Jeverland - Bis ins Jahr 2005 gab es noch einen sehr aktiven Jeverländischen Sängerbund, der aus vielen Chören des Jeverlandes bestand. Dieser Verbund gehörte dem Oldenburgischen Sängerbund und dem Deutschen Chorverband an.
Aufgabe der Chöre war es, traditionelles deutsches Liedgut aufrecht zu erhalten. Dabei ging es um anspruchsvolle Musik zum Beispiel von Friedrich Silcher, van Beethoven, Mozart oder Schubert, die alte Volkslieder in ansprechenden Chorsätzen notiert hatten. Diese wurden von den Sängerinnen und Sängern nach intensiven Chorproben vor großem Publikum vorgetragen.
In seinen Glanzzeiten feierten die Mitglieder aller angeschlossenen Chöre großartige Sängerfeste im Wechsel in allen Orten des Jeverlandes. Zu damaligen Zeiten fanden die Feste in Zelten oder Hallen statt, anschließend trafen sich die Frauen und Männer in den Dorfkneipen zum geselligen Beisammensein. Gerne erzählen die älteren Sänger davon.
Viele Dörfer und Gemeinden hatten ihre Gesangvereine. Da gab es Chöre aus Horumersiel, Hooksiel und Jever. Sillenstede, Hohenkirchen und Waddewarden hatten sowohl einen Frauen- als auch einen Männerchor, es gab gemischte Chöre in Sande. Schortens und auch Cleverns-Sandel hatten einen eigenen Chor. In noch früheren Jahren gab es auch noch Singgemeinschaften in Tettens und in Cäciliengroden, auch sie gehörten dem Jeverländischen Sängerbund an.
Leider ging die Zeit der Auflösung alter gesellschaftlicher Strukturen und Formen auch an den Chören nicht spurlos vorbei. Grund war der mangelnde Nachwuchs, der sich wohl dem Vereinszwang nicht mehr unterwerfen wollte und heute lieber bei zeitlich begrenzten Chorproben in Projektchören mitmacht.
Als im April 2005 Vorsitzende Margrit Schönbohm und Bundeschorleiter Andreas Dörnath gemeinsam mit dem Vorstand und den Vertretern der Vereine schweren Herzens den Sängerbund auflösen mussten, zählte der Jeverländische Sängerbund noch 13 Chöre.
85 Jahre alt wurde der Jeverländische Sängerbund, als man ihn aufgrund mangelnden Interesses der Mitglieder auflösen musste. Obwohl es damals noch mehr als 200 Mitglieder gab, blieb der erwartete Aufschrei, den Sängerbund aufrecht erhalten zu müssen, aus den Reihen der Chöre aus. Lediglich 27 Mitglieder fanden den Weg zur letzten gemeinsamen Hauptversammlung in der Clevernser „Linde“. Und bis auf einen Chor stimmten alle anderen für die Auflösung des Sängerbundes.
Von dem einst großen Sängerbund mit mehreren Hundert Sängerinnen und Sängern gibt es heute nur noch den MGV „Liedertafel von 1844“, den Frauenchor Hohenkirchen, den Gesangverein „Eintracht“ Waddewarden und die „Choryfeen“ Sillenstede. Alle anderen Chöre mussten – vorwiegend aus Altersgründen – aufgeben.
