Jever - Winter 1974: In der Bundesrepublik herrscht Ölkrise – „und die Braupfanne war die einzige Kneipe in Jever, in der geheizt war“, erinnert sich Heinz Kruse. Damals traf sich die Nachbarschaft aus der Anhalter Straße eher zufällig in der „Braupfanne“; man feierte zusammen – und seitdem sind die ehemaligen „Anhalter“ Freunde.

Mittlerweile leben sie gar nicht mehr alle in Jever – doch dass die Brauereikneipe „Zur Braupfanne“ nach 13 Jahren nun wieder geöffnet hat, nutzten sie, um Wiedersehen zu feiern. „Die Truppe hat sich so gefreut, als sie hereinkamen – sie waren so euphorisch, weil es die alte Braupfanne noch gibt“, sagt Nadja Grötzner.

Sie hatte die Kneipe, die vom „Haus der Getreuen“ mitbewirtschaftet wird, am 6. März wiedereröffnet. „Und dann kam der Corona-Shutdown. Seitdem ist die Braupfanne wieder etwas in Vergessenheit geraten. Aber: Es gibt uns wieder und wir haben immer mittwochs bis sonntags ab 17 Uhr geöffnet.“

Mit der Wiedereröffnung hat sich Nadja Grötzners Traum erfüllt. Vor 30 Jahren hat die heute 45-Jährige dort bereits hinter der Theke gestanden, nach dem ersten Ferienjob hat „Jevers Wohnzimmer“ sie nie mehr losgelassen.

Sie hat sich vorgenommen, den alten Geist der Kneipe fortbestehen zu lassen: „Als familiärer Treffpunkt, wo alle miteinander ins Gespräch kommen.“ Und dafür sorgt sie vom Tresen aus auch selbst. „Ich versuche, durch direkte Ansprache alle einzubeziehen – keiner muss einsam und schweigsam sein Bier trinken.“ Damit das noch besser klappt, schmeißt sie ab und an eine Kneipenrunde mit „Braupfannendeern“ – ein selbst produzierter Schnaps, süßlich-süffig im Mund mit Schärfe im Nachgang. „Ich dachte ja, das ist eher ein Frauen-Schnaps. Aber die Männer mögen ihn ebenfalls sehr“, freut sich Nadja Grötzner. Von den Stammgästen wird sie bereits nur noch „Frau Braupfanne“ genannt. „Oder Frau Bratpfanne, wenn sie mich auf die Schippe nehmen wollen“, sagt sie und lacht.


Sie hofft, dass sich herumspricht, dass die „Braupfanne“ wieder in Betrieb ist. „Viele Ältere sind schon wiedergekommen und freuen sich, dass die Kneipe noch so ist wie in ihrer Erinnerung. Doch Jüngere fühlen sich hier auch wohl.“

Mit der Eröffnung des „Winny’s“ an der Mühlenstraße, der neuen „Pütt“ am Alten Markt und den vielen weiteren Kneipen und Bistros habe Jever „nun endlich eine richtige Kneipenmeile – von der Mühlenstraße über Alten Markt und Neue Straße bis zum Kirchplatz und der Langen Meile“. „Und alle haben ihre ganz eigene Atmosphäre“, weiß Nadja Grötzner. Sie wünscht sich, dass alle Kneipen miteinander etwas auf die Beine stellen – „und nicht gegeneinander arbeiten“.