Jeverland - In Corona-Zeiten verstehen die Kommunen keinen Spaß: auch und gerade nicht an Christi Himmelfahrt am 21. Mai, den junge Männer dereinst als „Vatertag“ gekapert haben. Obwohl bestes Wetter für diesen Donnerstag vorausgesagt ist, wird es wegen der Corona-Regeln wohl nichts mit der klassischen Vatertags-Sause.
In Friesland gilt auch am Vatertag die Regelung, die seit Tagen gilt: Der reine Schankbetrieb ist nicht gestattet, Kneipen bleiben weiter geschlossen. Aber Speisegaststätten sind geöffnet und dort darf zum Essen auch Alkohol ausgeschenkt werden.
Autodisco in Sande: Die Diskothek Twister Dance lädt zum Feiertag am Donnerstag, 21. Mai, ab 21 Uhr zur ersten Autodisco in Friesland und Wilhelmshaven ein. Die DJs spielen die Lieblingstracks der Besucher – und die feiern im Auto. Außerdem gibt es auf dem Gelände vor dem „Twister“ eine große Laser-Show, Pyro-Effekte, eine große Bühne mit LED-Wand und vieles mehr. Trecker und Lkw sind ebenfalls erlaubt, sofern diese geschlossen sind.
Karten gibt es nur im Online-Vorverkauf:
Tickets kosten 19,90 Euro (für 2 Personen), das Rücksitzbankticket 9,95 Euro für 2 weitere Personen. Das Ticket wird über die geschlossene Fensterscheibe verifiziert – Personalausweis bereit halten.
Einfahrt auf das Gelände ist ab 20.30 Uhr möglich, die Disco startet um 21 Uhr und endet gegen Mitternacht. Einlass ist ab 16 Jahren. Ein vorzeitiges Wegfahren vom Gelände ist nicht möglich. Cabrios müssen geschlossen bleiben. Aussteigen ist nur im Notfall erlaubt, dasselbe gilt für den Toilettengang. Am besten: Vorher noch mal aufs Klo!
Gestattet, aber doch unerwünscht sind auch Vatertags-Touren – allerdings mit Corona-bedingten Hygiene- und Abstandsauflagen. Gemeinsam losziehen dürften demnach Personen zweier verschiedener Hausstände oder Wohngemeinschaften. Heißt: Drei Kernkumpels aus drei Haushalten sind verboten, 13 (oder mehr) Personen aus zwei Haushalten hingegen hätten freie Bahn – müssen aber zu anderen Vatertags-Ausflüglern den Mindestabstand beachten.
„Corona ist nicht vorbei“
Manchem Gastronomen ist das zu riskant: Wolfgang Gerhard, Wirt der Kneipe „Zur scharfen Ecke“ in Sande, darf seit einer Woche immerhin seinen Biergarten wieder öffnen, aber am Vatertag bleibt der Laden zu, kündigte er an. Er fürchtet zu viele alkoholisierte Ausflügler und die Missachtung der Corona-Auflagen. „Wir öffnen nicht. Um Euch und uns zu schützen“, sagt Wolfgang „Mozart“ Gerhard.
Auch Sandes Bürgermeister Stephan Eiklenborg appelliert an die Einhaltung der Kontaktbeschränkungen: „Corona ist nicht vorbei. Wir sind mitten drin bei der Bekämpfung dieses Virus, auch wenn sich die Situation verbessert hat. Daher müssen auch an Himmelfahrt die aktuellen Kontaktbeschränkungen eingehalten werden. Das gilt vor allem für den Mindestabstand von 1,5 Metern und die Bildung von Gruppen“, betont der Bürgermeister.
Picknick und Grillen sind in freier Natur weiterhin nicht erlaubt. Wanderungen oder Radtouren mit Personen zweier verschiedener Hausstände sind zulässig, so Eiklenborg. Er appelliert an die Bürger, sich so zu verhalten, dass sie weder sich noch andere gefährden.
„Bei Verstößen gegen die Corona-Regeln drohen empfindliche Bußgelder. So kann ein Verstoß gegen das Abstandsgebot mit bis zu 150 Euro oder die Bildung von Gruppen mit Bußgeld bis zu 400 Euro pro Person geahndet werden“, sagt Eiklenborg. Das Geld könne man besser im örtlichen Einzelhandel ausgeben. „Halten Sie sich an die Regeln und feiern Sie Himmelfahrt fröhlich, aber vorsichtig und mit Abstand. So können wir weiter zuversichtlich in die nächsten Wochen blicken“, so Eiklenborg.
Treffen ja – aber reduziert
In Jever sind die Gaststätten geöffnet. Die Altstadtbrauerei Marienbräu an der Apothekerstraße beispielsweise bietet „alles rund um Bier, Burger, Spareribs“ an, das Le Petit Jever/La Vie direkt am Alten Markt fährt sogar ein „Vatertags Grill & Chill“ auf mit Open End. Inhaber Alexander Hasberg musste der Hamburger Liveband Atomic Playboys coronabedingt absagen, ein Bierwagen wird ebenfalls nicht aufgestellt. „Aber wir haben natürlich wieder eine Idee damit unsere Gäste nicht ganz auf dem Trockenen sitzen“, erzählt Hasberg und ist wie viele andere Gastronomen froh über die Wiedereröffnung.
Die Terrassen sind geöffnet ab 10 Uhr, angeboten wird ein Barbecue mit selbst gemachten Burgern und eine durchgehend warme Küche bis nachts um 3 Uhr. „Wir nutzen die Möglichkeit, aber natürlich unter Vorsicht und alles komplett reduziert. Trotzdem sind wir guter Dinge“, sagt Hasberg.
Dem anschließen kann sich auch „Haus der Getreuen“-Inhaber Thorsten Füllmann. „Wir haben viele Nachfragen bekommen in den letzten Wochen und als am Samstag, 9. Mai, die Entscheidung öffentlich wurde, dass wir wieder öffnen dürfen, haben wir gleich ein Konzept erarbeitet. Das Hygienekonzept soll dabei mit unserem Anspruch an ein herausragendes Gästeerlebnis im Einklang stehen“, erzählt Füllmann. Dafür hielt er auch Rücksprache mit Jevers Ordnungsamtsleiter Jörg Schwarz. Wiedereröffnung ist am morgigen Mittwoch. „Realistisch betrachtet konnten wir also nicht eher wieder eröffnen. Nach der Schließung war alles auf Null, auch die Lieferanten mussten neu auffahren, wir lassen uns alles frisch liefern. Wir wollten nichts überstürzen, sondern es richtig machen“, beteuert Füllmann. Das „Haus der Getreuen“ könne drinnen und draußen unter Berücksichtigung der Maßnahmen bis zu 110 Plätze anbieten. Der neue Biergarten wird ebenfalls am Mittwoch erstmals geöffnet.
Reservierungen seien übrigens nicht zwingend notwendig, Thorsten Füllmann empfiehlt sie den Gästen aber trotzdem: „Einige Reservierungen sind schon eingegangen, es dürfen sich aber gern noch mehr Gäste melden.“
Die schon traditionelle Vatertags-Sause ausfallen muss leider beim Waldschlösschen in Addernhausen. Dort hat das Ordnungsamt die Party vor allem deshalb untersagt, weil in den vergangenen Jahren trotz vieler Vorkehrungen der Gastronomen immer noch zu viele junge Leute die direkt am Haus vorbeiführende Kreisstraße belagerten. Stadt Schortens und Polizei hatte daher angeregt, die Straße komplett zu sperren – was sich aber nicht umsetzen lässt.
