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Leidenschaft Jeveraner verkauft im Urlaub Weihnachtsbäume

Jever/Hohenkirchen - In der kalten Jahreszeit bei Wind und Wetter Tannenbäume verkaufen – warum tut man sich das an? Im Fall von Uwe Siefken ist die Antwort simpel: Er gönnt es sich. Es sind ja nicht bloß Tannenbäume, es sind Weihnachtsbäume. Siefken bringt damit Weihnachten in die Häuser. Und wer ihn an seiner Verkaufsstelle im Hohenkirchener Gewerbegebiet erlebt, der merkt schnell: Es ist ihm wichtig, für jeden Käufer genau den richtigen Baum zu finden. „Wenn ich einen Baum aussuche, weiß ich oft schon, wer den bekommt“, sagt der 47-Jährige am ersten Verkaufstag. Er hat viel Stammkundschaft und einen guten Blick dafür entwickelt.

Gastronomie-Profi

Uwe Siefken hat außerhalb der Adventszeit einen ganz anderen Beruf. Er ist Gebietsverkaufsleiter für Gastronomie bei der Firma Getränke Ahlers Nord GmbH in Aurich. 200 Gastronomiebetriebe versorgt er mit Getränken und ist in dieser Funktion auch in die jeweiligen Feste und Märkte eingebunden. Das jeversche Altstadtfest, die Krabbentage in Hooksiel, der Bürgermarkt in Wittmund und, und, und – immer präsent, das Smartphone griffbereit oder am Ohr, viel im Auto unterwegs.

In seiner Branche sei die Saison der Weihnachtsmärkte eigentlich Großkampfzeit, erklärt der Rahrdumer. Trotzdem nimmt er sich zwei bis zweieinhalb Wochen Urlaub für die andere Saison, die der Weihnachtsbäume. „Ich bin natürlich trotzdem in der Firma auf dem Laufenden“, sagt Uwe Siefken, während er an seiner Verkaufsstelle eine stattliche Nordmanntanne mit Schwung in Position wuchtet. Sein Handy geht ständig.

Vom Vater übernommen

Um zu verstehen, was ihm der Verkauf von Christbäumen bedeutet, muss man dem Wangerländer zuhören, wenn er von seinem Vater Fritz Siefken erzählt. Eigentlich verdiente der sein Geld damit, dass er für die Wilhelmshavener Firma Niemann Lesemappen auslieferte. „Irgendwann hat er den Kunden aber auch Stiefmütterchen und Sämereien mitgebracht“, erinnert sich der Sohn. Sogar eine eigene Teemischung habe er im Angebot gehabt, den „Fritz Siefken Tee“. Schließlich sind zu den Stiefmütterchen Weihnachtsbäume hinzugekommen.

Uwe Siefken und sein älterer Bruder Fritz sind damit aufgewachsen, dass Vater Fritz und Mutter Helga sie verkauften. „Der Duft von Fichten, die ja früher die typischen Weihnachtsbäume waren, ist für mich der Duft von Weihnachten geworden“, bekennt Uwe Siefken. „Wenn Papas Handschuhe zum Trocknen auf der Heizung gelegen haben, ist das ganze Haus vom Fichtenduft erfüllt gewesen.“ In den 1990er-Jahren habe sich aber die Nordmanntanne gegen die Fichte durchgesetzt.


Die alte Bügelsäge

Der Sohn erzählt gern von seinem Vater. Dessen alte Bügelsäge und die verwitterte Zigarrenkiste für die Preisetiketten benutzt er immer noch. Mit der kleinen Säge habe der Vater einmal an die 300 Bäume an einem Tag von einem Feld geholt. Rund drei Jahrzehnte lang hat Fritz Siefken Weihnachtsbäume verkauft. Seit 18 Jahren hat sein Sohn Uwe das Gewerbe angemeldet, aber der Vater arbeitete noch bis kurz vor seinem Tod vor acht Jahren mit. Wie beim Vater gibt es auch beim Sohn nur Bäume aus der Region: aus Ahlhorn, Bad Zwischenahn, Loy. Eben aus dem Oldenburgischen. Oder aus Remels in Ostfriesland.

