Jever - Für Arno Meents, Hotelier in Horumersiel, schließen sich Kreise: „Als kleiner Junge habe ich vor dem Haus gestanden und gestaunt: Ich fand es wunderschön.“ Später als junger Mann machte er dann im Parkhotel in Bremen seine Ausbildung. Nun gehört ihm das Traumhaus seiner Kindheit – und es wird zurzeit zum Parkhotel aus- und umgebaut.
Erbaut 1885
Meents’ Traumhaus: das „Daunsche Anwesen“ auf dem Grundstück Mühlenstraße/Mühlenweg in Jever, das Architekt Theodor Eilers 1885 baute. 2018 haben Arno Meents und seine Frau Silke es gekauft und lassen es nun von der jeverschen Architektin Jasmin Eilers (Plan e Architektur & Energien) zum „Parkhotel Jever“ umbauen und erweitern: Dort soll im Spätsommer ein Vier-Sterne-Hotel garni eröffnen. „Wir sind knapp ein halbes Jahr in Verzug – wegen Corona und wegen der langwierigen Behörden-Vorgänge“, sagt Meents.
Das repräsentative Gebäude an der Ecke Mühlenstraße/Mühlenweg mit seinem Baumbestand ist bekannt als „Daunsches Anwesen“; der jeversche Architekt Theodor Eilers baute die Villa 1885. Die Stallungen mit der langgestreckten Scheune wurden in den 1950er Jahren nach Aufgabe der Landwirtschaft für einen Garagenbau abgerissen und die Nutzflächen verkauft.
Heimatkundler Wilke Krüger hat in der Schlossbibliothek herausgefunden, dass die jeverschen Dauns ursprünglich auf dem ,Grashaus‘ wohnten. Am 16. Oktober 1875 kaufte Jacob Claaßen Daun, vorher auf Horster Grashaus, den Ortgies/Harms-Erben das Anwesen ab.
1921 wurde Sohn Ernst Ulfers Daun Besitzer des stattlichen Hofs, heute Köhlers Grashaus. Architekt Theodor Eilers hat das jetzige Anwesen 1895 ursprünglich für den Mühlenbesitzer Georg Heinrich Frerichs erbaut. Der verkaufte es an H. Joh. A. Hayungs, danach erwarben es 1905 die Dauns.
Die Familie Daun gehörte zu den erfolgreichen Oldenburger Pferdezüchtern, daran erinnert ein Wandrelief rechts neben dem Eingang. Stammhalter Diedrich Daun (Diedel) wurde nicht Landwirt, sondern Kraftfahrer. Die Landwirtschaft wurde aufgegeben, verschiedene Dienstleister arbeiteten danach im Gebäude. Die Witwe von Diedrich Daun, Ursula Daun, verkaufte Familie Meents 2018 das Anwesen.
Das im Stil einer Villa gehaltene Wohngebäude bleibt erhalten und wird so zum Blickfang der neuen Hotelanlage von der Mühlenstraße aus: Für den Hotelneubau wurden die Garagen, die auf dem einstigen Grundstück für Wirtschaftsgebäude standen, abgerissen. Dort wächst nun der dreigeschossige Anbau in die Höhe – mit dem Altbau wird er über eine Glasfront samt Treppenaufgang und Fahrstuhl verbunden.
Das neue „Parkhotel Jever“ wird 23 moderne Zimmer mit Balkon oder Terrasse haben und eine Hotelbar mit der Theke aus dem früheren Sander Bürgerhaus. Tradition und Moderne nebeneinander: So planen Silke und Arno Meents mit Architektin Jasmin Eilers. Originalelemente wie die Terrazzoböden, Stuckdecken, Vollholztüren, die alten Fliesen und Holzfenster werden aufgearbeitet und bleiben erhalten. Jasmin Eilers setzt zudem auf biologische und umweltschonenden Baustoffe: In den Zimmern arbeitet sie mit Lehmputz, hinzu kommt viel Holz.
Vorliebe für Historisches
Die Vorliebe für historische Gebäude ist für den ehemaligen Horumersieler Hotelier aus dem „Alten Zollhaus“ der Grund für seinen Neustart mit 66 Jahren in seiner Geburtsstadt. Architektin Jasmin Eilers will aus dem Anwesen eine Wohlfühloase zaubern als Treffpunkt für Reisende und Kulturinteressierte. In der historischen Kulisse sind Silke und Arno Meents mit ihrer Wohnung im Obergeschoss der Daunschen Villa nahe am Gast.
In Zusammenarbeit mit dem Denkmalsschutz wird auch der Park vor der Villa gestaltet. Dazu wurde bereits ein Wall an der Mühlenstraße aufgesetzt – als Begrenzung und zum Lärmschutz. Eine Bepflanzung mit Buschrosen folgt und einige Findlinge komplettieren die Abgrenzung. Unter dem charakteristischen über 100-jährigen Blutbuchenbestand sind Liege- und Sitzplätze, Konzertmuschel sowie eine Frühstücksterrasse mit Sitznischen geplant.
Mit dem stilvollen und repräsentativen Hotelbau erhalten Silke und Arno Meents ein Stück jeversche Architekturgeschichte und erfüllen sich ihren Hoteltraum in Jever. Sie wollen mit dem Erhalt der Villa auch dem Erbauer des Hauses, dem jeverschen Architekten Theodor Eilers, ein Denkmal setzen. Er prägte das Bild der Stadt und des Jeverlands von 1888 bis 1943 mit 450 Bauten – so stammen die Gebäude Mühlenstraße 8, 19, 61, 65, 67 und 69 alle von Theodor Eilers. Einige davon werden mit alten Fotos und Zeichnungen an den Wänden des neuen Parkhotels dokumentiert.
