Jever - Von den Kritikern am Neubauvorhaben direkt an der Blankgraft, die in den vergangenen Wochen verdeckt im Hintergrund agitierten, zeigt am Mittwoch in der Sitzung des jeverschen Bauausschusses keiner Flagge. Und Gerhard Werber, der den Neubau strikt ablehnt, erhielt als FDP-Ratsmitglied kein Rederecht in der Bürgerfragestunde. Die sei den Fragen von Bürgern vorbehalten, die ja sonst keine Möglichkeit haben, öffentlich und direkt an Rat und Verwaltung Fragen zu stellen, stellte Bürgermeister Jan Edo Albers die Geschäftsordnung klar.
Das Bauvorhaben ist für den Großteil von Rat und Verwaltung komplett unstrittig, zeigte sich im einstimmigen Votum. Hendrik Theemann (FDP) enthielt sich, weil seine Fraktion geteilter Ansicht ist. „Ich finde das Vorhaben selbst sehr gelungen und viele von Kritikern geäußerte Bedenken kann ich nicht nachvollziehen“, betonte er.
Robert Allmers als Bauherr und Rüdiger Piltz als Architekt planen auf der Fläche der alten Rotation ein Vier-Parteien-Haus. „Die Druckerei wird seit 20 Jahren nicht mehr genutzt und ich möchte mit dem Grundstück etwas Sinnvolles anfangen“, sagte Allmers. Gebäudehöhe, Ausdehnung und Optik – all das ist an die Umgebungsbebauung angepasst. Insofern gebe es bauordnerisch keinen Grund, dem Bauvorhaben nicht das Einvernehmen zu erteilen.
Alte Molkerei: „Wann geht es los? Wir warten seit Jahren auf den Baubeginn!“ Anke Casper nutzte die Bürgerfragestunde, um die wichtigste Frage zur Umgestaltung und Erweiterung des Edeka-Markts an der Adolf-Ahlers-Straße zu stellen. Tatsächlich sind mit dem vom Ausschuss gefassten und vom Rat voraussichtlich am 9. Juli bestätigten Satzungsbeschluss der Bebauungsplan-Änderung die baurechtlichen Voraussetzungen geschaffen; gut ein halbes Jahr wird es dauern, bis der Bauantrag bewilligt ist. „Realistisch ist ein Baubeginn im Frühjahr 2021“, sagte Dietmar Rüstmann von der Stadtverwaltung. Dann wird die Alte Molkerei teilweise abgerissen und an ihrer Stelle entsteht eine Einkaufsmall mit Bäckerei, Getränkemarkt und Pizzeria. Das Kino bleibt vom Umbau ausgespart.
Zerbster Straße: Mit einer Änderung ist die Abwägung nach Behördenbeteiligung des Bebauungsplans „Schützenhofsiedlung“ beschlossen: Auf dem ehemaligen Kirchen-Grundstück an der Zerbster Straße sollen zwei Mehrfamilienhäuser mit 25 Wohnungen entstehen. Aufgenommen wurde in den Bauplan, dass Schottergärten verboten sind. Anlieger sehen das Bauvorhaben skeptisch, weil die Straße bisher nur aus Einfamilienhäusern besteht. Doch erklärtes Ziel der Stadt ist Wohnungsbau in verdichteter Bauweise. „Und das Eckgrundstück ist dafür städtebaulich gut geeignet“, sagte Planer Matthias Lux.
Genehmigungsbehörde ist der Landkreis – die Stadt Jever kann rechtlich nur Ja sagen; es sei denn, das Bauvorhaben widerspricht der Bauordnung. „Dass die Stadt ihr Einvernehmen erteilt, ist rechtlich geboten, und wir stehen hinter dieser städtebaulichen Verbesserung“, betonte Dietmar Rüstmann von der Stadtverwaltung.
Mit Blick auf den Vorschlag des Jeverländischen Altertums- und Heimatvereins, die Fläche sollte nicht bebaut, sondern wieder den Wallanlagen zugeschlagen werden, war Rüstmann in die Baugeschichte zurückgegangen. Das Grundstück an der Blankgraft ist seit 1893 im Besitz der Familie Mettcker, fand er heraus; die Blankgraft bestehe spätestens seit 1824 in der heutigen Form und Größe.
SPD, Grüne, SWG und CDU werden deshalb am 16. Mai im Verwaltungsausschuss ihr Einvernehmen erteilen, kündigten sie an. „Man muss bereit sein, sich weiterzuentwickeln – wir wollen ja nicht zurück aufs Plumpsklo“, sagte Udo Albers (SWG).
