Jever/Schortens - Am Ende konnte Elfriede Schwitters ihre Rührung doch nicht ganz verbergen – ein deutliches Zeichen dafür, dass sie es nicht gewohnt ist, selbst bei ihrer Arbeit im Mittelpunkt zu stehen. Anders am Donnerstagmorgen im Schloss zu Jever: Landrat Sven Ambrosy verlieh der 78-Jährigen im Auftrag des Bundespräsidenten das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Elfriede Schwitters hat sich ihr Leben lang durch ein hohes Engagement im Ehrenamt ausgezeichnet.
Mancher mag sich zwischendrin gefragt haben, ob ein Tag bei Schwitters mehr Stunden hat als der eigene: aktiv in der Kommunalpolitik, in der Kirchengemeinde, in der Kultur- und Heimatpflege sowie in der Pflege der plattdeutschen Tradition – das alles neben Beruf und Familie. „Für mich war das immer selbstverständlich“, sagte Elfriede Schwitters.
Rat vom Großvater
Schon ihr Großvater habe ihr mit auf den Weg gegeben, dass nichts Gutes dabei herauskommen könne, wenn jeder nur an sich selber denke, sagte Elfriede Schwitters. Die Ehrung wurde von langjährigen Begleitern auf den Weg gebracht: Politische Mitstreiter der FDP aus Schortens hatten den Antrag gestellt, der von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde unterstützt wurde.
Die Übernahme von Ehrenämtern sei heute leider alles andere als selbstverständlich, erklärte Landrat Sven Ambrosy, der die Ehrung vornahm. Politik, Vereinswesen und Kirchen würden zusammenbrechen, wenn Menschen nicht zur Übernahme von Ehrenämtern bereit seien. In der Politik gebe es zwar eine Aufwandsentschädigung für die Ratsmitglieder, dennoch entspreche der Betrag nicht annähernd den Aufgaben. Das Ehrenamt gerate zunehmend unter Druck, vor allem Politiker, Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr oder von Rettungsdiensten würden immer öfter Anfeindungen begegnen, bis hin zu gewalttätigen Attacken. Das sei in höchstem Maße bedenklich. Menschen wie Elfriede Schwitters seien ein Vorbild für die Gesellschaft, betonte Ambrosy. Sowohl der Landrat als auch Schortens’ Bürgermeister Gerhard Böhling, der die Geehrte mit Lob auf Plattdeutsch bedachte, sprachen von ihr als gute Freundin, deren Rat immer sehr geschätzt werde.
„Irgendwann muss Schluss sein“
In der Feierstunde im Schloss zu Jever nannte Ambrosy aus der Vielzahl der Ehrenämter vor allem das politische Engagement im Schortenser Rat, wo Schwitters rund 30 Jahre dafür bekannt war, nicht so „leicht klein beizugeben“ und durch Argumente zu überzeugen wusste. Bei der Kommunalwahl 2021 war sie nicht wieder angetreten. „Irgendwann muss Schluss sein“, hatte sie befunden.
Die heute 78-Jährige begann ihr politisches Engagement bei der UWG in Bockhorn. Mit dem Umzug 1988 nach Schortens kam sie dort zur FDP und gehörte von 1991 bis 2021 dem Rat an. In ihrer erfrischend kurzen Rede dankte sie ihrem Mann und ihren beiden Söhnen für die Unterstützung, denn oft habe die Familie zurückstecken müssen, damit sie den ehrenamtlichen Aufgaben habe nachgehen können. Dabei „war das Ehrenamt immer eine persönliche Bereicherung für mich“, sagte die Geehrte. Neben der Politik, bei der es auch einen kurzen Ausflug in den Kreistag gab, ist sie in der evangelisch-lutherischen Kirche unter anderem als Leiterin des Frauengesprächskreises und im Besuchsdienst tätig, sie gehört zur Oldenburgischen Landschaft und war als Delegierte der Fördermitglieder (Städte und Gemeinden) im „Spieker“ als Dachverband der Heimatvereine engagiert.
Den besonderen Tag verbrachte Elfriede Schwitters am Donnerstag mit Familie und Weggefährten.
