Jever - Nichts erinnert mehr an die überfüllten Regalen und Räume und die die Sammelleidenschaft eines Bismarckverehrers im Museum an der Ecke Wangerstraße/ von Thünen-Ufer: Nach dem Umbau des vormaligen Bismarckmuseums ist dort eine grundlegend neue Ausstellung. Finanziert vom 2019 verstorbenen Ehrenpräses des Vereins der „Getreuen zu Jever“, Dr. Fritz Blume, und der Familie-Dr.-Blume-Stiftung wurde das Getreuen-Museum jetzt eröffnet.

Das Getreuenmuseum

Das Getreuenmuseum ist künftig dem Zweckverband Schlossmuseum Jever zugeordnet. Der Zweckverband hatte die inhaltliche Verantwortung beim Umbau. Die zeitgemäße Gestaltung entwarf der Grafik-Designer Andreas Reiberg.

Das Haus wird Interessierten und kleinen Gruppen zunächst auf Anfrage offenstehen. Jedes Jahr zum 1. April, dem Tag des Bismarck-Kommerses der Getreuen zu Jever, ist ein Tag der offenen Tür mit Programm geplant.

Im Zentrum steht deutsche Stammtischgeschichte – „das ist einzigartig in Deutschland“, sagte Getreuenpräses und Bürgermeister Jan Edo Albers einleitend. Das Museum reklamiert keinen Anspruch auf Vollständigkeit einer Zeitepoche, sondern zeigt ausgewählte Exponate und Texte zur Geschichte der Stammtische. Dazu gehört die Geschichte der Getreuen zu Jever, die mit der Sendung von 101 Kiebitzeiern an Bismarck einst bundesweit bekannt wurden.

Fatal wäre es gewesen, hätten nicht zwei beherzte Jeveraner das bereits um 1995 beschlossene „Aus“ des Stammtischs verhindert und die Tradition der Altvorderen fortgesetzt. Die Mitglieder treffen sich nicht mehr nur im „Geiste Bismarcks“ an jedem 1. Dienstag im Monat im „Haus der Getreuen“.

Informationen über Stammtische und ihre Bedeutung stellte Josef Kersting zusammen. Er gehört zur Stammtischgesellschaft „Reichstag Lüdinghausen“. Mit diesem Wissen wurde der jeversche Stammtisch neu strukturiert. Recherchen eines jeverschen Stammtischmitglieds ergaben, dass dieser schon vor 1850 bestand. Erst viel später, in der Zeit der Bismarckhuldigung, entstand der Verein „Die Getreuen“.

„Die Geschichte der Getreuen zu Jever samt Einordnung in den Zusammenhang der Bismarck-Verehrung in Deutschland ist nicht ausgelassen“, so Museumsleiter Dr. Andreas von Seggern. Die Ausstellung vermittele einen Eindruck vom zeitgenössischen Kult um den als „Reichsgründer“ verehrten Staatsmann. Vor diesem Hintergrund wird die deutsche und europäische Geschichte dieser Epoche beleuchtet.

Verstärkten Austausch will das Getreuenmuseum mit der bundeseigenen Otto-von-Bismarck-Stiftung in Friedrichsruh pflegen. „Die Wahrung des Andenkens an bedeutende Persönlichkeiten und ihrer Geschichte gehört zu den wichtigsten kulturpolitischen Aufgaben der Bundesrepublik“, erklärte Dr. Ulf Morgenstern, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung. Deren Auftrag ist, die Leistungen Bismarcks zu würdigen, ohne Defizite seines Handelns zu ignorieren, und den Zusammenhang von Vergangenheit und Gegenwart zu verdeutlichen.