Jever - „Und kost’ Benzin auch drei Mark zehn, scheißegal, es wird schon geh’n, ich will fahr’n, ich will fahr’n, ich geb’ Gas , ich will Spaß!“
Was Neue-Deutsche-Welle-Sänger Markus 1982 gut gelaunt als ferne Spritpreis-Utopie ins Mikro trällerte, ist von der Realität längst überholt: Benzin und Diesel sind so teuer wie seit 2012 nicht mehr. Der Liter Super kostete an einzelnen Tankstellen im Jeverland 1,85 Euro am Montagmorgen, der Preis für Diesel lag bei 1,55 Euro. „Voll ätzend“, schimpft ein junger Mann, der gerade bei Score in Jever seinen Golf Diesel betankt und sich über den High Score ärgert. „Ich pendele jeden Tag beruflich nach Oldenburg, da kommt richtig was zusammen auf dem Tacho. Das geht richtig ins Geld. Aber ich kann nichts dagegen tun - ich bin beruflich auf das Auto angewiesen.“ Vielleicht sollte er doch mal über einen Hybrid nachdenken, sinniert der junge Mann. Aber für ein neues Auto reiche das Geld noch viel weniger als für teuren Sprit.
Im Schnitt kostet der Liter Diesel aktuell 1,55 Euro. Auch Benzin wird immer teurer: Ein Liter kostete am Montag durchschnittlich 1,72 Euro. Ähnliche Preise wurden zuletzt im Sommer 2012 verlangt.
Größter Preistreiber ist der Ölpreis. Der hat nach dem Corona-Einbruch im vergangenen Jahr wieder deutlich zugelegt. Außerdem steigt jetzt die Nachfrage nach Heizöl, was den Preiseffekt beim Diesel zusätzlich verstärkt. Auch der Anfang des Jahres gestiegene CO2-Preis sorgt für Aufschläge von bis zu zehn Cent pro Liter. Abgaben und Steuern machen einen Großteil aus, beim Diesel sind das aktuell rund 80 Cent: 25 Cent entfallen dabei auf die Mehrwertsteuer, 47 Cent auf die Mineralölsteuer und acht Cent auf den CO2-Zuschlag.
Sparpotenziale gibt es vor allem für Berufspendler und alle, die aufs Auto angewiesen sind. Unfug ist es, für ein oder zwei Cent Ersparnis größere Umwege zu anderen Tankstellen abseits der Routen anzusteuern, die man ohnehin fährt. Tatsächlich soll Tanken abends vielerorts günstiger sein, als am Morgen. Tipp: Öfter mal den Reifendruck kontrollieren und nicht zuviel unnötigen Ballast spazierenfahren. Den Dachgepäckträger abbauen, wenn er nicht benötigt, vorausschauend fahren und bei Stillstand den Motor ausschalten.
Aktuelle Preise vergleichen kann man auf
Gegenüber beim Mitbewerber ist es auch nicht günstiger. Ein älterer Mann tankt sein Auto: „Es ist ärgerlich. Aber ich bin Rentner, ich fahre nicht mehr soviel, kann zur Not auch mal den Wagen stehen lassen. Die Zeche zahlen die, die zur Arbeit müssen. Die sind richtig gekniffen.“
Frust abgeladen
Die Tankstellenmitarbeiter an der Kasse können sich einiges anhören, da wird viel Frust abgeladen. „Aber die Kunden wissen letztlich auch, dass wir die Preise nicht machen und nichts dafür können“, erzählt Bianca Rosenbaum. Tipps oder Zeiten, wann man tanken sollte und wann besser nicht, hat die Tankstellenfrau nicht: „Man kann wirklich nur noch im Internet nachgucken und vergleichen - ansonsten dann tanken, wenn man muss und an einer Tankstelle vorbeikommt. So mache ich das auch. Ich fahre jedenfalls abends nicht noch mal extra los oder bis in den Nachbarort. Tanken ist einfach nur noch ein Glücksspiel.“ Die alleinerziehende Mutter ist frustriert: „Es ist ja nicht nur der Sprit: Alles wird teurer: Fleisch, Obst und Gemüse, Brot...“
Seit Geschäftsbeginn am frühen Montagmorgen bis zum späten Vormittag seien die Preise schon vier mal verändert worden, berichtet Silke Becker von der Freien Tankstelle Mettjes an der Mühlenstraße in Jever. Die Preise werden vom Lieferanten festgelegt. Der drückt in der Zentrale im Emsland auf einen Knopf, und dann verändern sich hier oder auch an weiteren Tankstellen der Albers OHG die Angaben an der Preistafel, mal nur für Diesel oder nur für Super oder Superplus. Am Morgen lag der Dieselpreis bei 1,55, dann gings runter auf 1,52 und gerade kommt wieder eine Mitteilung zur Preisanpassung auf 1,51 Euro. „Wir stellen hier in Jever gar nichts ein - das kommt alles von der Zentrale, und die orientiert sich an einer Preistransparenzstelle...“ Günstige Wochentage zum Tanken gebe es schon lange nicht mehr, aber meint, dass es abends ab 18.30 Uhr günstiger ist als morgens zum Start in den Berufsverkehr.
Wenig los ist am Montagvormittag an der Esso Tankstelle in Jever. „Die Leute regen sich natürlich auf über die Preise, tanken nicht mehr soviel“, sagt Mitarbeiterin Sabine Timmel. „Kaum einer tankt mehr voll, sondern viele nur noch für 20 oder 30 Euro. Die hoffen dann, dass es abends auf dem Nachhauseweg wieder etwas günstiger ist.“
„Es geht rauf und runter“
Auch bei Esso wird irgendwo in der Zentrale der Preis eingestellt und via Computer die Säule umgestellt. „Es geht rauf und runter, mehrmals am Tag verändern sich die Preise.“ Sabine Timmel meint, dass es abends günstiger sei. Morgens hingegen sei es ganz schlimm: „Heute morgen waren wir bei 1,73 Euro - für Diesel!, Super bei 1,85.“ Das ging aber nur eine Stunde. „In der Zeit hat hier keiner getankt, dann gingen die Preise wieder runter.“
