Jever/Schortens - Mehr Auslauf und Betreuung von Hunden, strengere Regeln für Tiertransporte und Hundezüchtung: Das will Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) für Anfang kommenden Jahres gesetzlich fest machen. Aber ist es so einfach, wie es sich auf dem ersten Blick anhört? Sollte es nicht selbstverständlich für Hundebesitzer sein, ihre Tiere angemessen zu halten? Und wie sollen Missstände kontrolliert werden? Angedacht sei, dass für die Kontrollen die Behörden der Länder zuständig sein werden.
Sabine und Wallie Bijnen aus Middelsfähr leiten den Verein Hunderettung-aktiv und kennen aus Spanien weitaus schlimmere Verhältnisse als hierzulande. „In Spanien ist es leider noch normal, dass Hunde ein Leben lang an der Kette lebt, nie spazieren geführt wird, keinen Schutz vor Sonne und Regen hat und nur ab und zu ein Stück Brot vorgeworfen bekommt“, sagt Sabine Bijnen. Daher setzt sie sich besonders stark für eine hundegerechte Haltung ein. „Ich finde die Grundidee total gut, gesetzlich vorzuschreiben, Hunde mindestens zweimal am Tag laufen zu lassen, auch mindestens einmal täglich freilaufen, spielen und rennen lassen zu können. Der Kontakt zu anderen Hunden ist für das Sozialverhalten der Tiere ganz, ganz wichtig.“ Sie gehe mit ihren Hunden viermal am Tag spazieren, nachmittags besonders lange immer mit Freilauf. Dabei trifft sie sich regelmäßig mit anderen Hundefreunden und lässt die Hunde gemeinsam laufen.
Aber wie soll das kontrolliert werden? „Es gibt so viele Haushalte mit Hunden, gerade in großen Städten, wie soll da kontrolliert werden, ob die Hundehalter wirklich zweimal mit ihren Vierbeinern Gassi gehen? Das stelle ich mir, ehrlich gesagt, unmöglich vor.“
Nahezu jeder befragte verantwortungsvolle Hundehalter sieht das ähnlich: Nils und Claudia Colberg aus Schortens haben zwei Berner Sennenhunde: „Mit denen gehen wir mehrmals am Tag unsere Runde.“ Das Gassigehen sollte selbstverständlich sein. Der Grundgedanke ist natürlich prima, meint Nils Colberg. Aber auch er fragt sich: „Wer und wie will man das kontrollieren?“
