Jever - Die Corona-Krise hat der Schuldnerberatung der Diakonie in Friesland Zulauf beschert: „Wir haben jetzt schon so viele Insolvenzen gezählt wie sonst im Schnitt bis Jahresende“, sagt Georgia Gries. Und sie rechnet damit, dass das auch so weitergeht.

„Wir haben noch 85 Termine mit Schuldnern vor uns, dabei handelt es sich um 20 neue Fälle und 58 Verfahren, die bereits laufen“, erklärt Gries. Besonders die Online-Spielsucht und die Online-Kaufsucht bei Jüngeren hatten während der Lockdowns deutlich zugenommen. „Wir sehen das in unseren Beratungen, da werden online Spiele gespielt, bei denen bestimmte Dinge Geld kosten, und oft geht den Spielern der Überblick verloren“, sagt sie.

Ähnlich sei es bei den vielen Bestellungen im Internet – oft auf Raten und mit Null-Prozent-Finanzierung. „Aber auch diese Raten können sich viele nicht leisten“, sagt Gries.

Sie nahm für die Schuldnerberatungsstelle der Diakonie jetzt mit ihrem Kollegen Stephan Lunden, der sie seit Anfang September unterstützt, eine Spende von 7700 Euro entgegen. Das Geld stammt aus dem LzO-Lotteriespiel „Sparen+Gewinnen“.

Auch Markus Neumann, Direktor Privatkundengeschäft für die Region Ammerland-Friesland bei der LzO stellt fest, dass die Krise Probleme verschärft hat. „Menschen nehmen Online-Kredite auf und stopfen damit Löcher an anderer Stelle. Das funktioniert natürlich nicht dauerhaft“, mahnt er.

Es sei für jeden, der in eine finanzielle Schieflage gerät, besonders wichtig, das Gespräch mit Banken und Gläubigern oder Inkasso-Unternehmen zu suchen. „Da ist oft noch viel möglich“, bestätigt auch Georgia Gries. „Der Wille für die Bewältigung muss aber vom Schuldner kommen“, betont sie. „Er muss selbst aktiv werden, wir können nicht alles für die Betroffenen lösen.“


Besonders wichtig sei dabei Präventionsarbeit. „Vor Corona waren wir regelmäßig in den Schulen, denn sobald die Jugendlichen 18 Jahre alt sind, ist ihre Unterschrift Gold wert und sie müssen aufpassen, welche Verträge sie abschließen, damit sie nicht in der Schuldenfalle landen“, sagt Gries. Sie hofft, dass die Schuldnerberatung Friesland auch diese Arbeit bald wieder aufnehmen kann.