Jever - Der Hundekauf boomt wie nie! Viele Menschen haben sich in den vergangenen Corona-Monaten einen Hund angeschafft: als Kuschelersatz oder Begleiter beim Spazierengehen. Doch Hundetrainer betrachten diesen Trend mit steigender Sorge. Oft sei der Kauf unüberlegt und spontan. Denn darüber, was aus dem treuen Vierbeiner nach der Pandemie und mit dem Ende des Homeoffice wird, machen sich scheinbar immer weniger Menschen echte Gedanken.
Dass es in den vergangenen Monaten der Corona-Pandemie auch in Jever tatsächlich zu einem Anstieg an neuen Anmeldungen von Hunden gekommen ist, bestätigt eine Mitarbeiterin der Stadt. Während im Jahr 2019 168 Hunde registriert wurden, lag die Zahl im Jahr 2020 bei 176 Neuanmeldungen. Ein leichter Anstieg, der in diesem Jahr, 2021, laut Stadt vermutlich noch mal deutlich höher ausfallen wird. Seit Januar bis jetzt sind 99 Hunde in Jever neu registriert worden.
Zeit dank Homeoffice
Dass im ersten Jahresdrittel 2021 bereits fast so viele Hunde in deutschen Haushalten eingezogen sind wie im gesamten vergangenen Jahr, weiß Jacqueline Schober. Die 55-jährige Jeveranerin arbeitet seit 14 Jahren als systemischer Hundecoach und ist selbst seit vielen Jahren Hundebesitzerin. Sie beobachtet die Entwicklung mit Sorge. „Jetzt haben viele Leute dank Homeoffice Zeit für einen Hund. Die Frage ist aber, was passiert danach? Und wie lernt der Hund, dass er vermutlich auch mal alleine sein wird?“, so Schober.
Spätestens dann, wenn aus dem Homeoffice wieder reguläres Arbeiten in der Firma wird, stehen viele Menschen vor einem Problem. Wohin nun mit dem Hund? Denn länger als maximal sechs Stunden sollten die Tiere nicht alleine gelassen werden. „Dann meldet sich schon mal die Blase“, sagt die Hundeexpertin. Zwar gelingt es vielen Hunden, den Harndrang auch noch längere Zeit zu unterdrücken, dies könne aber mitunter zu gesundheitlichen Schäden führen.
Auf eine harte Probe gestellt werden kann allerdings auch der Friede mit den Nachbarn. Ist es der Hund nicht gewohnt, längere Zeit alleine zu bleiben, kann er mit Dauergebell reagieren. „Oder er zerlegt die Wohnung und nagt alles klein. Auch das kommt vor“, weiß Jacqueline Schober.
Realistisch Denken
Damit es zu solchen Problemen nicht kommt, sollte man sich schon vor der Anschaffung eines Hundes eingehend Gedanken machen. Hat man überhaupt genug Zeit für das Tier? Wie geht es nach Corona weiter? Was wird aus dem Hund, wenn man in den Urlaub fahren möchte? „Das sind alles Fragen, die momentan häufig nicht richtig durchdacht werden. Stattdessen verlieben sich viele in einen Hund, den sie im Internet gesehen haben und kaufen das Tier, ohne zu überlegen“, sagt Schober.
Ist der Hund dann da, sollte er unbedingt von Beginn an das Alleinsein lernen. Auch dazu hat die Expertin Tipps parat: „Es kann losgehen, indem man mal für eine Minute den Raum verlässt oder alleine den Müll rausbringt. Arbeitet man im Homeoffice, kann man auch die Tür einfach mal schließen und der Hund bleibt draußen“, rät Schober.
