Jever - Wenn ein großer Sportbetrieb nicht jedes seiner Mitglieder mit Vornamen kennt, ist das nichts Ungewöhnliches. Bei Frank Stadelmann vom Fitnesspark Friesland an der Waagestraße Jever ist es etwas anders: Stadelmann führt seinen Ein-Mann-Betrieb seit 35 Jahren und kennt jedes seiner Mitglieder mit Vor- und Nachnamen. Da wird auch gern mal geplaudert, bevor es an die schweren Geräte zum Muskelaufbau und zur Fettverbrennung geht.
„Ich habe das schon sehr vermisst. Das war eine Situation, die so noch nie da war“, sagt er. Er habe die zehn Wochen Zwangsurlaub mit Spaziergängen verbracht, bei denen er Ideen sammelte und sich Gedanken um die Wiedereröffnung machte. Sein Ziel: Sein Angebot verbessern und den Kundenkontakt weiter vertiefen.
Fitnesspark Friesland
Stadelmanns Fitnesscenter erstreckt sich auf zwei Etagen. „Ich will individuelle Beratung anbieten, kein Drehkreuz sein.“ Von seinen Mitgliedern sind einige seit Start dabei, mancher junge trainiert im Fitnesspark Friesland angeschlossen. Einige ältere Mitglieder bleiben zurzeit aus Sicherheitsgründen noch fern. Das versteht Stadelmann. Bei ihm ist natürlich auch alles auf Corona eingestellt: Desinfektion der Hände am Eingang, auf das Tragen einer Maske wird Wert gelegt, einige Geräte sind mit Flatterband gesperrt. Ob ihm die Umstellung schwer gefallen ist? „Nein, das ging mir gut von der Hand. Ich habe ja schon 35 Jahre Trainingserfahrung.“ Und eine der anwesenden Frauen sagt mit einem Lächeln: „Es ist schön, dass wir wieder herkommen können.“
Gerätepark MTV
Im Gerätepark des MTV Jever sieht es nicht anders aus. Auch hier sind einige Geräte mit Flatterband vor Benutzung geschützt, die großen Pflanzenkübel wurden umgestellt als Wegweiser oder zur Abtrennung. Nadine Nutt, Leiterin des Geräteparks, war bisher mit der Koordination der ehrenamtlichen Trainerinnen und Trainer beschäftigt. In der Zeit der Schließung konnten nun Reinigungsarbeiten ausgeführt werden, die sonst im Sommer für eine kurzzeitige Schließung geführt hätten.
Dass nun aber der Weg frei ist für die reichhaltigen, sportlichen Angebote, freut Nutt: „Das Angebot fährt langsam wieder hoch. Outdoor-Übungen sind seit Mitte Mai wieder möglich, unser Fitnessangebot können Vereinsmitglieder seit 27. Mai wieder nutzen.“
Dazu mussten sie sich in ein neues Buchungssystem einarbeiten: Entweder auf der Homepage www.mtvjever.sportmeo.com oder über die App „Sportmeo“ werden so die Sportangebote in den verschiedenen Bereichen gebucht, jeweils für eine Stunde. Wem das zu kompliziert ist, kann natürlich weiterhin anrufen, um einen Platz zu reservieren. „Bisher sind die Mitglieder, die wiedergekommen sind, vom Alter her breitgefächert, das hat mich positiv überrascht. Ein paar sind erstmal noch vorsichtig, aber im Großen und Ganzen wird es gut angenommen. Und auch die Älteren kommen gut klar mit dem Buchungssystem“ sagt Nutt. Reha-Sportler müssen sich übrigens nicht anmelden, sie melden sich direkt beim MTV unter 04461/4999.
Tanzraum Jever
Im Tanzraum Jever am Kirchplatz von Bettina Ludwig und Susanne Köhn wird ebenfalls wieder getanzt: „Wir stehen mit unseren Mitgliedern über Whatsapp in Verbindung und das Hygienekonzept ging auch schon an alle Gruppen raus. Wir mussten ein Unterrichtskonzept erstellen mit kleineren Gruppen“, erzählt Ludwig. Bisher konnte sie mit ihren Tänzerinnen im Freien arbeiten und sie verschickte Mitmach-Videos. „Das ist aber auch keine Lösung, insbesondere nicht für die Kleinen“. sagt sie. Und auch nicht für die Älteren, die mit Anke Casper im Tanzraum Sport treiben.
Bodystyling und Pilates konnte Bettina Ludwig ab Ende Mai draußen auf dem Dorfplatz Cleverns anbieten, die Kindergruppen von Susanne Köhn mussten von 15 auf 5 Tanzschüler reduziert werden. Seit Freitag dürfen auch die Jüngsten ab sechs Jahren wieder tanzen. „Das haben die Kleinen super gemacht. Ich war ganz erstaunt: Die Kinder halten Abstand, indem sie sich nur in einem auf dem Boden markierten Bereich bewegen. So haben sie jeder für sich ihre eigene Bühne“, erzählt Ludwig.
Ihre Kollegin Susanne Köhn sieht in dem neuen Konzept mit Hygienemaßnahmen, Anmeldung und begrenzter Personenanzahl sowie markierten Bereichen nur eine „Notfalllösung und keinen Dauerzustand. Wir arbeiten in einem kreativen Beruf, da geht sowas nicht auf Dauer“.
Auch Anke Casper darf mit ihrem Aerobic-Kurs für „Best Ager“ am Montag, 15. Juni, wieder starten. Ihre Teilnehmerinnen sitzen auf Stühlen, dazwischen ist ausreichend Platz. Casper hält es kaum noch auf dem Hocker vor Aufregung: „Bisher trafen wir uns mit gebührenden Abstand gern zum Kaffee, ohne ging es nicht. Nun freuen wir uns so sehr auf ,Hockergymnastik‘.“
