Jever - Die große Weltpolitik mit ihren Mega-Krisen macht auch vor dem kleinen Jever nicht halt. „Wir werden von Jever aus nicht die Welt retten oder Putin in die Knie zwingen“, sagte Bürgermeister Jan Edo Albers. Aber gleichwohl müssen sich Politik und Verwaltung natürlich diesen Herausforderungen stellen und irgendwie noch weiteren Wohnraum für Flüchtlinge vor allem aus der Ukraine organisieren, auf die Energiekrise und explodierenden Preise für Strom und Gas und auch auf die immer noch nicht auskurierte Corona-Krise mit vermutlich bald wieder strengeren Auflagen reagieren. Ein gutes halbes Jahr nach Beginn seiner zweiten Amtszeit hat auch Jan Edo Albers feststellen müssen, dass die Welt eine andere geworden ist als in der Hochphase des Kommunalwahlkampfes im vergangenen Herbst. Zudem gibt’s in der Stadt noch viele eigene Baustellen und Probleme: angefangen von größeren Sanierungsvorhaben bis hin zu Personal-Engpässen und dem (bevorstehenden) Ruhestand mehrerer langjähriger Führungskräfte in der Stadtverwaltung.
Flüchtlingskrise
In der Frage der Flüchlingsunterkünfte steht Jever vor den gleichen Problemen wie alle Kommunen landauf, landab. „Es sind kaum noch Wohnungen zu bekommen, wir segeln da hart am Wind“, sagte Albers. Laut aktuellem Verteilungsschlüssel muss Jever noch 168 Personen aufnehmen. 98 seien bereits hier und versorgt, aber für die weiteren 70 Personen, die vielleicht noch in diesem oder aber in den nächsten Monaten kommen, muss dringend Wohnraum her. Auf Turnhallen wolle man keinesfalls zurückgreifen, sagte Albers. Mit dem Landkreis arbeite man an einer Container-Lösung. „Aber auch die muss man ja erstmal bekommen“, so Albers. Unklar sei zudem, wo die Container dann aufgestellt werden könnten.
Energiekrise
Mit Blick auf die Energiekrise sind Albers Sorgenfalten (noch) nicht allzu groß: Die Stadt Jever hat keinen Mega-Energieverbraucher wie etwa ein Hallenbad oder große Veranstaltungshallen; der größte „Energiefresser“ in öffentlicher Hand sei tatsächlich das Gebäude des Baubetriebshofes im Gewerbegebiet, denn das sei nur unzureichend isoliert. Doch das bekomme man mit ein paar Modernisierungsmaßnahmen schnell in den Griff. Ansonsten könne Jever nur kleine Beiträge leisten, räumte Albers ein. Die Raumtemperaturen in den öffentlichen Gebäuden absenken, zum Beispiel. Dann sitzt man eben nicht mehr in der kalten Jahreszeit im angenehm beheizten Büro im dünnen Hemd am Schreibtisch, sondern zieht sich den wärmeren Pullover an. Ansonsten gebe es wenig weitere Stellschrauben. Eine werde sein, die Straßenbeleuchtung in Jever statt um 1 Uhr nachts bereits um 24 Uhr abzuschalten. Und während in anderen Kommunen schon darüber nachgedacht wird, sogar auf die Weihnachtsbeleuchtung zu verzichten oder nur noch einen zentralen Platz entsprechend zu beleuchten, will Albers daran nicht denken: „Der Effekt ist gering, aber der Schaden wäre enorm. Dann wäre alles nur noch trist.“
Personalwechsel
Durch die Corona-Krise und Covid-Erkrankungen habe es auch im Rathaus immer wieder Personalausfälle gegeben. „Da geht die Arbeit aktuell nicht so flüssig von der Hand“, räumte Albers ein. Hinzu kamen und kommen Wechsel, weil gleich mehrere Führungskräfte in den Ruhestand gegangen sind oder kurz davor stehen. Nachdem André Heeren (Fachbereich Soziales) verabschiedet wurde, ist nun Hans-Wilhelm Schaus (Fachbereich Bauen) auf dem Absprung. „Und neue Bauingenieure für die Verwaltung zu finden, ist nicht einfach“, sagt Albers. Im nächsten Jahr verlassen mit Mike Müller als Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters und „zweiter Mann im Rathaus“ sowie mit Finanzchef Dietmar Rüstmann zwei weitere Führungskräfte die Stadtverwaltung. Längst werden die Fühler nach möglichen Nachfolgern ausgestreckt.
Auch räumlich will und muss sich die Verwaltung vergrößern. Albers berichtete, dass die Stadt den benachbarten ehemaligen Friseursalon in der Flamenstraat für zunächst fünf Jahre angemietet hat und einen Durchbruch zum angrenzenden Rathaus herstellt. Ab November sollen dort fünf bis sechs Büroarbeitsplätze für die Stadt eingerichtet werden.