Rechtzeitig aussuchen

Der 47-Jährige legt großen Wert auf Qualität und fährt lange vor Weihnachten die Produzenten ab. „Ich suche die Bäume früh aus und reserviere sie, man muss da geschickt verhandeln“, sagt er. Ab Mitte November beliefert er Gastronomiebetriebe, Weihnachtsmärkte, Kommunen und Kirchen mit Bäumen. Viele Kirchen in Friesland und Wilhelmshaven haben ihre Bäume von dem Rahrdumer. Auch große Bäume von sieben Metern Höhe sind mal darunter. Werbung frühestens nach Totensonntag im November, Verkauf im Gewerbegebiet an Haushalte erst ab Anfang Dezember.

„Auf einem Feld aus 8000 Bäumen die 75 herauszusuchen, die ich leiden mag, das ist für mich Entspannung“, sagt er. Aber auch der Verkauf an sich in Hohenkirchen ist nicht nur einfach Verkauf. „Die meisten kommen und wollen ,bei Uwe einen Baum holen‘, man schnackt eben miteinander – oder jemand bringt Kekse mit“, beschreibt Siefken. Inzwischen komme die nächste Generation der Kunden seines Vaters. Aber einen Kunden kenne er noch aus seiner Kindheit, der sei heute 90 Jahre alt.

Familie und Freunde

Ohne seinen alten Freund Marko Harms und seinen Bruder, seine Schwägerin und die Neffen sei das alles nicht zu machen. Auch seine Lebensgefährtin und seine Mutter unterstützen ihn. Tatsächlich wirbelt zum Verkaufsstart eine bunte Truppe auf dem Gelände herum, auf dem Siefken seine Bäume anbietet. Die Dauer der Verkaufssaison richtet sich nur nach einem Kriterium: „Wenn die Bäume verkauft sind, ist die Saison zu Ende“, stellt Uwe Sieken klar. Nachgeordert werde nicht. Schon sein Vater habe immer gesagt: „Irgendwann haben alle einen Baum.“

Zur Person

Geboren wurde Uwe Siefken im Sophienstift in Jever, aufgewachsen ist er in Hohenkirchen. Dort hat er nach der Schule Kraftfahrzeugmechaniker gelernt, im Gasthof „Zum Deichgrafen“ in Förrien hat er im Service gearbeitet, zwölf Jahre lang war er für den Agrarhandel Weser-Ems Außenstellenleiter in Hohenkirchen. Seit 13 Jahren lebt Siefken in Rahrdum.

Was dazu noch wichtig ist: Weihnachtsbäume im Wandel der Zeit

Ursprünglich war vermutlich die Weißtanne der typische Weihnachtsbaum, der seit der Reformation in privaten Haushalten aufgestellt wurde. Doch ab dem 16. Jahrhundert war die Weißtanne beim Schiffsbau beliebt – die Bestände schrumpften. Die Niederländer bauten ihre Handels- und Kriegsflotte daraus. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde das Holz im 17. Jahrhundert für den Wiederaufbau von Städten und Dörfern verwendet und wurde rar.

Im 18. Jahrhundert kam die Rotfichte zum Zuge, mit ihr wurden die Wälder systematisch aufgeforstet, weil sie schnell geerntet werden und den Bedarf der industriellen Revolution an Brennstoff decken konnte. Damit war der Weg für die Rotfichte als Tannenbaum schlechthin bereitet. Diese Marktmacht endete vor rund 30 Jahren, denn die aus Georgien im Kaukasus stammende Nordmanntanne, benannt nach ihrem Entdecker Alexander Davidowitsch von Nordmann, nadelt nicht so schnell wie die Fichte.

Ihre Samen werden immer noch in Georgien geerntet und exportiert. Allerdings duftet sie nicht so gut wie Rotfichte, Weiß- und Blautanne.

Christoph Hinz
Christoph Hinz Lokalredaktion, Jeversches Wochenblatt
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