Die Schedelsche Weltchronik von 1493
Jens Zander/Hartmut Peters
Darstellung des Anfangs der Genesis in der Lübecker Bibel von 1494. Der dem „B-Meister“ zugeschriebene, kolorierte Holzschnitt bleibt weitgehend den darstellerischen Mustern des Mittelalters verhaftet.
Jens Zander/Hartmut Peters
Der Universalgelehrte Athanasius Kircher beschreibt in seinem Werk „Arca Noe“ von 1675 die Welt vor der Sintflut. Für Kircher waren Seehund und Meerjungfrau reale Wesen, die er bei der Rekonstruktion der Rettungstat Noahs berücksichtigte.
Jens Zander/Hartmut Peters
Lot mit seinen Töchtern und die Zerstörung von Sodom (Genesis 19, 15-20). Der kolorierte Holzschnitt aus der LübeckerBibel von 1494 wird dem „A-Meister“ zugeschrieben und gilt mit als frühestes Zeugnis der Zentralperspektive der Renaissance in Deutschland.
Jens Zander/Hartmut PetersNeben dem wertvollen Altbestand umfasst die Bibliothek rund 20000 Titel aus dem 20. Jahrhundert und der Gegenwart. „Sie bietet damit einzigartige Einblicke in die sich wandelnden Interessen der gesellschaftlichen Schichten und staatlichen Obrigkeiten von der Renaissance bis in die Jetzt-Zeit und die Kulturgeschichte unserer Region“, so Peters.
Vor einem Jahr hatte der Förderverein den Band „Die Bibliothek des Mariengymnasiums Jever – ein Kosmos für sich“ herausgebracht. 374 Seiten und 280 Abbildungen geben einen Einblick in diese ganz eigene Welt aus Papier, Pergament und Druckerschwärze. Von der Schedelschen Weltchronik (1493) über Flugschriften der Luther-Zeit, Buntpapiere des Barock, die Pest in Danzig von 1709, ein rassistisches Kinderbuch der SS bis zu einem Werk des jeverschen Lyrikers Oswald Andrae (1977) reicht das Themenspektrum. Ein gutes Dutzend Autorinnen und Autoren waren an der Veröffentlichung beteiligt.
Nun gehen Bibliothek, Förderverein und Autoren einen Schritt weiter und wollen ihre Freude, mit zum Teil weltberühmten Originalen zu arbeiten, allen Bücherfreunden vermitteln. Die Ausstellung zeigt die porträtierten Werke des Buchs. Auch Autoren werden anwesend sein und kommen gern mit Interessierten ins Gespräch.
