Jever - „Alle haben es bemerkt“: Nicole Weber von der Bäckerei Klatt in Jever freut sich über die Aufmerksamkeit, die sie mit ihrer Aktion erzielt hat. Am Donnerstag haben die Handwerksbäckereien auch in Friesland ein Zeichen gegen die steigenden Kosten gesetzt und während der Verkaufszeit einfach die Beleuchtung ausgeschaltet. Insbesondere durch die steigenden Energiekosten sehen sie die Existenz ihrer Betriebe bedroht. „Uns geht das Licht aus“ lautete das Motto, und: „Heute das Licht und morgen der Ofen?“
„Die Kunden sind begeistert, dass wir ein Zeichen setzen: Sie selbst sind auch unzufrieden mit der Politik um die Energiepreise“, hat Nicole Weber erfahren. Viele Kunden hätten sich besorgt gezeigt und ihre Hoffnung ausgedrückt, dass die Bäckerei trotzdem bestehen bleiben kann.
„Dass es Zuspruch gibt, ist nur bei denen so, die auch wirklich selbst betroffen sind“, beobachtet dagegen eine Verkäuferin der Wikingerbäckerei Lorenz Victorbur. „Wer selbst eine Firma hat und mit den Energiekosten kämpfen muss, stimmt zu, dass wir alle ein Riesen-Problem haben. Andere sind sogar eher leicht genervt und tolerieren die Aktion mit den Worten: ‚Könnt ihr ja nichts dafür.‘“
Immerhin: Schon beim ganz normalen Brötchenkauf am Morgen gab es in den Bäckereien Gespräche über Energie und steigende Energiekosten.
Zu den steigenden Energiekosten kommen höhere Personalkosten und die massiv gestiegenen Lebensmittelkosten. So müssen mit Einführung des neuen Mindestlohns natürlich die Löhne insgesamt angefasst werden, damit die Staffelung zwischen gelernt und ungelernt stimmt. Die Preise für Mehl haben sich in den vergangenen Monaten um rund 80 Prozent erhöht. Neben den Öfen, von denen rund 70 Prozent mit Gas betrieben werden, verbrauchen die Kühlanlagen viel Energie. So berichtet Stefan Siemens von der Stadtbäckerei Siemens: „Für uns gibt es eine jährliche Kostenerhöhung im mittleren sechsstelligen Bereich nur für Energie.“
